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Weniger Wild bei Zeust geschossen

Jörg Kühl / 06.02.2017, 19:46 Uhr
Zeust (MOZ) Jäger und Flächeneigentümer des Jagdreviers Zeust fordern eine Kontrolle der Wolfsbestände im Land. Sie reagieren damit auf sinkende Abschusszahlen von Wild. Die örtliche Jagdgenossenschaft will den Waidmännern in der kommenden Saison einen Teil der Jagdpacht erlassen.

Der Wolf ist nach Meinung der im Raum Zeust tätigen Jäger einer der Gründe, warum die Abschusszahlen von Wild zurückgehen. Wie Flächeneigentümer und Jäger Peter Emshoff mitteilt, sei die Zahl der erlegten Rehe, Wildschweine und Hirsche in der laufenden Saison "deutlich rückläufig". Als einer der Faktoren für diese Entwicklung vermutet er die zunehmende Anwesenheit von Wölfen in der Region um Zeust. Entsprechende Spuren würden regelmäßig in der Gegend entdeckt. Erst vor wenigen Wochen hatte der Jagdpächter zwischen Zeust und Krügersdorf die Trittsiegel von vier Wölfen im Schnee dokumentiert und in der Nähe ein gerissenes Reh entdeckt.

Genaue Abschusszahlen könnten erst nach der Beendigung des Jagdjahres am 31. März festgestellt werden. "Stets zum 1. April eines jeden Jahres wird die tatsächliche Strecke ermittelt. Ich erhalte dann die Meldungen sämtlicher Jagdausübungsberechtigten unseres gemeinsam bejagten Reviers", erläutert Emshoff. Dieses Ergebnis werde dann mit der Jagdgenossenschaft erörtert.

Angesichts der geschrumpften Strecke hat die Jagdgenossenschaft Zeust beschlossen, den Jägern entgegenzukommen und die Jagdpacht für die kommende Saison zu reduzieren. "Die Jagd muss attraktiv bleiben", erläutert der Vorsitzende Dietmar Staar den bemerkenswerten Schritt. Es liege im Interesse der Flächeneigentümer, das auch künftig das Wild auf den Flächen bejagt werde: "Niemand hat etwas davon, wenn sich künftig kein Jagdpächter mehr dazu bereit erklärt."

Staar bestätigt, dass der Wolf einer der Faktoren für den rückläufigen Wildbestand sein könnte. Er nennt aber noch weitere Gründe. Darunter die Konzentration der Maisanbauflächen in der Region. Die führe dazu, dass sich vor allem Wildschweine in den Feldern aufhalten, wo sie vor dem Zugriff der Jäger geschützt seien. "Diese Wildart hat sich zu größeren Rotten zusammengestellt, und wechselt häufiger seine Standorte", meint hingegen Emshoff. Wenn aus einer Rotte ein Stück erlegt werde, verlasse diese für einige Zeit das entsprechende Gebiet. Das bedeute bei Großrotten, dass zunächst das Jagdrevier frei von Wildschweinen sei. "Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass ein Wolfsrudel auch das wehrhafte Schwarzwild angreifen wird. Zumal Rehwild in unserer Region bereits stark dezimiert ist und somit nicht mehr so häufig als Beutewild zu reißen ist", so der Flächeneigentümer und Jäger.

Bei den Rehen seien die gravierendsten Einschnitte zu verzeichnen: Gegenüber der langjährigen Strecke betrage die Quote der erlegten Rehe nur noch 40 Prozent. "Sicherlich könnte das eine oder andere Stück mehr erlegt werden, der durch das Wolfsvorkommen stark dezimierte Bestand erlaubt aber keine stärkere Bejagung", so Emshoff. Nur so sei es möglich, ein Minimumvorkommen konstant zu erhalten. Das Rehwild unterliegt inzwischen keiner behördlichen Abschussplanung mehr.

Rotwild sei in dem Revier Zeust zum reinen Nachtwild geworden, so der Jäger weiter: "Nachts darf auf Rotwild nicht gejagt werden. Daher ist seit einigen Jahren in unserem Revier kein Stück mehr erlegt worden."

Staar fordert, eine Reduzierung des Wolfsbestandes und deren Duldung lediglich in ausgewiesenen Schutzgebieten. "Da uns die Politik bisher offensichtlich im Stich lässt, haben wir mit der Reduzierung der Jagdpacht gehandelt und gegenüber unseren Jägern ein Zeichen gesetzt." Emshoff ergänzt: "Es wäre wünschenswert, wenn es für den Wolf irgendwann mal eine Höchstgrenze gäbe." Er geht davon aus, dass die Behörden früher oder später zur Einführung eines Limits gezwungen sind.

Der Wolf in der Region um Zeust ist im vorigen Jahr durch eine öffentlichkeitswirksame Aktion Emshoffs ins Bewusstsein gerückt: "Wölfe suchen auch in diesem Gebiet nach Beute. Hunde an kurzer Leine führen. Kinder bitte beaufsichtigen" steht auf Schildern geschrieben, die der Flächeneigentümer und -bewirtschafter auf seinen Flächen aufgestellt hat.

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Thomas Schuöze-Helmke 07.02.2017 - 10:31:33

Zuviele Jäger?

Zumindest wären weniger Jäger eine Alternative wenn es um den Wildbestand geht. Natur wurde ja nicht zum Vergnügen dieser Herren erschaffen. Tatsächlich ist der Wildbestand nicht zurückgegangen sondern die Tiere haben ihre natürliche Scheu wiederentdeckt. Ohne das Zusammenleben mit ihren natürlichen Feinden hätten sich Hirsch und Reh gar nicht entwickeln können. Eine Jägerkugel ersetzt nicht die natürliche Selektion. In unser Facebookgruppe "Schützt die Wölfe" hält sich unser Mitleid mit diesen herren in Grenzen. Naturschutz ist eine gesamtgesellschftliche Aufgabe. Der Wolf gehört nicht ins Jagdrecht.

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