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Drogenhandel
173 Kilogramm Marihuana geerntet – vier Oberhaveler vor Gericht

So muss es auch in der Lageshalle in Dahnsdorf ausgesehen haben (Symbolfoto).
So muss es auch in der Lageshalle in Dahnsdorf ausgesehen haben (Symbolfoto). © Foto: dpa
Inggmar Höfgen / 31.07.2020, 18:59 Uhr - Aktualisiert 31.07.2020, 19:13
Oberhavel (MOZ) Vier Oberhaveler müssen sich seit Freitag wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Drogenhandels vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Sebastian R. aus Oberkrämer und Göran J. aus Velten sollen eine Cannabis-Plantage, die im Februar 2019 in Dahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) aufgeflogen ist, betrieben haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Oberhavelern vor, etwa neun Monate lang die Aufzucht gemeinsam mit drei weiteren Männern betrieben und als Bande gewerbsmäßig mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Zwei dieser Männer stehen ebenfalls vor Gericht. Ebenso R.s Ehefrau und sein Vater, die tageweise auf der Plantage in einer mit Solardach ausgestatteten, ehemaligen LPG-Anlage gearbeitet haben sollen. Insgesamt sollen dort zwischen Mai 2018 und Februar 2019 laut Staatsanwaltschaft rund 173 Kilogramm Marihuana geerntet worden sein.

Vorwürfe teilweise eingeräumt

Am ersten der bisher angesetzten neun Verhandlungstage haben die vier Oberhaveler die Vorwürfe teilweise eingeräumt. Sie ließen durch ihre Verteidiger Erklärungen verlesen, die sich inhaltlich stark ähnelten. Danach scheint eine gutbürgerliche Familie aus Oberkrämer, engagiert im Rugby und bei den Rettungsschwimmern, aus Versehen ans untere Ende der illegalen Cannabis-Produktionskette gerutscht zu sein. Nachfragen zu ihren weitgehend geständigen Einlassungen wollten sie eigentlich nicht beantworten, taten es teilweise aber doch. Wie der inzwischen aus der Untersuchungshaft entlassene Sebastian R.vorlesen ließ, habe er von einem örtlich ansässigen Landwirt jene Halle zur Verfügung gestellt bekommen. Er wollte dort Boots- und Autoteile lagern. Der ebenfalls angeklagte Landwirt, der laut R. mit der Plantage nichts zu tun habe, hätte jemanden gesucht, der das Gebäude mit dem Solardach in Ordnung hält. Dann aber ließ R. sein Vorhaben schleifen.

Mitte 2018 habe sein Kumpel Göran J. angefragt, ob er die Halle mieten könnte. Sebastian R. will zwar etwas geahnt haben, gab sie ihm aber dennoch. Aber erst, als Ende Oktober in die Halle eingebrochen und angeblich eine komplette Ernte gestohlen worden war, will R. von J. eingeweiht worden sein.

Dann habe R. "einen Fehler gemacht" – statt den verschuldeten J. aufzufordern, alles herauszunehmen, habe er mit ihm beraten, wie es weitergehen könnte. Beide fuhren zu einer Sicherheitsfirma in Saarbrücken, deren Chef R. kannte. Dieser schickte einen Deutschen algerischer Abstammung, der ebenfalls angeklagt ist, damit er in der Anlage wohne und alles bewache.

Als J., der sich um die Pflanzen kümmerte, nach einem Saunabesuch um den Jahreswechsel 2018/2019 ausrutschte und sich mehrere Rippen brach, bat R. jene um Hilfe, denen er hundertprozentig vertraut – zwei Familienmitglieder. Seine Frau gestand, zweimal dort gewesen zu sein, sein Vater vier- oder fünfmal. Das versprochene Geld, 100 Euro pro Tag, wollen sie nach eigenen Aussagen nicht erhalten haben.

Angst vor Repressalien

Göran J. ließ verlesen, dass er mit dem Anbau nur einmal viel Geld verdienen und alle seine Schulden bezahlen wollte. Jetzt habe er aber mehr Miese als vorher, und das "bei Leuten, bei denen man keine Schulden haben will". Wer ihm das Startkapital von 5 000 Euro vorgeschossen habe, sagte er "aus Angst vor Repressalien" nicht. Deutlich wurde die Strategie der Verteidigung: Es gab keine Bande, es gab keine Ernte und damit auch keinen Handel.

Bisher hat die 4. große Strafkammer weitere acht Verhandlungstage bis zum 28. August angesetzt. Weiter geht es am kommenden Dienstag im Gebäude des Verfassungsgerichtes Brandenburg. Dort sind die Strafrichter für dieses Verfahren zu Gast, weil sich im größten Verhandlungssaal des Landgerichts Potsdam die Corona-bedingten Abstandsregeln kaum einhalten lassen.

Zu den sechs Angeklagten mit Verteidigern und einem Übersetzer gesellt sich auch noch der Anwalt einer Marwitzer Grundstücksgesellschaft, die unter anderem Sebastian R. gehört. Von ihr will die Staatsanwaltschaft offenbar Geld einziehen. Was es dabei mit Überweisungen und Bareinzahlungen auf sich hat, dürfte in den kommenden Wochen ebenfalls zum Thema werden.

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