Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Interkulturelle Woche
Der junge Blick auf die Heimat

Ayham Nasrullah (9), Schüler aus Syrien, und Theaterpädagogin Helene Radam, präsentieren im Rahmen der Interkulturellen Woche selbstgedrehte Kurzfilme.
Ayham Nasrullah (9), Schüler aus Syrien, und Theaterpädagogin Helene Radam, präsentieren im Rahmen der Interkulturellen Woche selbstgedrehte Kurzfilme. © Foto: Jörn Tornow
Jörg Kühl / 25.09.2018, 20:28 Uhr
Beeskow Das Atrium der Kreisveraltung war am Dienstag Kino, Galerie und interkulturelles Café zugleich. Grund war die Teilnahme des Landratsamts an der Interkulturellen Woche.

Ein Mädchen steht am Ufer er Spree, ein Kameraschwenk zeigt Boote, die malerisch im Wasser schaukeln, das Mädchen fotografiert hier und da ein Motiv.  „Ich liebe die Spree, weil man hier so schöne Fotos machen kann“, sagt Janice. Sie eine der deutschen Teilnehmerinnen des Videoprojekts „Wohnort Beeskow“, das die Beeskower Theaterpädagogin Helene Radam mit einer Handvoll Jugendlicher aus vier Ländern in den Sommerferien vergangenen Jahres durchgeführt hat.

Die Jugendlichen hatten die Aufgabe, in Beeskow ihre Lieblingsplätze zu zeigen. Dabei wurden sie von ihren jungen Kollegen mit der Handkamera gefilmt. „Der Wald ist mein Lieblingsort“,  sagt etwa Saed aus Albanien. „Im Wald kann man sich gut verstecken, weil der aussieht wie ein Labyrinth.“ Interviews mit Passanten, was ihnen  an Beeskow gefällt und was nicht, runden den Kurzfilm ab.

Auch in diesem Jahr wurde ein Videoprojekt unter Helene Radams Leitung angeboten. 18 Jugendliche haben sich daran beteiligt. Dieses mal war das Begriffspaar „Heimat – Flucht“ Thema. In dem Kurzfilm, der mit Musik und international verständlicher Gestik arbeitet,  werden die Titelbegriffe wie im modernen Tanztheater mittels Bewegung, Gestik und Mimik veranschaulicht.

Im Mittelpunkt: der neunjährige syrische Junge Ayham, der auf seinem Keyboard „Für Elise“ spielt. Die vertrauten Klänge locken alle anderen Kinder, selbst die, die zuvor noch mit ausgebreiteten Armen ihre Flucht per Flugzeug angedeutet hatten, an, sodass der am Boden kauernde Junge bald von hoffnungsvollen jungen Menschen umzingelt ist: Musik ist gleich Kultur ist gleich Heimat, könnte man grob daraus deuten.

Im Rahmen des jüngsten Videoprojekts ist auch ein großes gemaltes Panoramabild entstanden, das ebenfalls im Landratsamt ausgestellt wurde. Es zeigt düstere Szenen, wie das Verstecken vor Verfolgern im Wald oder den Überlebenskampf im überfüllten Flüchtlingsfloß im Mittelmeer, aber auch freudige Motive, wie bunte Blumen, spielende Kinder oder ein Gesicht, das aus dem Schutz eines Hauses heraus blickt. Über allem spannt sich als verbindendes Moment ein riesiger Regenbogen.

Die unterschiedlichen Kulturen können wir hier heute ganz sinnlich erleben“, sagte Landrat Rolf Lindemann. Man könne sehen und hören, wie im Video, aber eben auch riechen und schmecken. Damit spielte der Landrat auf die Spezialitätentafel an, die im Atrium aufgebaut war. Etwa ein Dutzend zugewanderte Frauen präsentierten dort überwiegend Süßes aus Tschetschenien, Syrien, Tschad und Sudan.

Die Interkulturelle Woche war am Sonntag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Marienkirche gestartet. Heute ist ein Minigolfturnier angesagt (Beitrag unten) und am Donnerstag lädt das SPI-Jugendteam von 15 bis 18 Uhr zu einem interaktiven Spiel (“Stadt der Sinne“) ein. (Treffpunkt Pier 13 in der Breitscheidstraße 13). Am Freitag verbindet sich mit der Interkulturellen Woche der bundesweite Tafel-Tag. In Beeskow wird er von 10 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz gefeiert. Mit kulinarischen Angeboten und Trommelmusik. Nachmittags startet um 16 Uhr im Sport- und Freizeitzentrum ein interkulturelles Fußballturnier, das die Preußen ausrichten. Am Samstag beteiligt sich die Burg um 14 Uhr mit einer deutsch-arabischen Führung durch die Ausstellung „Wegen Inventur geöffnet“ an der Aktionswoche. Am Sonntag klingt sie im Hüfnerhaus aus. Von 15 bis 18 Uhr  gibt es dort einen bunten Büchertag mit Lesungen, Kreativstationen und einem Bücherflohmarkt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG