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Tierhandel
Corona und der Welpenschutz

Sehnsucht nach einem Zuhause: Winston wartet im Tierheim auf eine zuverlässige Familie.
Sehnsucht nach einem Zuhause: Winston wartet im Tierheim auf eine zuverlässige Familie. © Foto: TSV
Thomas Pilz / 31.07.2020, 20:00 Uhr
Tornow (MOZ) Wegen Corona sind viele Veranstaltungen abgesagt worden. So auch die überregional beliebte und bei Experten in ganz Deutschland geschätzte Collie-Hundeshow in Blumenow. Wegen der Hygiene-Bedingungen, die objektiv nur schwer einzuhalten sind, heißt es. Veranstalter und Züchter Eberhard Otto befindet sich aber in der Zwickmühle: Er kann sich vor Anfragen nach Hunden der begehrten Rasse nicht retten.

Wie das zusammengeht? "Weil Corona dafür gesorgt hat, dass die Grenzen dicht gemacht wurden", sagt der erfahrene Züchter und Ortsvorsteher. Illegale Schleusungen sogenannter Zuchthunde, zum Beispiel aus Polen, seien in den vergangenen Monaten dank der Pandemie quasi ausgeschlossen gewesen. "Zugleich hat der Bedarf nach Hunden aber nicht nachgelassen, eher noch zugenommen. Und so gibt es verstärkt Nachfragen", so der Ruheständler. Diese Nachfragen können der Züchter und seine Frau Karin allerdings nicht in dem Umfang wie gewünscht erfüllen. "Und so geht es vielen Kollegen in Deutschland", erläutert Eberhard Otto, der täglich in Kontakt mit Züchtern anderer Bundesländer steht.

Aber begrüßt werden könne es nur, dass die zum Teil barbarische Tierquälerei und illegale Geschäftemacherei dank der Pandemie erst einmal eingedämmt wurde. Bitter sei aber, dass die Collie-Show abgesagt werden musste. Es wäre die 24. ihrer Art bereits gewesen. Leider könne der Abstand der Hundehalter zueinander auf dem Platz und auch im Ring bei den Bewertungen für die Zulassung nicht hundertprozentig gewährleistet werden. Wenngleich Maskenpflicht kein Problem gewesen wäre.

Nicht allein die illegalen Züchtungen im Ausland sind im Übrigen von Corona zurückgedrängt worden, wie Otto andeutet. Auch das Geschäft mit streunenden Hunden aus ganz Europa, vorzugsweise aus den ärmeren Regionen im Süden und Osten, scheint zum Erliegen gekommen zu sein.

Schwarzmarkt ist Tierquälerei

Es gebe da viele "Gutmenschen", die aus falsch verstandener Tierliebe zum Beispiel Hunde in ganzen Wagenladungen nach Deutschland einschleusen. Kürzlich erfuhr Otto, dass in Deutschland eine Fuhre mit etwa 100 Hunden aus Spanien entdeckt wurde", berichtet der Blumenower. Das Tierheim in Tornow vermittelt auch Tiere, die im Ausland, etwa in Rumänien, zur Welt kamen. Ellen Schütze, die Vorsitzende des Tierschutzvereins in Oberhavel, bestätigt das. Sie freue sich auch darüber, dass wegen Corona die illegalen Machenschaften beim Tierhandel eingedämmt  wurden. Extremes Leid und tausendfacher Schmerz bei den Tieren würden dadurch vermieden. Gleichwohl sieht sie das Problem auch aus einer anderen Perspektive:  "Die andere Seite der Medaille ist eben, dass es Leute bei uns gibt, die sich aus materiellen Gründen, oder aber einfach, weil sie geizig sind, einen Hund aus illegaler Züchtung besorgen", erläutert die Tierschützerin, im Hauptberuf Juristin. Echte Rassehunde seien nun einmal teuer. Wer nur ein Fünftel des Preises bezahlen will,  nutze den Schwarzmarkt. Mit der Folge, dass etwa die Welpen aus finanziellen Gründen von diesen kriminellen Züchtern schon nach vier Wochen von der Mutter getrennt werden. Pure Tierquälerei. Die verachtenswerte Praxis setzt sich fort, wenn der Hund eines Tages dem neuen Besitzer nicht mehr gefällt. Dann würden die Tiere ausgesetzt. Was häufig einen qualvollen Tod für die an einen Baum im Wald gebundenen Tiere bedeutet, merkt die Leiterin des Tierschutzvereins an.

Eine schwere Zeit liegt hinter ihr. Wegen Corona steht das Heim unter Quarantäne. Ehrenamtliche Helfer können nicht anpacken. Vieles bewältigt Ellen Schütze in Eigenregie. Und vermehrt gebe es den Fall, dass Leute, die sich während der Pandemie einen Hund zur Beschäftigung für die Kinder anschafften, nun den Hund wieder abgeben. Andererseits bestätigte sich nicht, dass bei steigenden Opferzahlen  durch Corona auch die Abgabe von Tieren, die kein Herrchen mehr haben, zunimmt. "Dieser Fall ist zum Glück bei uns nicht eingetreten."

Kriminelle Machenschaften

Mittlerweile sind die Zeitungen und das Internet von unseriösen Welpenhändlern übersät. In Kleinanzeigen und im Internet werden viele Hundewelpen angeboten, die aus Hundefabriken aus dem Ausland stammen. Händler werben damit, eine große Auswahl verschiedener Mode-Rassen anbieten zu können.

Das Leid dieser Welpen ist immens. Sie werden meist viel zu früh von der Mutter getrennt, so dass die für Hunde sehr wichtige Sozialisierung nicht stattfinden kann.

Die Folge: Massive Verhaltensprobleme der Tiere, zum Teil bis ins Erwachsenenalter.⇥pilz

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