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Oder-Spree-Landrat Rolf Lindemann ist seit 100 Tagen im Amt / Eine Bestandsaufnahme

"Ich sehe mich als Kümmerer"

Oberster Verwalter des Oder-Spree-Kreises: Rolf Lindemann ist zwar frisch im Amt, aber sehr erfahren.
Oberster Verwalter des Oder-Spree-Kreises: Rolf Lindemann ist zwar frisch im Amt, aber sehr erfahren. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Ruth Buder / 19.05.2017, 07:19 Uhr
Beeskow (MOZ) Landrat Rolf Lindemann (SPD) ist heute 100 Tage im Amt. Am 25. Januar war er von den Abgeordneten des Kreistages mit großer Mehrheit gewählt worden. Am 9. Februar übernahm er die Geschäfte von seinem Vorgänger Manfred Zalenga.

Es ist nicht so einfach, kurzfristig einen Termin bei Rolf Lindemann zu bekommen. Um 17 Uhr hat er Zeit. Seine Sekretärin Angelika Bäger hat ihm dicke Mappen mit Briefen und Unterlagen hingelegt, die er heute noch unterschreiben muss. "Stress habe ich nur, wenn sich alles überschlägt, ansonsten ist inhaltliche Arbeit, die uns weiterbringt, für mich Erholung", gibt sich der 59-Jährige enthusiastisch. Am 11. August wird er 60. In einem Alter, wo andere sich langsam zurücknehmen, startet Lindemann noch mal durch: Er will die Kreisverwaltung in ein Dienstleistungszentrum umwandeln, ringt um eine Philosophie, "weg von der preußischen Pickelhaube auf dem Kopf". Nicht nur Dienst nach den Buchstaben des Gesetzes, sondern bürgerorientiert. Als Beispiel nennt Lindemann die "Datschenproblematik", mit der sich das Bauordnungsamt seit Jahren herumschlägt. Datschenbesitzer wollen häufig ihre Laube zum festen Wohnsitz machen, was nach bundesdeutschem Recht nicht ohne Weiteres geht. "Da ist mit der Wiedervereinigung das komplizierte westdeutsche Planungsrecht ostdeutschen Verhältnissen übergestülpt worden", kritisiert der gebürtige Nordrhein-Westfale, der schon seit Anfang der 1990er Jahre in der Kreisverwaltung arbeitet.

Um zu helfen und zu schlichten, hat Lindemann als eine erste Amtshandlung die Stelle eines Ombudsmannes geschaffen und mit Christian Stauch besetzt. Der hat bereits in den ersten Wochen konkret erfahren, dass es oft besser ist, mit dem Bürger zu reden als auf einen Beschwerdebrief zu antworten.

"Ich sehe mich als Kümmerer", sagt Lindemann und will die ganze Verwaltung darauf ausrichten, den Bürger in jedem Falle ernst zu nehmen, was nicht heißt, dass er keine abschlägigen Antworten bekomme. "Wir müssen ihm zumindest erklären warum", findet Lindemann.

Neben der Großbaustelle Kreisreform hat Lindemann in der Verwaltung viele kleine Baustellen, vor allem im Personalbereich. Noch in diesem Jahr gehen mehrere Amtsleiter in den Ruhestand: Monika Huschenbett, Monika Kunth und Annerose Trippens. Nachdem im Gesundheitsamt wichtige freie Posten wieder besetzt sind (ohne Honorarkräfte geht es aber immer noch nicht) werden für das Bauordnungsamt händeringend Ingenieure für Brandschutz gesucht.

Schon in seiner Wahlkampfzeit sah sich Lindemann mit Beschwerden zu diesem Bereich konfrontiert, weil die Genehmigung von Bauvorhaben zu lange dauere. "Solche Ingenieure sind derzeit wie Goldstaub. Das ist eine schwierige Kiste. Der Fachkräftemangel, den wir überall in der Gesellschaft haben, ist auch in der Verwaltung angekommen."

Zurzeit hat Lindemann keinen offiziellen Stellvertreter, die Stellen für drei Beigeordnete sind ausgeschrieben. Heute endet die Bewerbungsfrist. Noch vor der Sommerpause will er seine Favoriten präsentieren und von den Abgeordneten des Kreistages wählen lassen. Sein Ziel: Die Führung des Hauses möglichst breit aufstellen - auch politisch.

Der Landrat wird die Rückendeckung des Kreistages brauchen, auch in Hinsicht auf die mögliche Kreisreform. Denn noch immer ist er gegen eine Fusion mit Frankfurt (Oder): "Ich sehe partout nicht ein, dass ein Kreis wie unser, der solide und zukunftsfest ist, aufgelöst werden soll, um Probleme anderer zu lösen." Wobei er überhaupt nichts gegen Frankfurt habe, oft zu Veranstaltungen dort sei und sich mit dem Oberbürgermeister gut verstehe.

Das Gespräch ist beendet. Es ist 18.30 Uhr. Jetzt noch die Unterschriften, dann geht es nach Kohlsdorf. "Spät nach Hause kommen? Das ist meine Frau gewöhnt."

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