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Geschichte
Als die Industrie in Oranienburg starb

Historikerin Christine Schoenmakers will über die Zeitenwende forschen.
Historikerin Christine Schoenmakers will über die Zeitenwende forschen. © Foto: privat
Klaus D. Grote / 30.05.2020, 08:39 Uhr
Oranienburg (MOZ) Was ist eigentlich los, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung und was hat die Geschichte mit der Gegenwart zu tun? Die in Oranienburg lebende und arbeitende Historikerin Christine Schoenmakers will den Entwicklungen der Wendezeit und ihren Nachwirkungen nach drei Jahrzehnten erforschen. Dazu wird die Veranstaltung "Zeitenwende – Wendezeiten. Der lange Weg der Transformation in Ostdeutschland" vorbereitet.

Exemplarisch will Christine Schoenmaklers die Stadt Oranienburg und die Abwicklung des Kaltwalzwerks in den Mittelpunkt rücken. Dabei soll es auch um die bis heute anhaltenden Folgen der damals oft schnell getroffenen Entscheidungen und rapiden Veränderungen gehen.

Oranienburg könne als Beispiel für viele andere mittelgroße Städte Ostdeutschlands stehen. Die Historikern hat für die am 27. September im Oranienwerk geplante Veranstaltung Fördermittel der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erhalten. Mit dem Veranstaltungsort wird der historische Bezug zum verschwundenen VEB Kaltwalzwerk hergestellt, die Historikerin hat dort selbst ein Büro angemietet.

Das Gebäudeensemble sei einer der wenigen erhaltenen Orte der früheren Industriebetriebe Oranienburgs, das zugleich die interessanteste Transformation durchgemacht habe, sagt Schoenmakers. Zwischen 10 und 18 Uhr soll über die Geschichte des Werkes und die Entwicklungen der Stadt im Jahr 1990 informiert werden. Außerdem zeigt die Crew vom Theaterschüff, das derzeit ein dauerhaftes Lager im Oranienwerk einrichtet, alle drei Teile seines Theaterstücks "Treue Hände", das sich auf beeindruckende Weise mit der Abwicklung des Kaltwalzwerks durch die Treuhand beschäftigt.

Ins Gespräch kommen will Christine Schoenmakers während einer Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen und denjenigen, die die Transformation in Oranienburg damals begleiteten und auch gestalteten. "Leider ist jetzt noch unklar, ob wir die Veranstaltung wie geplant durchführen können", sagte Christine Schoenmakers. Es werde aber auch andere Möglichkeiten der Information geben.

Außerdem will die Historikerin zusammen mit ihrer Kollegin Hana Hlásková Wissen und Erinnerungen festhalten. In einer Zeitzeugenbox können Besucher von ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen in kurzen Interviews berichten. Diese Interviews könnten später auch für andere Projekte im Bereich Wissenschaft und Bildung verwendet werden, sagt Christine Schoenmakers. Denn insgesamt sei die Transformation nach dem Ende der DDR noch zu wenig erforscht.

Oranienburg soll beispielhaft Licht in die Folgen dieser politischen und historischen Zäsur bringen: in die persönlichen Brüche, biografischen Kontinuitäten, verschobenen Wertevorstellungen, die Fragen zu Ängsten, Verlusten und der Anerkennung persönlicher Lebensleistungen.

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