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Abschied
Roger Pautz ist ganz froh, Brandenburg zu verlassen

Roger Pautz ist froh über sein neues Leben in Berlin, wo er im Konrad-Adenauer-Haus für die CDU arbeitet.
Roger Pautz ist froh über sein neues Leben in Berlin, wo er im Konrad-Adenauer-Haus für die CDU arbeitet. © Foto: Amy Walker
Amy Walker / 30.05.2020, 11:00 Uhr - Aktualisiert 30.05.2020, 13:20
Birkenwerder (MOZ) So ganz hat Roger Pautz noch nicht alles aufgearbeitet. Zumindest erscheint im Gespräch ein bisschen der Eindruck, als ob er seine Zeit als Gemeindevertreter in Birkenwerder noch nicht vollständig mit sich selbst ausdiskutiert hat. Er ist zögernd in seinen Worten, denkt viel nach, bevor er antwortet und sagt auch offen: "Es hat mir unheimlich viel Kraft geraubt." Er brauche zumindest eine Pause von der Politik, vielleicht kehre er auch gar nicht wieder zurück. "Aber erstmal freue ich mich auf mein zurückgewonnenes Privatleben", sagt der 38-jährige Berliner.

Ärger über die AfD

Nach fast zehn Jahren in Birkenwerder, wo er CDU-Vorsitzender und lange auch Gemeindevertreter war, ist Roger Pautz jetzt zurückgetreten und wieder nach Berlin gezogen, nach Prenzlauer Berg.  Und keine Frage: Er ist sehr glücklich, wieder in Berlin zu sein. Auch wenn er es selbst nicht so deutlich aussprechen will: Am Ende hat er wohl schlicht keine Lust mehr gehabt.

Warum also? Liegt es speziell an Birkenwerder? Oder am Ehrenamt? "Wenn man in Birkenwerder als politische Organisation eine Idee in der Gemeindevertretung vorstellt, dann ist erst einmal jeder sauer, das es nicht seine eigene Idee war. Dann ist die Idee natürlich erstmal per se schlecht", findet Pautz, der dabei ein Lachen auf den Lippen hat. In Birkenwerder sei es immer so, dass alles tot diskutiert werde, sodass oft nichts vorankomme. Dadurch entstehe Frust bei den Kommunalpolitikern und bei den Einwohnern. "In Birkenwerder sind vor allem die Einheimischen sehr zurückhaltend. Ihnen wurde ja schon so viel vorgestellt, aus dem dann nichts wurde", sagt Roger Pautz.

Ein paar Erfolge kann der CDU-Mann aber doch vorweisen. "Wir sind mit der Ortsmitte ein ganzes Stück weitergekommen. Auch der Ideenwettbewerb dafür war eine kluge Entscheidung, wie ich finde", so Pautz. Auch sei er stolz darauf, wie sehr er sich bemüht habe, immer den Bürgern zuzuhören – auch wenn diese sich wiederum "nicht immer in die Karten schauen lassen". Das wird er sich für die Zukunft merken: Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kommunikation mit dem Bürger.

Auch wenn Birkenwerder ein paar Eigenheiten hat, liegt der Hauptgrund für seinen Frust aber eigentlich wo ganz anders. "Es ist großer Mist, dass die AfD in Brandenburg so einen großen Zuspruch hat. Das hat mich im Wahlkampf 2019 echt abgenervt, dass die Leute sich so leicht manipulieren lassen", sagt Roger Pautz sichtlich verärgert. Irgendwann habe er sich keine der AfD-Thesen mehr anhören können. "Was die sagen, ist oft einfach falsch." Aus diesen Erfahrungen hat er eine Theorie entwickelt, wie die Politik der Mitte wieder erfolgreicher werden könnte: "Vor 20 Jahren war es, glaube ich, so, dass ein Politiker sich hingestellt und seine Ideen vorgestellt hat. Heutzutage wollen die Menschen aber mehr Selbstbestimmung, denn sie haben viele gute eigene Ideen." Das habe die AfD gut verstanden, glaubt er.

Roger Pautz möchte in dem Zusammenhang klarstellen: "Ich bin nicht geflüchtet. Aber das Erstarken der AfD hat mir den Abschied aus Brandenburg nicht besonders schwer gemacht." Es sei einfach zu kräfteraubend gewesen, immer dagegenzuhalten – und für ihn war der Job als Kommunalpolitiker schließlich ein Ehrenamt. Die beiden AfD-Politiker in der Birkwerderaner Gemeindevertretung seien "vermeintlich nette Menschen". Aber je länger er sich mit ihnen beschäftigt habe, desto unangenehmer sei sein Gefühl gewesen. "Vielleicht muss ich einfach jetzt eine Pause machen, um Kräfte zu sammeln, damit ich den Kampf wieder aufnehmen kann."

Zeit ist zu kostbar

Also zurück nach Berlin. Neuer Job, neue Wohnung, neuer Freund, neues Privatleben. "Nach der Arbeit habe ich mich so lange nur mit der CDU Birkenwerder und der CDU Oberhavel auseinandergesetzt – da sind zu viele private Dinge auf der Strecke geblieben. Ich will jetzt nicht die gleichen Fehler nochmal machen", sagt Roger Pautz. Er will sich nicht am Ende seines Lebens fragen, was er eigentlich mit seiner kostbaren Zeit gemacht hat.

"Politik hat mir zwar auch Spaß gemacht, aber es ist ziemlich undankbar." Ganz ohne geht es aber auch nicht. Schließlich sei das "der rote Faden" seines Lebens, weiß der Berliner. Roger Pautz arbeitet jetzt in der Bundesgeschäftsstelle der CDU, im Konrad-Adenauer-Haus, als Referent für die Senioren-Union.

Auf die Frage, ob er jemals zurück nach Brandenburg kommen würde, macht Roger Pautz wieder eine Pause. Dann lacht er: "Ich kann ja jetzt die Wahrheit sagen. Ich bin Berliner, ich liebe diese Stadt. Hier kann ich so sein, wie ich bin."

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