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Astrid Böger aus Bad Saarow arbeitete in der Forschung für große Unternehmen / Jetzt kritisiert sie deren Systeme und schreibt Bücher

Autorin
Romanfigur Romy verarbeitet und klärt auf

Mehrbändige Geschichte: Astrid Böger zeigt in ihrem Arbeitszimmer ihre Bücher, in denen sie sich mit Mobbing beschäftigt.
Mehrbändige Geschichte: Astrid Böger zeigt in ihrem Arbeitszimmer ihre Bücher, in denen sie sich mit Mobbing beschäftigt. © Foto: MOZ/Bernhard Schwiete
Bernhard Schwiete / 16.03.2018, 06:45 Uhr
Bad Saarow (MOZ) Unter den Veröffentlichungen, die seit Donnerstag bei der Leipziger Buchmesse vorgestellt werden, ist auch ein Werk von Jordana André. „Mobbing oder High-Tech-Tod auf Raten“ heißt es. „Der Start“, lautet der vielsagende Untertitel. Es kommt also noch mehr. Weitere Bände sind bereits geschrieben, es fehlt nur noch das Lektorat. Jordana André indes gibt es im wahren Leben gar nicht. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich Astrid Böger aus Bad Saarow.

Die 50-Jährige hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht, in der Vergangenheit stets unter Klarnamen. Sie schrieb Sachbücher mit wissenschaftlichem Hintergrund. Nun aber geht es romanhaft zu. Astrid Bögers Hauptfigur Romy, Managerin in einem Großkonzern, leidet unter dessen „Sonderbarkeiten“, wie Astrid Böger formuliert. „Es ist ein philosophischer Krimi.“ Obwohl sie den Band im Verlag Books on Demand unter Pseudonym veröffentlicht hat, erzählt sie offen, was es mit der Geschichte auf sich hat. Hinter Romy verbirgt sie sich selbst. Astrid Böger schreibt über ihre Zeit bei der Deutschen Telekom. „Drei Jahre war ich dort beschäftigt, dann bin ich gegangen worden“, sagt sie. „Ich war zu neugierig und hatte zu sehr meine eigene Meinung.“

Astrid Böger hat ein bewegtes Leben hinter sich. Aufgewachsen in Berlin, studierte sie an der Humboldt-Universität Bibliotheks- und Informationswissenschaften, danach promovierte sie an der Privat-Uni Witten-Herdecke. Beruflich verschlug es sie nach Brüssel und Madrid, ehe sie ins Textilunternehmen von Klaus Steilmann nach Bochum ging. Sie entwickelte dort Prototypen für sogenannte Wearables. Diese „anziehbaren Computer“ können über Sensoren Gefahren erkennen, einen Schadstoffgehalt messen oder auch helfen, Kinder zu orten.

Durchgesetzt auf dem Markt hat sich das nicht. Astrid Böger hat eine  Theorie, woran das liegt.  „Die angestammte Textilindustrie hatte daran wenig Interesse.“ Auch die Antwort auf die Frage nach dem Warum ist für sie klar. „Wearables, die ihre Farbe oder ihr Muster ändern, hätten die gesamte Ökonomie umgekrempelt. Die Menschen hätten sich keine Wegwerfklamotten mehr kaufen müssen.“ Das wiederum habe die Industrie vermeiden wollen. „So aber sind wir weiter bei einer unsinnigen Massenproduktion.“ Astrid Böger übt Systemkritik.  „Zukunftskonzepte sind da, aber die Unternehmen halten die Technologien unter dem Deckel.“ Das System kranke auch daran, dass Forschung oft aus der Wirtschaft finanziert werde. „Patente bleiben dann unter Verschluss.“ Dass sie bei der Telekom vor zwei Jahren scheiterte, führt sie auch darauf zurück. Hier schließt sich der Kreis zur Geschichte von Romy. „Systemwandel jetzt“, heißt es im Titel des letzten Bandes.

Seit fünf Jahren lebt Astrid Böger mit ihrer Tochter in Bad Saarow. Zuletzt war sie Geschäftsführerin eines Instituts für Existenzgründung und Mittelstandsförderung in Potsdam. Nun befindet sie sich in einer Phase der Neuorientierung, wie sie sagt. „Das ist in Ordnung. So kann ich mich voll und ganz meiner Arbeit als Autorin widmen.“ Die Romy-Bände schreibt sie, um zu verarbeiten, aber auch um aufzuklären, wie sie sagt.

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