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Katrin Kittel
Schmachtenhagens Ortsvorsteherin will vor allem sichere Radwege

Sorgt für frischen Wind: Katrin Kittel ist voriges Jahr erstmals zur Wahl angetreten. Sie setzt neue Akzente und will etwas für Schmachtenhagen bewegen.
Sorgt für frischen Wind: Katrin Kittel ist voriges Jahr erstmals zur Wahl angetreten. Sie setzt neue Akzente und will etwas für Schmachtenhagen bewegen. © Foto: Friedhelm Brennecke
Friedhelm Brennecke / 01.08.2020, 07:30 Uhr - Aktualisiert 01.08.2020, 10:05
Schmachtenhagen (MOZ) Oranienburg ist eine wachsende Stadt, die spätestens zum Jahresende die Einwohner-Marke von 46.000 knacken wird. Doch längst nicht alle Oranienburger leben tatsächlich in der Kernstadt. Inzwischen sind in den acht Ortsteilen knapp 16.000 Menschen zu Hause. Denn auch die Ortsteile wachsen mit, haben zum Teil sogar einen enormen Zuzug.  Verbunden ist das oft auch mit einer sozialen Infrastruktur, die mit dem schnellen Wachstum nicht mithalten konnte. Was in den Ortsteilen gut läuft, was besser sein könnte und wie man sich dort die Zukunft vorstellt, wollen wir gern von den Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern wissen. Die Interview-Serie wird heute mit Katrin Kittel (FWO), Ortsvorsteherin von Schmachtenhagen, fortgesetzt.

Was läuft gut in Ihrem Ortsteil?

Katrin Kittel: Schmachtenhagen ist als drittgrößter Ortsteil von Oranienburg nicht schlecht aufgestellt. Wir haben jetzt einen schönen Bildungscampus mit Kita, Grundschule, Hort und Jugendclub. Im Ort gibt es Arztpraxen und einen Lebensmittel-Discounter. Unsere zahlreichen Vereine sorgen für ein lebendiges Dorfleben und einen guten Zusammenhalt.

Wo hakt es, welche Probleme müssten vordringlich gelöst werden?

Da gibt es mehrere Probleme, deren rasche Lösung uns am Herzen liegt. Zum einen sind es die noch immer nicht gebauten Querungen auf der Dorfstraße, die für einen sichereren Weg zur Schule, zur Kita und zum Ärztehaus sorgen sollen. Weiterhin fehlen noch immer sichere Radwege im Ort, vor allem entlang der B 273. Zahlreiche Straßen befinden sich in einem schlechten Zustand. Sie mit einer Tränkdecke nach dem Bernauer Modell zu sanieren, halten wir für erforderlich und sinnvoll. Nachholbedarf gibt es im ÖPNV, wo wir gern möchten, dass die Busse abends länger fahren. Schließlich sollte die Heidekrautbahn täglich bis Schmachtenhagen verkehren. Das wäre auch für Pendler nach Berlin eine gute Sache und würde selbst die Kernstadt Oranienburg noch entlasten.

Halten Sie die Unterstützung durch die Stadt für ausreichend und angemessen?

In den Ortsteilen herrscht oft die Meinung vor, dass Politik und Verwaltung immer zuerst an die Entwicklung in der Kernstadt denken. Wenn wir unsere Probleme vortragen, finden wir meistens auch Gehör. Um in der Sache aber wirklich etwas zu bewegen, muss man an den Problemen einfach dran bleiben, sie immer wieder vorbringen und manchmal vielleicht damit im Rathaus auch nerven.

Erwarten Sie weiteren Zuzug in Ihrem Ortsteil?

Definitiv. Mit knapp 2 600 Einwohnern ist Schmachtenhagen schon der drittgrößte Ortsteil Oranienburgs. Allein von vier Bebauungsplänen (Mühlenweg, alte Schmiede, Ost und Bauernmarkt Chaussee) erwarten wir den Neubau von gut 50 Wohneinheiten. Außerdem entstehen im gesamten Ort noch eine ganze Reihe von Einfamilienhäusern privater Häuslebauer. Das wird unsere Einwohnerzahl noch etwas nach oben treiben.

