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Marie-Curie-Gymnasium
Hohen Neuendorfer Schüler gewinnen bei "Jugend forscht"

Jürgen Liebezeit / 03.06.2020, 16:31 Uhr - Aktualisiert 03.06.2020, 16:58
Hohen Neuendorf (MOZ) Es hätte das Jahr des Hohen Neuendorfer Marie-Curie-Gymnasiums beim Wettbewerb "Jugend forscht" werden können. Alle drei Teams, die in unterschiedlichen Bereichen bei den Regionalausscheidungen angetreten waren, gewannen die Runde und qualifizierten sich für das Landesfinale.

"Wir hatten echte Chancen auf drei Titel", ist Lehrer Andreas Scheuermann, der den Wettbewerb am Gymnasium betreut und selber als Jurymitglied aktiv ist, überzeugt. Doch die Nachwuchsforscher konnten ihre Projekte nicht mehr vorstellen. Der Wettbewerb wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen. "Das ist richtig schade für die Jugendlichen, die viel Arbeit und Zeit in ihre Projekt gesteckt haben", so Scheuermann. "Es hätte das erfolgreichste Jahr aller Zeiten werden können."

Im Bereich Arbeitswelt setzten sich die 17-jährigen Anna-Lena Götz und Lena-Cosima Griepentrog mit dem Thema "Indoor Farming" auseinander. Sie untersuchten die Anbaumethode in geschlossenen Räumen ohne Sonnenlicht. Dazu bauten sie aus einem Plastikkasten ein kleines Gewächshaus. Die Pflanzen wurden mit einer LED-Lampe beleuchtet. Die Abiturientinnen bauten unter anderem Basilikum, Kresse und Salat an. "Unsere Pflanzen haben frischer geschmeckt, sind schneller gewachsen und waren wesentlich würziger", fasst Anna-Lena Götz die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit zusammen. "Die Methode ist umweltfreundlicher als der Ackerbau, weil Ressourcen geschont werden", benennt Lena-Cosima Griepentrog eine wesentliche Erkenntnis ihrer zweijährigen Forschungsarbeit. So werde weniger Wasser und weniger Platz benötigt. Sofern LED-Lampen zudem mit Strom aus Fotovoltaikanlagen betrieben würden, könne auch der verhältnismäßig hohe Stromverbrauch kompensiert werden. Die Anbaumethode sei nicht nur für wasserarme Regionen, sondern auch für den Weltraum geeignet und könne einen bedeutenden Beitrag gegen den Klimawandel leisten.

Mit einem ganz anderen Thema beschäftigte sich Leoluca Tinzmann im Bereich Informatik. Der 18-Jährige entwickelte ein Computerprogramm, mit dem eine Massenpanik simuliert werden kann. Über eine spezielle VR-Brille (Virtual Reality) sind Nutzer quasi mittendrin in dem gefährlichen Ereignis, das aus dem Nicht entstehen kann. "So können zum Beispiel Organisatoren von Konzerten und Festivals einen realen Eindruck von einer Massenpanik bekommen und im Vorfeld der Veranstaltung entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen", erklärt der Zwölftklässler ein Anwendungsgebiet seines Projekts. Leoluca Tinzmann will sein Programm jetzt optimieren und zum Kauf anbieten. Angesichts des Dramen bei der Love-Parade in Duisburg vor zehn Jahren und in mehreren Fußballstadien sieht Lehrer Andreas Scheuermann durchaus Bedarf für das Programm.

Grundlagen für ein völlig neues Bremssystem entwickelten Matti Fensch und Laurens Heinrich. Sie haben ein Konzept für ein regeneratives Bremssystem unter Nutzung radial verschiebbarer Masse geschrieben und sogar ein beeindruckendes Modell gebastelt. In einer Fahrradfelge haben sie an vier verstärkten Speichen bewegliche Gewichte angebracht, sodass das Trägheitsmoment sich je nach Lage und Situation verändert. Beim Bremsen befinden sich die Gewichte weit weg von der Felge, beim Beschleunigen sind sie möglichst nah an der Mitte des Reifens. Matti Fensch verdeutlicht an einem Eiskunstläufer die Idee, die dahintersteckt. "Er dreht sich bei einer Pirouette langsamer, wenn er die Arme ausbreitet, und schneller, wenn er seine Arme nah am Körper hat." In der Praxis könne das den Abrieb bei Bremsanlagen vermindern und so Feinstaub reduzieren. Auch für das autonome Fahren könne das System gute Dienste leisten, sind sich die Jungforscher, die im Bereich Physik antraten, einig.

Auch im nächsten Schuljahr will Scheuermannn mit einigen Teams an dem Wettbewerb "Jugend forscht" teilnehmen. Ein Thema dabei könnte die Untersuchung von Hohen Neuendorfs Insektenwelt sein.

Der Wettbewerb

Jugend forscht ist ein Schüler- und Jugendwettbewerb im Bereich Naturwissenschaften und Technik. Er gilt als der bekannteste in Deutschland.

Er wurde 1965 vom damaligen Stern-Chefredakteur Henri Nannen initiiert.

Es gibt jedes Schuljahr Regional- und Landesrunden sowie ein Bundesfinale, an denen insgesamt mehr als 10 000 Jugendliche teilnehmen.

Die Teilnehmenden bearbeiten Projekte zu von ihnen selbst gewählten Fragen und präsentieren ihre Ergebnisse einer Jury.

Es können Einzelpersonen oder Gruppen antreten.⇥zeit

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