Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Organspende
Ein langer Weg zum Glück

Mutterliebe: Anett Pokrandt aus Lindenberg freut sich über ihren gesunden Sohn Carl. Sie lebt seit 2012 mit einer transplantierten Niere.  Mit ihrem Mann hat sie noch eine siebenjährige Tochter, Charlotte.
Mutterliebe: Anett Pokrandt aus Lindenberg freut sich über ihren gesunden Sohn Carl. Sie lebt seit 2012 mit einer transplantierten Niere.  Mit ihrem Mann hat sie noch eine siebenjährige Tochter, Charlotte. © Foto: Larissa Benz
Larissa Benz / 28.08.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 28.08.2018, 13:50
Lindenberg (MOZ) Für Anett Pokrandt aus Lindenberg nimmt das Schicksal nach einer langen Wartezeit auf eine Niere eine glückliche Wende. Sie lebt seit sechs Jahren mit einem Spenderorgan und hat vor kurzem ihr zweites Kind zur Welt gebracht.

Liebevoll streichelt Anett Pokrandt über die Finger ihres drei Wochen alten Söhnchens Carl. „Mit ihm ist unsere Familie komplett“, sagt sie. Auch die sieben Jahre alte Schwester, Charlotte, freue sich sehr über den kleinen Bruder.

Dass sie nun, mit 38 Jahren, zwei Kinder hat und sich fit fühlt, ist für Anett Pokrandt keine Selbstverständlichkeit. Mit 17 Jahren erkrankt sie an einem Darmleiden, die Medikamente, die sie einnehmen muss, verträgt die junge Frau nicht. Die Folge: Beide Nieren sind geschädigt, funktionieren nicht mehr.

Mehrmals wöchentlich muss sie dann an die Dialyse. Ihren gelernten Beruf als Heilpädagogin kann sie folglich nur noch eingeschränkt ausüben. Mit 30 passiert dann doch ein kleines Wunder: Sie wird schwanger mit Töchterchen Charlotte, eine Seltenheit bei Dialyse-Patientinnen.

Wochenlang liegt sie 2010 während dieser Schwangerschaft in der Berliner Charité und auch Töchterchen Charlotte, die als Frühchen zur Welt kommt, muss einige Wochen im Krankenhaus bleiben. Das Mädchen infiziert sich nach der Geburt wahrscheinlich mit Streptokokken, sitzt heute im Rollstuhl. „Die Aufgabe als große Schwester von Carl tut ihr sehr gut“, berichtet Anett Pokrandt.

Seit Februar 2012 lebt die 38-Jährige mit einer transplantierten Niere. Das Organ des 60-jährigen verstorbenen Spenders passte mit „über 90-prozentiger Übereinstimmung“, sagt sie. An den Tag, als der entscheidende Anruf kam, erinnert sie sich noch genau: „Das lief alles wie im Film ab.“ Sofort musste sie mit ihrem Mann von Lindenberg aus zur Charité nach Berlin aufbrechen, wo ihr die Niere transplantiert wurde.

Heute, ohne die Dialyse, beschreibt sie ihren Alltag als „verhältnismäßig normal“. Nur dass sie jetzt mit der transplantierten Niere so viel trinken soll, bereite ihr Probleme: „Die neun Jahre vor der Transplantation durfte ich immer nur höchstens einen Liter pro Tag trinken, die Umstellung ist immer noch schwer.“

Bei Carl sei die Schwangerschaft „viel entspannter“ gewesen, obwohl auch er Anfang August als Frühchen zur Welt kam. „Das war aber zu erwarten, weil die transplantierte Niere sehr nah im Bauchraum an der Gebärmutter lag“, sagt Anett Pokrandt. Somit sei gerade zum Ende der Schwangerschaft der Platz eng geworden.

Die Lindenbergerin geht mit ihrer Geschichte offen um: „Ich bin froh, dass ich mit dieser Krankheit nicht vor 20 Jahren leben musste.“ Mittlerweile mache die Medizin große Fortschritte. Die Lebensdauer einer transplantierten Niere hängt von vielen Faktoren ab, zwischen zehn und 20 Jahren schwanken die Prognosen von Experten.

Anett Pokrandt möchte erst einmal den Moment genießen. Gemeinsam mit ihren Kindern und ihrem Mann, der immer an ihrer Seite stehe. Sie hat aber ein Anliegen: „Ich finde es schade, dass die Organspende in Deutschland so ein Tabuthema ist.“

In anderen Ländern wie Österreich oder Polen darf einer verstorbenen Person ein Organ nur dann nicht entnommen werden, wenn sie zu Lebzeiten einer Organspende „ausdrücklich widersprochen“ hat. In Deutschland hingegen muss die Person zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt haben.

„Das ist ein riesiger Unterschied“, sagt Anett Pokrandt. Viele Leute würden sich in Deutschland nicht mit dem Thema befassen wollen, weil sie dann über den Tod nachdenken müssten. Dabei habe sie mit der gespendeten Niere ein neues Leben geschenkt bekommen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG