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Bahngeschichte
Wehen in der Schalterhalle und andere Anekdoten

Die Wanderung begann am ehemaligen Bahnhofsgebäude. Roland Stumm, der ehemals bei der Bahn beschäftigt war, kam mit zünftiger Kopfbedeckung.
Die Wanderung begann am ehemaligen Bahnhofsgebäude. Roland Stumm, der ehemals bei der Bahn beschäftigt war, kam mit zünftiger Kopfbedeckung. © Foto: Iris Stoff
Iris Stoff / 24.09.2018, 06:30 Uhr
Storkow (MOZ) Zu einem Geschichtsspaziergang „120 Jahre Eisenbahn in Storkow“ hatte der Historische Beirat der Stadt am Sonnabend eingeladen.

Die mehrstündige Runde begann am Bahnhof und endete in der großen Modelleisenbahnausstellung im Stadtteil Karlslust. „Die Fahrzeit hat sich deutlich verringert. Ich habe heute eine Stunde und zehn Minuten gebraucht, früher waren es zwei Stunden und zehn Minuten“, stellte Joachim Kretschmann erfreut fest.

Der gebürtige Storkower lebt schon lange in Frankfurt (Oder). Er hatte in der Zeitung von der Veranstaltung gelesen und war samt Fahrrad mit dem Zug angereist. Außer ihm hatten sich noch 16 weitere Interessierte eingefunden. Roland Stumm aus Görsdorf, der ehemals bei der Bahn beschäftigt war, trug ganz zünftig eine rote Aufsichtsmütze und hatte sich eine alte Schaffnertasche umgehängt, in der sich diverse Utensilien aus Eisenbahnerzeiten befanden.

Den Auftakt des Spaziergangs bildete eine kurze Stippvisite in der Bahnhofsklause. Sie ist die einzige Raucherkneipe der Stadt und zudem die letzte Gaststätte entlang der Bahnlinie, die noch in Betrieb ist. Der Weg dorthin führte durch den ehemaligen Warteraum. Da wurden bei den Anwesenden viele Erinnerungen wach und Mitglieder des Historischen Beirates gaben Anekdoten zum Besten. So wusste Erich Oehring zu berichten, dass 1958 eine Mitarbeiterin des Expressgutschalters während des Dienstes Wehen bekam und noch im Bahnhof ihre Tochter zur Welt brachte.

Anliegen der Organisatoren dieser Wanderung ist es gewesen, an die Eröffnung der Bahnstrecke vor 120 Jahren zu erinnern und deutlich zu machen, wie dies zur Entwicklung nicht nur rund um den Bahnhof beigetragen hat. So gab es vom Güterbahnhof aus zwei Gleisanschlüsse bis zur Schuhfabrik und bis zur Molkerei. „Die Molkerei war 1897 als Genossenschaft von Storkower Bauern gegründet worden“, schilderte Erich Oehring. „Täglich wurden dann 800 Liter Sahne mit der Bahn nach Berlin geliefert.“

Der Storkower Arnd Krüger hatte Dokumente aus dem Leben seines Opas Karl Krüger mitgebracht. „Mein Großvater hat seit 1918 in Storkow als Eisenbahner gearbeitet“, erzählte er. Nach dem Krieg sei er hier bis 1961 der Bahnhofsvorsteher gewesen. Aus den Schriftstücken konnte Arnd Krüger vieles aus dem Arbeitsleben des Großvaters, den er selbst nicht mehr kennengelernt hat, rekapitulieren. „1949 bekam er einen Brief vom Zirkus Barley. Der kündigte sich für den Oktober mit 38 Waggons an und bat um Unterstützung. Mein Vater kann sich noch erinnern, dass der Zirkus in der Stadt war.“

Weitere Stationen auf dem Geschichtsspaziergang waren das ehemalige Bahnhofshotel, ein noch erhaltener Meilenstein der alten Poststraße nach Prieros sowie die frühere Posthalterstation am Markt. Lutz Werner zählte auf, wie es zu der Zeit, als die Eisenbahn nach Storkow kam, auch auf anderen Gebieten voran ging: „Der evangelische Kindergarten wurde eröffnet und das Postgebäude mit Telegrafenamt. Es gab Anschluss an das öffentliche Fernsprechnetz, Elektrizität und regelmäßigen Dampferverkehr. Die Stadt dehnte sich aus, von Amtswegen wurde den Bewohnern empfohlen, Namensschilder und Briefkästen anzubringen.“

Höhepunkt der historischen Wanderung war der Besuch in der Modellbahnausstellung des Storkower Vereins für Brandenburgische Eisenbahngeschichte in der alten Kaufhalle von Karlslust. Hier gibt es auch ein Modell des Storkower Bahnhofs – noch mit Wasserturm – zu bestaunen. Vereinsvorsitzender Bernd Kirstein und seine Mitstreiter besitzen Modelle von allen Zügen, die mal auf der Strecke fuhren und führten sie vor.

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