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Stricken
Socken gegen die Kälte

Strickt an vielen Ortenl: Janine Reinke hat Wolle und Nadeln immer griffbereit. Ihrem Hobby widmet sie sich in Wartezimmern, im Zug, oder, wie auf diesem Foto, im Café.
Strickt an vielen Ortenl: Janine Reinke hat Wolle und Nadeln immer griffbereit. Ihrem Hobby widmet sie sich in Wartezimmern, im Zug, oder, wie auf diesem Foto, im Café. © Foto: Larissa Benz
Larissa Benz / 23.11.2018, 07:00 Uhr
Leißnitz (MOZ) Für Janine Reinke ist Stricken mehr als nur ein Hobby. Sie nimmt an einem Projekt teil, das Socken und Mützen an Obdachlose in Berlin verteilt. Dafür nutzt sie auch das soziale Netzwerk Instagram.

Janine Reinke sitzt mit Latte Macchiato und Kuchen in einem Beeskower Café. Vor ihr liegen Wollknäuel, sie hält einen weißen Socken in der Hand und strickt los. Spielend leicht führt sie die Nadeln durch die Maschen. „Das Sockenstricken ist eigentlich die Königsdisziplin“, erklärt die 33-Jährige.

Erst vor wenigen Jahren entdeckte sie das Hobby für sich, obwohl ihre Mutter seit Jahrzehnten „leidenschaftlich gerne strickt“. Sie selbst habe dafür nie Interesse gehabt, erst in einem gemeinsamen Urlaub sei der Knoten geplatzt: „Wir waren gemeinsam an der Müritz und hatten Zeit. Da hat meine Mutter mir die Grundtechniken beigebracht.“

Mittlerweile hat Janine Reinke das Strickfieber gepackt, über das soziale Netzwerk Instagram sammelt sie Ideen und Inspirationen, sucht Strickanleitungen im Internet: „Mit Videos kann man sich das heute auch leicht selbst beibringen“, ist sie überzeugt.

Seit zwei Jahren macht die Mutter einer dreijährigen Tochter bei der Aktion „Helfen wollen“ mit. Dabei fertigen Strickbegeisterte Wollsocken, Mützen, Handschuhe und andere Kleidungsteile für Obdachlose in Berlin an. Auch Wolle kann gespendet werden.

Die Teile werden dann von Ehrenamtlichen in Berlin an verschiedene soziale Einrichtungen verteilt. „Ich hatte noch Wolle übrig und dachte, gerade vor Weihnachten kann man doch mal helfen“, sagt sie. Im vergangenen Jahr startete sie dazu einen Aufruf über Instagram: Über 30 Frauen aus Deutschland und sogar der Schweiz habe sie damit erreicht: „Insgesamt sind damit über 200 Teile zusammengekommen, die ich an das Projekt weiterleiten konnte.“ In diesem Jahr habe sie sich aus Zeitgründen auf selbst gestrickte Teile für die Aktion konzentriert.

Janine Reinke pendelt dreimal die Woche mit dem Zug nach Berlin, wo sie im öffentlichen Dienst an einer Universität arbeitet. Die Fahrtzeit von jeweils zwei Stunden nutze sie vor allem auch zum Stricken.

Auch im Café, an Haltestellen oder im Wartezimmer packt sie Wolle und Nadeln aus. In Leißnitz fühle sie sich mit ihrer Familie sehr wohl, betont sie. Ab und zu bedauere sie aber, dass es für Menschen in ihrem Alter rund um Beeskow keine Angebote für gemeinsames Stricken gibt: „In Berlin zum Beispiel gibt es in Cafés extra Stricktreffs, wo sich auch Jüngere treffen.“

Stricken gilt ihrer Ansicht nach nicht mehr als altbacken, obwohl es eine Zeit lang aus der Mode gekommen war: „Ich habe das Gefühl, dass es gerade in Städten wieder richtig hip ist.“ In Berlin sehe sie viele Menschen, die sich dem Hobby widmen.

Für Familie, Kollegen und Freunde verschenke sie regelmäßig Gestricktes: „Bei uns im Freundeskreis bekommen gerade einige Kinder. Da sind selbst gestrickte Babysöckchen ein schönes Geschenk.“ Am liebsten nutze sie Naturwollen, etwa vom Alpaka. Im Gegensatz zu vielen, die nur in der kalten Jahreszeit stricken, packe sie das Strickfieber auch im Sommer beim Ostseeurlaub: „Ich bekomme dabei einfach wunderbar den Kopf frei.“

Informationen zum Projekt „Helfen wollen“ gibt es unter http://helfenwollenberlin.blogspot.com/

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