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Steuern
Zwei Steueroasen in Oberhavel

Käufer einer Immobilie haben die fällige Grundsteuer B anfangs kaum im Blick. Sie fällt jedes Jahr an und gehört eigentlich zu den Betriebskosten wie Strom und Wasser.
Käufer einer Immobilie haben die fällige Grundsteuer B anfangs kaum im Blick. Sie fällt jedes Jahr an und gehört eigentlich zu den Betriebskosten wie Strom und Wasser. © Foto: Andrea Warnecke
Burkhard Keeve / 30.06.2020, 19:00 Uhr
Oberhavel (MOZ) Welche Kommune in Oberhavel und in ganz Brandenburg bietet Unternehmen den günstigsten Gewerbesteuerhebesatz? Wo sind für Landwirte und wo für Hauseigentümer die Grundsteuerhebesätze am höchsten? Jetzt liegt eine Erhebung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg vor. Da kann jeder auf einen Blick sehen, wie hoch oder niedrig die  Hebesätze der Grundsteuer A, der Grundsteuer B und der Gewerbesteuer waren.

Das A steht für agrarisch und das B für baulich. Grundsteuer A richtet sich also an die Land- und Forstwirtschaft und B ist reserviert für jeden Grund und Boden, der bebaut werden kann und nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Diese Grundsteuer müssen in der Regel Privatpersonen, also Hauseigentümer oder Grundstücksbesitzer bezahlen. Denn für den Besitz eines Grundstücks, ob bebaut oder unbebaut, verlangt der Fiskus Grundsteuer. Sie steht den Städten und Gemeinden zu (siehe Tabelle rechts).

Von den 417 Städten und Gemeinden in Brandenburg wiesen 41 bei der Grundsteuer A einen Hebesatz von 200 Prozent aus. In Oberhavel sind es fünf Kommunen (Fürstenberg, Glienicke, Liebenwalde, Oberkrämer und Zehdenick). Den höchsten Hebesatz meldete landsweit die Gemeinde Schwielochsee im Landkreis Dahme-Spreewald mit 1 441 Prozent. Die Obergrenze in Oberhavel liegt bei 700 Prozent (Gransee, Großwoltersdorf und Sonnenberg).

In 28 Gemeinden Brandenburgs wurde bei der Grundsteuer B ein Hebesatz von 300 Prozent festgesetzt. In Oberhavel locken damit zwei Städte: Liebenwalde und Zehdenick. Die höchsten Hebesätze bei der Grundsteuer B meldeten auch in diesem Jahr die kreisfreien Städte. Spitzenreiter mit 545 Prozent war die Landeshauptstadt Potsdam, gefolgt von Brandenburg an der Havel mit 530 Prozent, Cottbus mit 500 Prozent und Frankfurt (Oder) mit 480 Prozent. In Oberhavel "glänzt" die kleine Gemeinde Sonnenberg mit dem höchsten Satz: 450 Prozent.

Lidl in Kreuzbruch

Bei einer Kaufentscheidung für ein Grundstück oder eine Immobilie scheint die Grundsteuer B jedoch keine entscheidende Rolle zu spielen. "Die Frage nach der Höhe der Grundsteuer hat mir noch nie jemand gestellt", sagt Immobilienfachfrau Ramona Schulze von Heinrich Allfinanz aus Oranienburg. "Ich gehe davon aus, dass der Interessent sich finanziell im Klaren ist, was auf ihn zukommt." Wie hoch die Bewirtschaftungskosten von Strom, Wasser, Gas und Grundsteuer sind, gehöre zu den allgemeinen Berechnungen. Diese Einschätzung teilt auch Makler Carsten Schwarz von Lehnitz-Immobilien. "Für die meisten spielt die Grundsteuer B keine Rolle bei einer Kaufentscheidung."

Anders sieht es sicherlich bei der Gewerbesteuer aus. Hier schauen die Unternehmen und Firmen schon genauer hin, wo sie ihre Zentrale ansiedeln. Das zeigt das Beispiel Liebenwalde. Als eigene Gemeinde kann Liebenwalde die Höhe für den Hebesatz der Gewerbesteuer frei bestimmen. Das nutzte Lidl aus und verlegte eine Konzerntochter pro forma aus Neckarsulm nach Kreuzbruch. Seitdem sprudelt die Gewerbesteuer wie in kaum einer anderen Stadt Brandenburgs. Hier liegt der Hebesatz für die Gewerbesteuer bei niedrigen 250 Prozent. Eine Firma, die eine Million Euro Ertrag erzielt, muss nur 87 500 Euro an Gewerbesteuer zahlen. In Lidls Heimatstadt Neckarsulm beträgt der Hebesatz für die Gewerbesteuer 320 Prozent; 110 000 Euro wären dort je Ertragsmillion fällig. Teurer noch ist die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam mit ihren 455 Prozent Hebesatz: Dort wären es mehr als 158 000 Euro Gewerbesteuer. Kein Wunder also, dass sich Lidl die Steueroase Kreuzbruch ausgesucht hat. Noch niedriger liegt der Steuersatz nur noch in der Gemeinde Zossen (Landkreis Teltow-Fläming) mit 200 Prozent.

Höchster Hebesatz in Potsdam

Nach Potsdam mit den landesweit  höchsten Hebesatz bei der Gewerbesteuer (455) folgt Brandenburg an der Havel mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 450 Prozent. In Oberhavel verlangen Hennigsdorf (380) und Oranienburg mit 370 Prozent die höchsten Gewerbesteuersätze.

Hebesätze der Realsteuern 2019

Birkenwerder:Grundsteuer A: 250 ProzentGrundsteuer B: 350 ProzentGewerbesteuer: 350 Prozent

Fürstenberg:Grundsteuer A: 200Grundsteuer B: 350Gewerbesteuer: 320

Glienicke:Grundsteuer A: 200Grundsteuer B: 300Gewerbesteuer: 300

Gransee:Grundsteuer A: 700Grundsteuer B: 390Gewerbesteuer: 300

Großwoltersdorf:Grundsteuer A: 700Grundsteuer B: 390Gewerbesteuer: 330

Hennigsdorf:Grundsteuer A: 230Grundsteuer B: 410Gewerbesteuer: 380

Hohen Neuendorf:Grundsteuer A: 300Grundsteuer B: 400Gewerbesteuer: 380

Kremmen:Grundsteuer A: 240Grundsteuer B: 360Gewerbesteuer: 315

Leegebruch:Grundsteuer A: 230Grundsteuer B: 400Gewerbesteuer: 350

Liebenwalde:Grundsteuer A: 200Grundsteuer B: 300Gewerbesteuer: 250

Löwenberger Land:Grundsteuer A: 260Grundsteuer B: 370Gewerbesteuer: 320

Mühlenbecker Land:Grundsteuer A: 250Grundsteuer B: 375Gewerbesteuer: 325

Oberkrämer:Grundsteuer A: 200Grundsteuer B: 350Gewerbesteuer: 321

Oranienburg:Grundsteuer A: 300Grundsteuer B: 400Gewerbesteuer: 370

Schönermark:Grundsteuer A: 600Grundsteuer B: 390Gewerbesteuer: 300

Sonnenberg:Grundsteuer A: 700Grundsteuer B: 450Gewerbesteuer: 300

Stechlin:Grundsteuer A: 600Grundsteuer B: 390Gewerbesteuer: 330

Velten:Grundsteuer A: 235Grundsteuer B: 355Gewerbesteuer: 345

Zehdenick:Grundsteuer A: 200Grundsteuer B: 300Gewerbesteuer: 300

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