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Werke der Jamlitzer Künstlerkolonie zeitgleich mit der Rohkunstbau-Ausstellung in Lieberose zu sehen

Kultur
Maler schätzten die Abgeschiedenheit

Jörg Kühl / 27.06.2018, 21:38 Uhr
Lieberose Im Museum der Darre in Lieberose ist ab Sonnabend eine Ausstellung mit Bildern der Jamlitzer Künstlerkolonie zu sehen. Veranstalter ist der Förderverein Lieberose. Ausgestellt werden 39 Werke.

Zu sehen sind Malerei, Grafiken, Zeichnungen und Radierungen von Franz Lippisch (1859–1941), Johanna Feuereisen (1873–1947) Walter Kühne (1875–1956), Bianca Commichau-Lippisch (1890–1968), Erich Seiffert (1898–1944) und Rudolf Grunemann (1906–1981).

Die Geschichte der Jamlitzer Künstlerkolonie reicht bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Der Berliner Maler, Mallehrer und Träger des Menzelpreises, Franz Lippisch, nutzte ab 1901 die Abgeschiedenheit um Jamlitz mit seinen Schülern zum Zeichnen. Einer von ihnen, Walter Kühne, ließ sich 1905 als erster der Gruppe im Ort nieder. Lippisch selbst folgte zehn Jahre später. Er gilt – obwohl sein Schüler früher in die Niederlausitz kam – als Vater der Jamlitzer Künstlerkolonie. Lippisch, der früh NSDAP-Mitglied geworden war, malte nicht nur Landschaften in Italien, an der pommerschen Küste und rings um Lieberose, sondern auch zahlreiche Port­räts, darunter auch Bildnisse von NS-Größen. Das Maltalent reichte Franz Lippisch an Tochter Bianca Commichau-Lippisch weiter, die bis 1964 in Jamlitz lebte und arbeitete. Sie beschäftigte sich neben Walter Kühne wohl am stärksten mit den Bildthemen der Niederlausitz.

Wie sein Lehrer blieb auch Walter Kühne bis zu seinem Tod 1956 in Jamlitz. Im Februar 1945 verlor der Maler seine Ehefrau Renata bei einem Bombenangriff, der wohl der auf der anderen Straßenseite liegenden SS-Kommandantur gegolten hatte. Große Teile seiner Arbeiten fielen den Flammen zum Opfer.

Kühnes Schwiegersohn Erich Seiffert ist durch seine exzellenten Kupferstiche bekannt geworden. Sie zeigen Details aus der Tier- und Pflanzenwelt. Seiffert gestaltete auch Post- und Glückwunschkarten. Er fiel 1944 als Soldat in Frankreich.

Die Jamlitzer Künstlerkolonie hatte ihre Hochphase in den 30er Jahren bis Anfang der 40er Jahre. Dann endete mit dem Bau des SS-Truppenübungsplatzes Kurmark in der Lieberoser Heide, bei dem auch das KZ Nebenlager in Jamlitz errichtet wurde, die „unbekümmerte künstlerische Tätigkeit“, wie es Dieter Klaue vom Förderverein Lieberose formuliert. Nach dem Krieg geriet die Jamlitzer Künstlerkolonie etwas in Vergessenheit. Rudolf Grunemann entwarf das große Wandbild „Deutschland einig Vaterland“ anlässlich der Eröffnung des Schulneubaus in Jamlitz im Jahr 1954. Da der Titel des Wandbildes zeitweise politisch brisant war, wurde es bis zur Wende von der Schulleitung mit einem weißen Stofftuch verdeckt.

Die aktuelle Ausstellung mit Werken der Künstlerkolonie ist die dritte in Lieberose seit der Wende. Anlässlich des ersten Lieberosetags 1994 wurden einige Werke das erste Mal seit langem wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. 2012, bei der Wiedereröffnung der sanierten Darre, wurde eine Ausstellung im Saal gezeigt. Der Aufhänger, das malerische Erbe der Region erneut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist das 25-jährige Bestehen des Fördervereins. Der macht sich die öffentliche Aufmerksamkeit der Rohkunstbauausstellung, die am Sonnabend im Schloss eröffnet wird, zunutze, um die Jamlitzer Künstler mit einer Ausstellung zu ehren.

Kuratiert wurde die aktuelle Ausstellung von Heidemarie Klaue. Dabei werden auch Werke präsentiert, die noch nie öffentlich gezeigt wurden.  „Unser Vorsitzender Heinz-Gerd-Hesse hat viel Zeit und Mühe investiert, die Bilder zusammenzutragen“, so Dieter Klaue. Er hofft, dass die aktuelle Ausstellung dazu beiträgt, dass noch mehr Werke, die sich in privater Hand befinden, ans Tageslicht kommen. Ziel sei, so etwas, wie einen Gesamtbestand der Werke der Jamlitzer Künstlerkolonie zu ermitteln. Die Ausstellung ist bis 9. September jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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