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Autorin Marion Brasch soll Bundesfinanzminister für Lehnitz begeistern

Jens Wolfram (60) aus Berlin lernte mit Marion Brasch zusammen Schriftsetzer. Jetzt trafen sich die zwei zur Lesung und einem kurzen Plausch in Lehnitz wieder.
Jens Wolfram (60) aus Berlin lernte mit Marion Brasch zusammen Schriftsetzer. Jetzt trafen sich die zwei zur Lesung und einem kurzen Plausch in Lehnitz wieder. © Foto: Antje Jusepeitis
Antje Jusepeitis / 21.06.2020, 21:51 Uhr - Aktualisiert 22.06.2020, 16:06
Lehnitz (MOZ) Das korrekt mit Folienschutz versehene Mikrofon knarzt nach jedem Satz von Moderator Paul Werner Wagner. Kurzerhand rücken er und sein Gast, die Autorin und Radiomoderatorin Marion Brasch, dem Publikum im Garten der Friedrich-Wolf-Gedenkstätte im Alten Kiefernweg 5 in Lehnitz ein wenig näher, sprechen ohne Verstärkung.

Zwei Männer beschließen daraufhin, dass sie "Lieber woanders" sein möchten, da sie nichts hören können.

Sie verlassen die beginnende Lesung über Marion Braschs Buch mit eben dem Titel "Lieber woanders": Innerhalb von 24 Stunden bewegen sich die Hauptfiguren, Toni und Alex, aufeinander zu, ohne zu wissen, auf welch verhängnisvolle Weise sie miteinander verbunden sind.

Viel erfahren die rund 50 Besucherinnen und Besucher an diesem Sommersonnenwende-Nachmittag nicht über Toni und Alex, wenn sie das Buch nicht bereits kennen. Dafür spricht Marion Brasch, geboren 1961 in Berlin, über ihre Familie. Die Berlinerin ist die jüngste Tochter von Horst Brasch,  und Schwester der Schriftsteller Thomas und Peter Brasch, sowie von Schauspieler Klaus Brasch. Keiner ihrer DDR-kritischen Brüder lebt noch. Ihre Mutter starb, als Marion knapp 14 Jahre alt gewesen ist. Ihr Vater, unter anderem stellvertretender Kulturminister in der früheren DDR, kurz nach der Wende1989.

Über ihre Familie schrieb Marion Brasch ein Buch. In "Ab jetzt ist Ruhe" erzählt sie aus ihrer sehr persönlichen Sicht über die Tragik einer Familie, deren großzügiger, zugleich autoritärer Vater als kommunistischer Funktionär für eine bessere Zukunft nach dem Zweiten Weltkrieg antritt und doch an seinen Ansprüchen, seiner Starrheit, Zerrissenheit und dem System scheitert, und so verantwortlich wird für Zerwürfnisse innerhalb seiner Familie.

Marion Brasch arbeitete nach dem Abitur als gelernte Schriftsetzerin in einer Druckerei, bei verschiedenen Verlagen und beim Komponistenverband der DDR. 1987 begann sie als Musikredakteurin beim Jugendsender DT64 und ist heute Radiomoderatorin bei radioeins (RBB).

Ihre warme Stimme kennen auch viele im Lehnitzer Publikum. Dank des Einsatzes von Manfred Urack, der kurzerhand eine andere Technikanlage für die Lesung beschafft,  klingt diese schließlich deutlich bis zu den Zuhörenden. Unter ihnen ist unter anderen Jens Wolfram. Der 60-Jährige war extra aus Berlin angeradelt. Er und Marion Brasch besuchten dieselbe Schriftsetzer-Lehrklasse, hatten sich ewig nicht gesehen aber tatsächlich sofort wiedererkannt. Sie tauschten sich über eine Schwarz/Weiß-Fotografie aus, die Marion Brasch als junge Frau mit Gitarre zeigt. "Wo hast Du das denn her. Ja, ich weiß, das war Anfang der 1980er Jahre während eines Festivals", erinnert sie sich  während der Autogrammstunde.

Kurz zuvor erwähnte sie kurz ein in den nächsten Tagen anstehendes Interview mit Finanzminister Olaf Scholz im Zusammenhang mit der bundesweiten Erinnerung an die Deutsche Wiedervereinigung 1990.  "Was soll ich ihm für eine Botschaft überbringen, haben Sie Wünsche?", fragt die 59-Jährige die Gäste der Lesung. Ein Vorschlag lautet: "Ein kleines Rettungspaket für die Friedrich-Wolf-Gesellschaft und ihre Lehnitzer Gedenkstätte." Diese ist auf Spenden der Gesellschaftsmitglieder, Förderer und Eintrittsgelder aus Veranstaltungen angewiesen, Finanzmittel zur dauerhaften Unterhaltung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses sind mehr als knapp.

Wegen der Corona-Pandemie mussten Veranstaltungen auch in Lehnitz ausfallen. Die Lesung mit Marion Brasch war für den April vorgesehen, konnte jetzt nachgeholt werden. "Es war wunderbar", lautet die dankbare Zusammenfassung der Publikumsresonanz.

Als nächstes steht am 9. August um 15 Uhr eine Lesung mit Christoph Dieckmann, Redakteur und Autor für die Wochenzeitung Die Zeit und  "Chronist deutscher Lebenswelten."

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