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Verhütung aus dem Kasten

Jörg Kühl / 10.01.2017, 19:30 Uhr
Beeskow (MOZ) Kondom-Automaten in Bahnhofstoiletten oder in Gaststätten sind ein gewohntes Bild. Viel seltener trifft man sie im öffentlichen Raum an. Das Oder-Spree Journal hat sich in der Region umgesehen, und ist fündig geworden.

In Beeskow gibt es mindestens zwei Kondomautomaten, die öffentlich zugänglich sind: Einer steht etwas verschämt zwischen dem Penny-Parkplatz und dem Krankenhausgelände, ein weiterer am Bahnhof. Das Sortiment des Krankenhausexemplars ist überschaubar, dennoch ist für jedermann und -frau etwas dabei: Billy-Boy mit zarten Perlnoppen "für intensive Stimulation". Das Angebot "easy" (sechs extra-feuchte Kondome für drei Euro) ist für die standhaften Glieder der Gesellschaft mit schlaffem Geldbeutel das Nonplusultra. Wer das Angebot "Amor" wählt, zieht vier Gummis in unterschiedlicher Ausführung aus dem Warenschacht.

Nicht nur Kondome gibt es in den Automaten zu kaufen, sondern auch allerlei Sex-Gags und erotische Spielzeuge. Für den Einsamen gibt es die Travel-Pussy, eine künstliche Vagina. Der Vibrator-Fingerring ist wahrscheinlich eher etwas für die geneigte Dame. Vielfalt herrscht in der Überraschungs-Packung, die je nach Zufallsprinzip einen Glibber-Penis, einen perlgenoppten Lustfinger oder einen knapp geschnittenen Damen-Slip enthält: Erlaubt ist, was alleine, zu zweit oder wie auch immer Spaß macht.

Manche kaufen Kondome ganz unerschrocken in den zahlreichen Beeskower Einkaufsläden, in der Drogerie, oder, wenn diese Bezugsquellen schon geschlossen sind, an einer Tankstelle. Wer keine Lust hat, an der Kasse von Frau Biedermann, mit der man sonst über Tomaten und Treuepunkte plaudert, komisch angesehen zu werden, fährt in eine weiter entfernte Stadt, etwa nach Frankfurt (Oder) oder Fürstenwalde. Manchmal haben aber alle Läden und Zapfstellen in der Nähe geschlossen, beziehungsweise die Fahrt in die nächstgelegene "neutrale" Stadt würde zu lange dauern. Für all jene steht Abhilfe bereit: Die öffentlichen Kondomautomaten.

Frank Krautz von der Firma Gastroservice Trendline in Spreetal (Ostsachsen), der Automaten unter anderem in Eisenhüttenstadt, Beeskow, Neuzelle, Guben Wiesenau betreibt, legt großen Wert auf Qualität und Frische seiner Produkte. "Wir warten unsere Automaten im regelmäßigen Turnus." Per Computer werde der Verbrauch jedes einzelnen Automaten ermittelt und so die optimalen Bestückungs-Intervalle ermittelt. Mindestens einmal pro Jahr kommt Frank Krautz auf seiner Tour auch in Ostbrandenburg vorbei, um nach dem rechten zu sehen. Bei einer Haltbarkeitsdauer von mindestens drei Jahren sei das völlig ausreichend. "Unsere Markenkondome werden von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt regelmäßig getestet und mit dem OK-Siegel zertifiziert", versichert der Automatenaufsteller.

Neben dem geschäftlichen Interesse treibt Frank Krautz auch die Gesundheits-Vorsorge an: "Der Automat erfüllt eine wichtige Funktion in der AIDS-Prävention, wenn er dort zu finden ist, wo andere Bezugsquellen für Präservative nicht verfügbar sind oder zu Tageszeiten, an denen die Läden geschlossen sind." Die Automaten ermöglichten einen anonymen und unkomplizierten Verkauf von Kondomen, lobt der Unternehmer die Vorzüge. "Es gibt regelrechte Automaten-Menschen." Als Frank Krautz nach der Wende ins Automatengeschäft einstieg, waren die Geräte noch deutlich kleiner, als heute und enthielten nur Kondome. Zwei- und Dreischachtanlagen waren 1991 der Standard. "Seit der Jahrtausendwende etwa ergänzen wir unser Sortiment mit anderen Erotik-Artikeln."

Inzwischen betreibt der Unternehmer Anlagen mit bis zu zwölf Warenschächten. Aufbrüche und Sachbeschädigungen, etwa durch Böller, gehören für den Unternehmer zu den unangenehmen Randerscheinungen. Möglichen Tätern macht er aber wenig Hoffnung auf satte Beute: "Die Sachschäden sind in der Regel viel teurer, als das Innenliegende Geld wert ist."

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