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Polizei
Teurer Traktorendiebstahl

Symbolbild Polizei
Symbolbild Polizei © Foto: Patrik Rachner
Olaf Gardt / 05.12.2018, 22:45 Uhr
Beeskow (MOZ) Die Mitglieder des Kreisbauernverbandes Oder-Spree fordern mehr Polizeipräsenz, vor allem mehr Streifenfahrten  in den Nachtstunden. Nur so könnten die Schäden durch den zunehmenden Diebstahl von Landmaschinen eingedämmt werden.

Aus Sicht der Bauern nehmen die Diebstähle von Landmaschinen wieder zu. Sauen, Kolpin, Friedland, Schadow, Bad Saarow und Görzig nennt der Bauernverband als Tatorte der letzten Wochen.  Im Schutz der Dunkelheit holen Diebe vornehmlich Traktoren, Futtermischwagen und Gerätschaften aus abgeschlossen Ställen, Lagern und anderen gesicherten Arealen. Trotz sofortiger Anzeige blieben die gestohlenen Maschinen meist unauffindbar, so der Bauernverband.

Und selbst wenn ein Gerät wieder entdeckt wird, hat man es noch lange nicht zurück. Geschildert hat das Verbandsgeschäftsführer Karsten Lorenz in einer Pressemitteilung. „Der letzte Diebstahl ereignete sich in Neu-Golm. Dort wurden ein Stalltraktor (Typ Weidemann), eine Stiel Motorsäge und ein Parallelfahrsystem vom Betriebsgelände gestohlen. Es wurde sofort Anzeige erstattet. Tage später fanden die Geschädigten Ihr Fahrzeug auf einer polnischen Internetseite mit Kontaktdaten wieder, wo der Weidemann mit Foto zum Kauf angeboten wurde.“ Auch darüber sei die Polizei umgehend informiert worden. Geschehen sei aber offenbar bislang nichts

Ein weiterer Fall ereignete sich Ende vergangener Woche in Görzig. Vom Betriebsgelände der Schäferei verschwand in der Nacht zum Sonnabend nicht nur ein blauer Traktor, ein Ackerschlepper der Marke New Holland, sondern auch ein weißes Quad. Die Polizei beziffert den Schaden auf 50 000 Euro. Schäfer Maik Östreich hat  eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro ausgeschrieben für Hinweise, die ihm helfen, sein Eigenturm wieder zu bekommen. Östreich glaubt nicht an polnische Täter, weil es wegen der Klimakonferenz in Kattowitz derzeit Grenzkontrollen gibt. Wenn jemand die Technik ins Ausland schaffen wolle, ist sich Östreich sicher, brauche er aktuell erst einmal ein Zwischenlager in Deutschland. Die Diebe, die bei ihm zugeschlagen haben, vermutet er aus der unmittelbaren Umgebung, weil sie sich auf dem Firmengelände offenbar gut auskannten.

Nach Aussage von Karsten Lorenz haben die meisten Landwirte  in ihre teuren Maschinen schon Unterberechnungsschalter, Kameras, GPS-Sender, Alarmanlagen oder Sicherungen mit künstlicher DNA eingebaut. „Aber hundertprozentige Sicherheit gibt es eben nicht“, sagt er. Und die fehlende Polizeipräsenz in der Region spiele den Tätern in die Hände. „Sie kommen meist nachts und bis den Diebstahl jemand bemerkt sind sie schon über alle Berge.“

Für die Landwirte bringt das mehrfachen Schaden. Ist die Technik weg, bleiben Arbeiten liegen, bis Ersatz beschafft werden kann. Bei steigenden Diebstahlzahlen werden die Versicherungspolicen teurer. „Und das in der jetzigen Situation, wo dürrebedingt jede Extraausgabe die Liquidität auf den Betrieben schmälert“, weist Lorenz auf ein weiteres Problem hin. Das Land sei deshalb gefordert, schnell zu handeln, um für mehr Sicherheit in der Region zu sorgen.

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Ralph Schnur 06.12.2018 - 21:00:19

Hohe finanzielle Schäden durch organisierte Kriminalität

Das Thema ist nicht nur bei Landwirten hoch relevant und brisant. In und um Spreenhagen sind im letzten halben Jahr mehr als ein halbes Duzend dieser Diebstähle an teuren Land- und Baumaschinen geschehen. In der Region gibt es viele Landwirte im Nebenerwerb die privat einige Hektar Land bewirtschaften. Das geht nur mit Technik, die sich auch diese kleinen Landwirte anschaffen müssen. Über einige der Fälle hat die MOZ berichtet. Die Geräte wurden von den umzäunten Grundstücken entwendet. Die Diebe waren dabei in allen Fällen unglaublich dreist und professionell in der Ausführung. Ein Abtransport über die Autobahn A12 von Traktoren, Mulchern, Hofladern, Radladern u.a. erfordert eine teure Logistik und entsprechend große LKW´s. Das sind keine kleinen Gelegenheitsdiebe. Die Örtlichkeiten müssen im Vorfeld sehr detailliert ausgekundschaftet werden. Die Geräte müssen von den Dieben wieder verkauft werden, ganz oder in Teilen. Das geht doch nicht, ohne Spuren zu hinterlassen. Wird hier überhaupt ermittelt? Viele der sehr teuren Geräte sind nicht versichert. Häufig ist es auch nicht möglich diese Geräte ohne teure bauliche Maßnahmen zu versichern. Die finanziellen Verluste sind erheblich. In den mir bekannten Fällen sind Schäden zwischen 20.000 € bis zu 70.000 € aufgetreten. Die Betroffenen haben das Gefühl, dass nicht gehandelt wird. Von der Polizei wurden die Taten nur unzureichend ermittelt. Informationen zum Ermittlungsstand erfolgte in keinem der Fälle. Die Beamten klagen gegenüber den betroffenen über vorhandenen Personalmangel und unzureichende Ausstattung der Ermittlung. Ihre Berichte zeigen, dass es ein flächendeckendes Problem geworden ist. Es kann nicht sein, dass die Brandenburger Polizei vor solch organisierter Kriminalität kapituliert. Es kann nicht sein, dass wir zwar offene Grenzen haben, aber keine effektive grenzüberschreitende Strafverfolgung. Es liegt dringender Handlungsbedarf vor!!! Auch die Presse sollte hier den Finger in die Wunde legen und das tatsächliche Ausmaß der Fälle aufzeigen und die Ermittlungsarbeit der Polizei hinterfragen.

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