Hat durch die Corona-Krise der Zusammenhalt im Ort gelitten?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Zusammenhalt ist eher noch gewachsen. Wir hatten die Initiative "Schmachtenhagen hilft 2020" ins Leben gerufen, um bei Bedarf zum Beispiel älteren Menschen Hilfe anzubieten. Die Resonanz war nicht so groß. Nur in zwei Fällen mussten wir einspringen. Das zeigt, dass die Nachbarschaftshilfe funktioniert und in dieser Zeit noch einen neuen Schub bekommen hat.

Welche Veranstaltungen, die traditionell in Ihrem Ort stattfinden, mussten oder müssen abgesagt werden?

Ausgefallen ist das traditionelle Osterfeuer. Ob unser Dorffest am 11. und 12. September stattfinden kann, ist noch nicht endgültig klar. Es wäre jedenfalls schade, wenn es auch Corona zum Opfer fallen müsste. Das hängt aber von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Schön wäre außerdem, wenn wir am 24. Oktober ein Brückenfest zusammen mit Friedrichsthal rund um die Grabowseebrücke feiern könnten. Das ist ein Wunsch beider Ortsbeiräte und könnte den Zusammenhalt auch über die Ortsgrenzen hinweg stärken.

Wie haben Sie selber diese Krise gemeistert?

Gesundheitlich habe ich das recht gut gemeistert, bin zur Arbeit gefahren, habe also kein Homeoffice gemacht. Als positiv habe ich empfunden, dass es weniger Auto- und Flugverkehr gegeben hat, was die Luft klarer und reiner gemacht hat. Den vielfältigen Gesang der Vögel habe ich bewusster wahrgenommen. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass sich die Natur etwas erholen konnte.

Welches sind Ihre größten Wünsche für die Zukunft?

Da kann ich auf meine Antworten zur Frage 2 verweisen. Außerdem brauchen wir mehr Platz für den Hort. Dazu könnte der Dachboden in der Remise ausgebaut werden. Ein ganz großer Wunsch ist es, aus der alten Kita eine Art Gemeinschaftshaus zu machen, in dem auch Veranstaltungen von Vereinen und Privaten stattfinden können. Auch ein Heimatmuseum für die drei Ortschaften Schmachtenhagen, Wensickendorf und Zehlendorf können wir uns sehr gut in dem Gebäude vorstellen. Außerdem wünsche ich mir, dass der Bauernmarkt mit neuem Konzept und Betreiber als attraktiver Ausflugsort wiederbelebt wird.

Was oder welchen Ort in Ihrem Ortsteil würden Sie Besuchern auf jeden Fall zeigen und warum?

Da gibt es mehrere Orte, etwa die Kirche, die alte Darre und natürlich die vielfältige Natur in und um Schmachtenhagen. Die Bäke, die sich durch den Ort schlängelt, selbstverständlich auch. Ich liebe die Natur, den Wald und die Wiesen.

Zur Person:Katrin Kittel

Katrin Kittel (51) ist gelernte  Finanzkauffrau. Sie arbeitet im Finanzamt Oranienburg. Zu ihren Hobbys zählt neben wandern und Natur Heimatgeschichte. Katrin Kittel ist auch Vorsitzende des Heimatvereins Schmachtenhagen.

Ortsvorsteherin ist Katrin Kittel seit der Kommunalwahl im vorigen Jahr, zu der sie als Kandidatin der Freien Wähler Oberhavel (FWO) erstmals angetreten war. Die Freien Wähler holten mit 25,4 Prozent die meisten Stimmen. Auf Katrin Kittel entfielen damals 495 Stimmen. Seit Mai gehört sie als Nachrückerin von Dr. Nicola Jores auch der Stadtverordnetenversammlung Oranienburg an.

Eine Besonderheit in Schmachtenhagen ist es, dass pro Partei oder Wählergruppe nur jeweils ein Vertreter dem fünfköpfigen Ortsbeirat angehört. Nach dem Ausscheiden von Ingo Schmidt (AfD) und dem Verzicht eines Nachrückers besteht der Ortsbeirat Schmachtenhagen künftig nur noch aus vier Mitgliedern.⇥bren

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