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Holunder-Produkte mit Bio-Zertifikat bei Landpartie

Genuss
Leckerei trägt den Namen Sambucus nigra

Holunderkönig
Holunderkönig © Foto: Jörg Kotterba
Jörg Kotterba / 13.06.2018, 06:00 Uhr
Friedland Brot aus Holunder, Likör aus Holunder, Chutney aus Holunder: Reinhard König aus Groß Muckrow hat sich an der inzwischen 24. Brandenburger Landpartie beteiligt und öffnete am Wochenende seinen Hof. Der 49-Jährige ist jetzt voll auf Bioprodukte eingestellt.

„Schade. Der Holunder-Chutney ist schon aus“, ärgerte sich eine Festbesucherin aus Frankfurt. Gerd Piefel hatte ihr erst Minuten zuvor empfohlen, diese Köstlichkeit „unbedingt für den nächsten Grillabend“ mitzunehmen. Er selbst kaufte beim Holunderblütenfest in Groß Muckrow zwei Gläser. „Ein Auftrag meiner Frau. Aber ich bin natürlich auch aus beruflichem Interesse zum Holunder-König gefahren“, erklärte der Leiter des LOS-Landwirtschaftsamtes am Sonnabend. Seit neun Jahren baue König verschiedene Arten des Kulturholunders auf 2,2 Hektar an, das wisse er, meinte Piefel. „Und Herr König und seine Produkte haben nicht nur in unserer Region einen guten Ruf. Aber mir kam neulich zu Ohren, dass Holunder-König seine Anbauflächen vergrößert hat und zu einem anerkannten Ökobetrieb aufgestiegen ist...“.

„Stimmt“, bestätigte Reinhard König stolz. Noch arbeite er, ein gelernter Agrotechniker, im landwirtschaftlichen Nebenerwerb. „Leben kann ich von meinen Holunder-Produkten noch nicht. Bin aber auf einem guten Weg.“ Sambucus nigra, so der botanische Name des Holunders, zähle zu den ältesten und bekanntesten Heilpflanzen Mitteleuropas, informierte er seine Festgäste. Besonders die Beeren seien voller Heilstoffe. „Ich habe mich darauf spezialisiert, sowohl aus den Blüten als auch den Beeren edelste Holunderprodukte herzustellen. Ernte also derzeit die Blüten und im Spätsommer die Beeren.

Die Blütezeit des Holunders ist, je nach Standort, über längere Zeit im Juni und Juli. Kleine, gelblichweiße Blüten sitzen jetzt in umfangreichen Trugdolden entlang der Triebe. Sie duften angenehm. Ihnen folgen Beerenfrüchte, die ab September glänzend schwarz reifen und tiefroten Saft enthalten. Sie strotzen nur so von Vitamin C und Kalium. In vielen alten Gärten findet man Holunder, auch Hollerbusch genannt. Der Saft wurde schon in ganz frühen Zeiten als Hausmittel gegen Erkältungen, Blasen- und Nierenleiden eingesetzt. Und auch Reinhard König schwört auf die schweißtreibende Wirkung des erwärmten Holunderbeeren-Saftes, den man aufgrund des Giftstoffes Sambunigrin aber nie roh verzehren sollte.

Königs Produkte – von der Limo und dem Likör über Sirup, Gelee und Chutney bis zum Brot – tragen in diesem Jahr erstmals ein Bio-Zertifikat. „Hinter dieser Bescheinigung der Fachgesellschaft Öko-Kontrolle stecken jede Menge angeeignetes Fachwissen und schwierige Prüfungen. Außerdem werden die Anbauflächen kontrolliert, das Bewässerungssystem untersucht. Eine zeitaufwendige, eine teure Angelegenheit. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass dem zertifizierten ökologischen Landbau die Zukunft gehört“, blickte Reinhard König optimistisch voraus.

Sein jüngstes Zertifikat der Fachgesellschaft trägt das Datum vom 27. Dezember 2017. Kontrollstellenleiterin Kristin Zimmer bestätigte darin, dass Königs Holunderprodukte bis Ende Februar 2019 den Öko-Titel tragen dürfen. Dann ist die nächste Prüfung fällig.

Reinhard König ist heilfroh, dass er jetzt nahe Zeust eine weitere Anbaufläche von sage und schreibe 14,5 Hektar nutzen kann. „Sie gehört meiner Mutter und war über Jahre vermietet. Seit Oktober darf ich sie nutzen und habe dort schon jede Menge viertelstämmigen Holunder, aber auch Walnuss- und Maulbeerbäume gepflanzt. „Die Bäume tragen erstmals nach sieben Jahren. Ihre Früchte werden eine wunderbare Ergänzung zu meinen begehrten Gelees.“

Seine Produkte bietet Holunder-König, der 2009 sein Gewerbe für einen Obstbaubetrieb/Sonderkultur Holunder mit Selbstvermarktung angemeldet hat, vorwiegend auf Märkten und Festen an. „Doch ich muss meist in die Städte gehen. Hier, auf den Dörfern, weckt fast jeder noch ein, braut sein Likörchen selbst.“ Auch im Inter-net hat sich König schon versucht.

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