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Wolfgang Lichtner hat seinen Dorfladen in Groß Muckrow aufgegeben

Dorfladen
Der "Konsum" bleibt geschlossen

Cindy Teichert / 03.01.2018, 08:48 Uhr
Groß Muckrow (MOZ) In Groß Muckrow gab es einen der letzten Dorfläden der Region. Hier fand man immer ein kleines Sortiment an Lebensmitteln, Getränken, Drogerieartikeln, frischen Brackwaren. Im Sommer gab es leckeres Softeis. Am vergangenen Samstag schloss die Verkaufsstelle für immer ihre Pforten.

Für Inhaber Wolfgang Lichtner war es keine leichte Entscheidung, aber am Ende wohl die vernünftigste. "Ich kann von dem, was der Laden abwirft, einfach nicht mehr leben" so der 53-Jährige. Das letzte Jahr war besonders schwer. "Ich habe viel weniger Softeis verkauft als in den Vorjahren und auch viele Kunden, die sonst aus der Bungalowsiedlung in Chossewitz kamen, fielen aus" schildert er.

Am schwerwiegendsten sind aber die fehlenden Kunden aus dem Ort selbst. Es ist wie in vielen anderen Orten der Region. Die Einwohnerzahl in Groß Muckrow schrumpft schleichend aber stetig. "Meine besten Kunden sind mir nach und nach wahrhaftig weggestorben" so Lichtner. Kamen vor einigen Jahren noch viele, hauptsächlich ältere Leute aus dem Ort und haben alles, was sie zum Leben benötigen, in seinem Laden eingekauft, so sind davon nur noch wenige übrig geblieben. Die jüngere Generation ist mobil und berufstätig und holt ihre Lebensmittel aus den Discountern mit ihrem umfangreichen Sortiment in den Städten. Da kann so ein kleiner Tante-Emma-Laden schwerlich mithalten. Trotzdem war Wolfgang Lichtner immer bemüht, die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen und hat bestimmte Artikel für einzelne Personen extra besorgt.

Am 1. Dezember 1993 hat der ehemalige Konsum-Handelsbereichsleiter aus Fürstenwalde damals gemeinsam mit Rudi Schulze den Konsum in Groß Muckrow mit den Angestellten übernommen. Zwei weitere Läden betrieb das Duo in Lieberose und einen in Brieskow-Finkenheerd. Die Geschäfte firmierten unter dem Begriff "L + S Märkte", hergeleitet von den Nachnamen der beiden Inhaber. Zur Jahrtausendwende schlossen sie dann den Laden in Brieskow-Finkenheerd, 2006 wurden mit der Eröffnung des NP-Marktes die Läden in Lieberose dicht gemacht. "Als wir anfingen, hätte ich eigentlich mal gedacht, dass wir das Geschäft in Groß Muckrow als erstes wieder schließen werden" erinnert sich Wolfgang Lichtner. Dass dieser letztlich doch so lange erhalten bleiben konnte, ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass Lichtner das Gebäude, in dem sich sein Laden befand, im Jahr 1999 der Gemeinde abgekauft hat, um die Miete zu sparen. Nachdem er die anderen drei Geschäftsstellen aufgeben musste, entschied sich Wolfgang Lichtner, seinen Wohnsitz in Fürstenwalde aufzugeben und in seiner Immobilie in Groß Muckrow eine kleine Wohnung auszubauen. Die beiden Verkäuferinnen, die noch im Muckrower Laden beschäftigt waren, musste er entlassen. Er zog nach Groß Muckrow und führte seit dem 2. Januar 2007 den "Konsum" wie die Verkaufsstelle bis zum Schluss von allen im Dorf genannt wurde, alleine weiter. Am vergangenen Samstag stand Wolfgang Lichtner nun das letzte Mal zu halber Nacht auf, um den Backautomaten anzuschmeißen. "Der Sonnabend war immer der beste Tag. Da kamen viele Kunden morgens frische Brötchen und die Zeitung holen. Manchmal standen sie sogar Schlange". Aber das Brotgeschäft reicht leider nicht, um die Unkosten des Betriebes zu finanzieren.

Vielen Groß Muckrowern wird der kleine Dorfladen mit den frischen Brötchen und dem Softeis im Sommer fehlen. "Mit der Schließung des Konsums endet auch ein Stück Dorfgeschichte von Groß Muckrow" so Ortsvorsteher Maik Koschack, der die Entscheidung bedauert, aber nachvollziehen kann. Am Samstag besuchte er, wie auch viele Kunden und Freunde, Wolfgang Lichtner zum letzten Mal in seinem Laden, um ihn aus seiner Selbstständigkeit zu verabschieden.

Auch am letzten Tag gab es natürlich frische Brötchen und Brote. Die meisten anderen Regale waren schon leergeräumt, Restposten konnten noch zum halben Preis erworben werden. 85 Quadratmeter Verkaufsfläche und 75 Quadratmeter Lagerraum stehen nun im Haus von Wolfgang Lichtner leer. So richtig weiß er auch noch nicht, was er damit anfangen soll. Auf alle Fälle will er aber in Groß Muckrow bleiben, wo er sich sehr wohl fühlt. Er schaut positiv in die Zukunft, möchte arbeiten gehen und ist sich sicher, einen Job zu finden. "Ich war 35 Jahre im Handel beschäftigt" sagt er. "Aber ich bin offen für alles und auch bereit etwas anderes zu machen."

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