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Aderluch
Gedenkstätte Sachsenhausen fordert andere Straßennamen für Oranienburger Neubaugebiet

Baugebiet am Aderluch in Oranienburg: Für acht neu entstehende Straße müssen Namen gefunden werden.
Baugebiet am Aderluch in Oranienburg: Für acht neu entstehende Straße müssen Namen gefunden werden. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 09.06.2020, 18:14 Uhr - Aktualisiert 10.06.2020, 12:16
Oranienburg (MOZ) Die Gedenkstätte Sachsenhausen und das Internationale Sachsenhausenkomitee (ISK) appellieren an die Stadtverordneten, die für das Neubaugebiet am Aderluch beschlossenen Straßennamen noch einmal zu überdenken. Für die Benennung der acht Straßen sollten ausschließlich Namen ehemaliger KZ-Häftlinge verwendet werden, die im damaligen Außenlager "Zeppelin" arbeiteten.

Das Lager lag in dem Areal zwischen Bahndamm und den Straßen Am Wald und Aderluch, wo sich später die DDR-Staatsreserve und zuletzt die DHL befanden.

"Wir fordern die Stadtverordneten auf, die Chance zu nutzen, den Verfolgten im Konzentrationslager, deren Individualität die Nationalsozialisten auslöschen wollten, durch einen Straßennamen wieder ein Gesicht zu geben", sagte Andreas Meyer, Vizepräsident des ISK am Dienstag. Montagabend hatte der Hauptausschuss die Vorschläge der Straßenbenennungskommission zur Entscheidung an die Stadtverordnetenversammlung weitergeleitet.

Die Kommission hatte sich vergangenen Donnerstag auf acht Oranienburgerinnen geeinigt, nach denen die Straßen benannt werden sollen, darunter die ehemalige Bürgermeisterin Hildegard Busse und die erste weibliche Stadtverordnete (ab 1919) Ida Ihle sowie zwei Frauen, die vom NS-Regime verfolgt wurden: die Ärztin Galina Romanowa und Rosa Broghammer, die als einzige Namensgeberin Inhaftierte des KZ Sachsenhausen war.

Dringender Appell

"Uns irritiert, dass es trotz mehrfacher Interventionen der Gedenkstätte und des ISK bisher nicht möglich war, die Straßen im Neubaugebiet Aderluch nach Häftlingen des KZ Sachsenhausen zu benennen", sagte Stiftungsdirektor Axel Drecoll. "Wir richten daher den dringenden Appell an die Stadtverordneten, die Vorschläge für die Straßennamen entsprechend zu modifizieren. Für die Überlebenden und die Angehörigen der etwa 200 000 im Konzentrationslager Verfolgten ist das ein ausgesprochen wichtiges Signal."

Durch die jetzt gemachten Namensvorschläge würden die Einmaligkeit des historischen Ortes und das Leiden der Opfer stark in den Hintergrund treten, sagten Meyer und Drecoll. Sowohl die Gedenkstättenstiftung als auch das ISK richten sich in ihrer Arbeit entschieden gegen die Gleichsetzung und Vermischung der zweifachen Geschichte von Sachsenhausen als Konzentrationslager und sowjetisches Speziallager, ohne dass dabei Unrechtszusammenhänge bagatellisiert werden sollen.

Kritik an Gisela Gneist

Besonders die Einbeziehung einer Frau, die im Speziallager inhaftiert war, drohe aber genau diese Differenzierungsbemühungen zu konterkarieren. Gemeint ist die Speziallager-Inhaftierte Gisela Gneist. Diese habe die Taten im Konzentrationslager verharmlost, später sogar Gaskammern geleugnet, schreibt José Trauffler, Tochter des im KZ Sachsenhausen inhaftierten René Trauffler und ISK-Mitglied in einem Brief an Bürgermeister Alexander Laesicke, den sie auch der Redaktion zukommen ließ. Sie sei entsetzt und es sei ihr unbegreiflich, dass nach Gisela Gneist eine Straße benannt werden solle.

Die Bundesverdienstkreuzträgerin Gisela Gneist, die 2007 in Hamburg starb, war ab 1994 Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-50".

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