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Konzert
Wenn der Bär zu russischen Weisen herumtappst

Beim Balladenabend in der Burg Beeskow sorgten das „theater 89“ und die Band The Rathmines für tolle Stimmung. Zu russischen Volksliedern tanzte ein Braunbär.
Beim Balladenabend in der Burg Beeskow sorgten das „theater 89“ und die Band The Rathmines für tolle Stimmung. Zu russischen Volksliedern tanzte ein Braunbär. © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 31.12.2018, 07:00 Uhr
Beeskow Es sei genau der richtige Zeitpunkt für diese Veranstaltung, freute sich am Sonnabend Burgdirektor Arnold Bischinger über ein volles Haus „zwischen den Jahren“. Unter dem Motto „Des Sängers Fluch“ war ein Balladenabend angesagt, also „Märchen für Erwachsene mit einem beträchtlichen Wahrheitsgehalt“, erklärte der Kulturmanager und gab den Weg frei für einen furiosen Auftakt am Klavier mit dem „Song of the Rhineland“ von Kurt Weill, 1945.

Dann tauchte das „theater 89“ aus der Nordwestuckermark unter seinem Impresario Hans-Joachim Frank tief in die Geschichte ein. Mit Rezitation, Gesang, Instrumentalmusik von Gitarren, Akkordeon, Schlagzeug und Banjo ging es von einer altfranzösischen Ballade aus dem 13. Jahrhundert über Andreas Gryphius, Ludwig Uhland, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Edgar Allan Poe, Christian Morgenstern, Antoine de Saint-Exupéry bis zu Bert Brechts „Blumengarten“ von 1953. Dazwischen waren immer wieder alte Volkslieder gesungen oder gesprochen zu hören, etwa das deutsche Erntelied „Es dunkelt schon in der Heide“ von 1478 und das schwedisch-norwegische Kinderlied „Vem kan segla förutan wind?“

Den Rezitatoren, Sängern und Musikanden gelang es wunderbar, die poetisch wiedergegebene Atmosphäre einer lang vergangenen Arbeits- und Lebenswelt lebendig werden zu lassen. Manches wurde dabei ganz anderes interpretiert, als es in Gesangsvereinen des 19. Jahrhunderts und in der Wanderbewegung des 20. Jahrhunderts üblich war. Das gemütliche Volkslied aus dem 18. Jahrhundert, „Es blies ein Jäger wohl in sein Horn“, war an diesem Abend eher eine wilde, verwegene Jagd rauer Kerle.

Großen Applaus erhielten die drei Kinder, die als Rezitatoren von Gedichten aus dem Unterrichtsstoff mitwirkten: „Heidenröslein“, „Der Handschuh“, „Wenn es Winter wird“. Ein Gymnasiast trat sogar in einer französisch gesprochenen Szene aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry auf. Nicht nur das Programm, das um Liebe, Tod und Herrschaftsanspruch kreiste, begeisterte das Publikum.

Es war in eben solchem Maße die Würdigung der künstlerischen Leistung, die teilweise stürmisch beklatscht wurde. Dazu zählte der Marionetten-Spieler, der die Puppen im wahrsten Sinne des Wortes tanzen ließ, und der lebensgroße Braunbär, der zu russischen Volksliedern herumtapste.

Die 82-jährige Gerda Weinert aus Beeskow war mit ihren Töchtern Anita und Irena gekommen. Sie hatten die Truppe schon beim alljährlichen Sommertheater an der Marienkirche in Beeskow erleben können. Alle drei waren begeistert. „So ein zwischenzeitliches Kulturereignis ist gerade das Passende auf der Burg“, brachte es Anita Kern auf den Punkt.

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