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Oberförster Axel Becker aus Lieberose lässt sich bei einer Drückjagd begleiten und gewährt Einblicke in die Zunft der Waldmänner

Drückjagd
Auf der Pirsch

Axel Becker, Leiter der Oberförsterei Lieberose, legt sein Gewehr an und zielt. Auf einem Hochsitz im Waldgebiet Byhlen wartet er auf vorbeilaufendes und freigegebenes Wild. Er trägt orangene Warnkleidung, um einem Jagdunfall vorzubeugen.
Axel Becker, Leiter der Oberförsterei Lieberose, legt sein Gewehr an und zielt. Auf einem Hochsitz im Waldgebiet Byhlen wartet er auf vorbeilaufendes und freigegebenes Wild. Er trägt orangene Warnkleidung, um einem Jagdunfall vorzubeugen. © Foto: MOZ/Thomas Sabin
Thomas Sabin / 26.12.2017, 18:35 Uhr
Lieberose (MOZ) Im Hochsitz mitten im Landeswaldrevier Byhlen, einem Ausläufer der Lieberoser Heide, lauert Axel Becker auf vorbeilaufendes Wild. Der Leiter der Oberförsterei Lieberose flüstert. Die Drückjagd ist in vollem Gange.

"Wichtig bei der Jagd ist es, alles handwerklich perfekt zu machen. Man braucht eine vernünftige Waffe und muss die Nerven behalten", sagt Axel Becker ganz leise. Es ist feucht. Das Thermometer fällt unter Null Grad Celsius. Nieselregen prasselt auf das Blechdach des Hochsitzes.

Am Sammelpunkt in Straupitz treffen sich rund 40 Jäger. Mit einem Ritual wird die Ansitzdrückjagd, bei der Axel Becker heute als Gastjäger teilnimmt, eröffnet. Ein Lagerfeuer lodert. Eine Melodie aus Jagdhörnern schallt über Feld und Wald hinweg. Ein Hund beginnt zu jaulen.

Der Deutsche Jagdverband veröffentlichte vor kurzem Zahlen zum Wildfleischverzehr der Deutschen. Knapp 26 800 Tonnen Wild wurden in der vergangenen Jagdsaison (1. April 2016 bis 31. März 2017) zubereitet und gegessen, heißt es in der Hochrechnung. Das entspricht dem Gewicht von rund 595 Verkehrsflugzeugen des Typs Boeing 727. Besonders beliebt: Wildschweinschinken oder Rehkeule.

Jörg Dunger, Leiter der Oberförsterei Lübben, koordiniert heute die Drückjagd und hält seine Ansprache. Die Jäger scharen sich um ihn. Er verliest die Verhaltensregeln und zählt auf, was geschossen werden darf. Wildschwein und Reh stehen auch auf dem Plan. Doch das Allerwichtigste: "Sicherheit geht vor Strecke", betont er eindringlich und wünscht "Waidmannsheil."

Im Hochsitz wird es immer kälter. "Pack dir Tee ein und im ernst, zieh dich warm an", hatte Axel Becker noch am Telefon gesagt. Doch ohne Bewegung fährt die feuchte Kälte trotzdem in die Knochen. "Die Hunde fangen jetzt an das Wild locker zu machen", merkt er an und gießt sich dampfenden Zitronentee ein. "In der ersten Stunde passiert am meisten, jetzt müssen wir aufpassen."

Auf einer Holzplanke sitzend, schwenken seine Augen in der einen Quadratmeter großen Jagdkanzel von rechts nach links. "Oft riecht man das Wild, bevor man es sieht", meint er und zieht die eisige Luft durch die Nase ein. In der Ecke angelehnt steht seine Waffe. Ein Repetiergewehr Blaser R 8 Professional Success mit einem Zeiss Zielfernrohr mit Leuchtpunkt. Es ist mit einem Schalldämpfer ATEC Maxim Titan ausgestattet - fast wie im Film. "Mit diesen beiden Vorrichtungen ist es sicherer", erklärt er. "Der Schalldämpfer schützt das Trommelfell, das Zielfernrohr erleichtert den Schuss." Der solle tödlich sein, sodass das Tier nicht leidet, erklärt Axel Becker die Aufrüstung. Plötzlich scheppert es durch den Wald. Der erste Schuss wurde nicht weit entfernt abgefeuert. "Meist liegt das Verhältnis bei zwei Schüssen zu einem Tier", merkt er an.

Der größte Gegner der Jägerzunft ist der Tierschutzverein Peta. Im Internet veröffentlichte der gemeinnützige Verein "Die 10 größten Irrtümer über die Jagd". Dabei versuchen sie, die Behauptungen der Jäger zu widerlegen. Sie sind unter anderem der Auffassung, dass Jäger tier- und naturliebende Menschen wären oder dass sie Wildschäden verhindern würden, wäre falsch. "Ihre Motivation schöpfen Jäger aus der Lust am Töten", steht unter anderem im Artikel geschrieben.

"Ich erlege die Tiere nicht des Tötens wegen und schon gar nicht für Trophäen", widerspricht Axel Becker deutlich. Die Kritik an der Trophäenjagd unterstütze er. "Schießt jemand zum Beispiel einen Wolf oder nicht freigegebene Tiere hat das finanzielle Konsequenzen. Es kann zur Anzeige, zum Entzug des Jagdscheins und zur Strafverfolgung kommen", sagt er mahnend. Sein Beruf, findet er, sei ein prestigeträchtiger. "Wir tragen eine Waffe, das ist ein Privileg und dazu gehört absolute Zuverlässigkeit und ein hohes Verantwortungsbewusstsein." Das Wild vermehre sich immens schnell und somit sei eine Verjüngung des Waldes unmöglich, erklärt er weiter und wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Keimlinge werden abgefressen und der Wald verarmt ökologisch. Das wiederum verringert die Artenvielfalt", ist er sicher.

Nach knapp drei Stunden hallt der letzte Schuss durchs Gehölz. Axel Becker hat heute keinen abgefeuert. "Sicherheit geht eben vor", sagt er und reibt sich seine frostigen Hände. "Im Sommer ist es Erholung pur und man kommt zur Ruhe. Im Winter ist es ein echter Knochenjob", gibt er unumwunden zu.

Geschossen werden darf nur, wenn die Kugel im Boden aufgefangen werden kann. Das war heute nicht der Fall. Das Reh auf der Anhöhe musste Axel Becker laufen lassen. Es kam nicht weit. Am nächsten Hochsitz herrschte freie Schussbahn. Drei Tiere liegen hier beim Jäger aufgebahrt. Ein Berg an Innereien türmt sich neben ihnen. Drei Schuss, drei Treffer. Insgesamt lag das Verhältnis heute bei 13 zu elf, wie die gelegte Strecke später zeigte.Eine erfolgreiche Jagd.

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