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Bahnhofsgeschichten
Einmal wurde der Lokführer vergessen

Iris Stoff / 26.09.2018, 07:00 Uhr
Storkow/Hubertushöhe Vor 120 Jahren wurde die Eisenbahnlinie Beeskow-Königs Wusterhausen in Betrieb genommen. In der Serie Bahnhofsgeschichten stellen wir Bahnhöfe und Haltepunkte der Strecke vor. In Teil 5 machen wir in Hubertushöhe Station.

Als am 20. September 1898 der erste planmäßige Zug dort vorbeifuhr, wo heute der Haltepunkt Hubertushöhe ist, gab es diesen Teil von Storkow noch gar nicht. Das am Südwestufer des Storkower Sees gelegene Gebiet war unbebaut. Das blieb nicht mehr lange so. Im Mai 1900 bezog der Berliner Druckereibesitzer Georg Wilhelm Büxenstein sein Sommerhaus, das Jagdschloss Hubertushöhe. Dieses Gebäude war in nur zehnmonatiger Bauzeit errichtet worden. Damit hat der Millionär den Grundstein für einen neuen Storkower Ortsteil gelegt, denn seine Ansiedlung hatte Sogwirkung. In jenen blühenden Friedensjahren habe es genug reiche Berliner gegeben, die der Großstadt zeitweise entfliehen wollten und sich einen Nebenwohnsitz leisten konnten, schreibt Dr. Jürgen Pfeiler in seiner Broschüre „Hubertushöhe – Idylle und Prominenz am Storkower See“. In diesem Heft hat der Lokalhistoriker aus Storkow seine akribischen Forschungen zu diesem Storkower Ortsteil zusammengefasst. Es ist 2012 kurz nach seinem Tod in der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Storkow (Mark) und Umgebung“ erschienen.

Darin erfährt der Leser auch Interessantes zum Haltepunkt der Eisenbahn. So ist bereits 1901 über die Einrichtung eines solchen verhandelt worden, da Aufkäufer von Grundstücken in Hubertushöhe daran Interesse zeigten und die Stadt sich davon eine stärkere Nachfrage nach dortiger Ansiedlung erhoffte. Am 1. Juni 1903 ist der Haltepunkt dann zwischen den Stationen Storkow und Scharmützelsee eingeweiht worden. Alle Züge, die mehrmals täglich in beide Richtungen fuhren, hielten auch in Hubertushöhe. Damit waren die ersten Bewohner dieses Ortsteiles den Storkowern gleichgestellt. Als erster Stationsvorsteher (damals „Bahnhofsagent“) fungierte der frühere Storkower Kaufmann Paul Henning.

Für den 16. Oktober 1905 ist ein besonderes Ereignis verzeichnet: An  diesem Tag fuhr der Hofzug des deutschen Kaisers Wilhelm II. auf dem Weg zur Einweihung des Observatoriums in Lindenberg auf der Strecke. Über eine Stippvisite des Kaisers auch in Hubertushöhe an diesem Tag gibt es zahlreiche Legenden. Der Bahnsteig soll extra verlängert und ein roter Teppich ausgelegt worden sein. Konkrete Belege wurden aber nicht gefunden. Wenn überhaupt, könne der Halt auf der Rückfahrt geschehen sein, hat Dr. Jürgen Pfeiler anhand der An- und Abfahrtszeiten des Hofzuges recherchiert.

Der Bahnhaltepunkt in Hubertushöhe wurde jedenfalls gut angenommen. Im Jahre 1906 wurden dort 2574 Fahrkarten verkauft, vier Jahre später waren es bereits 4321. Auch Kurioses trug sich seinerzeit hier zu: Am Abend des 10. August 1912 vergaß der Lokführer in Storkow seinen Zugführer. In Hubertushöhe bemerkte er den Verlust des „notwendigen Beamten“ und fuhr rückwärts. Auf halbem Wege trafen sich der Zug und der entgegen eilende Beamte, „worauf Zug und Zugführer gemeinsam heim dampften“. Der Zug kam eine halbe Stunde später in Beeskow an.

Aus den Anfangsjahren des Haltepunktes Hubertushöhe konnten leider keine Fotos oder Postkarten gefunden werden. Das kleine Stationsgebäude ist im November 1997 abgerissen worden. In der Broschüre von Dr. Jürgen Pfeiler ist nachzulesen, wie sich dieser Storkower Stadtteil im Laufe der Jahrzehnte entwickelte. Neben den Wohnhäusern gab es nach dem Krieg auch ein Krankenhaus, Ferienanlagen und die Ingenieurschule für Fischerei der DDR. Und ganz sicher hat für alle, die dort wohnten, arbeiteten und sich erholten die ganz nahe Zuganbindung eine Rolle gespielt.

Heute ist Hubertushöhe ein Bedarfshaltepunkt. Auf dem Bahnsteig gibt es ein überdachtes Wartehäuschen sowie eine digitale Zuginformation. Diese Station ist ein beliebter Ein- und Ausstiegspunkt für Radwanderer. Nur wenige Meter weiter führt hier der Rundwanderweg um den Storkower See entlang. Auch zum Radweg in Richtung Wendisch Rietz ist es ganz nah. Das Schlossgelände Hubertushöhe ist in einer Minute zu erreichen. Der jetzige Besitzer Rainer Opolka plant auf dem Areal einen Kunst- und Kulturpark. Und der Bahnanschluss für die zu erwartenden Besucher ist schon mal da.

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