Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Internationale Mitglieder des Vereins Esperanto kommen in Hirschluch zusammen / Kommunikation mithilfe der Plansprache

International
In der Mitte treffen

Wie eine Familie: In der Begegnungsstätte Hirschluch treffen sich momentan 200 Esperanto-Sprecher aus der ganzen Welt. Gastgeberin Barbara Hink (Zweite v. l.) freut sich mit Mitgliedern der deutschen Esperanto-Jugend über die Besucher.
Wie eine Familie: In der Begegnungsstätte Hirschluch treffen sich momentan 200 Esperanto-Sprecher aus der ganzen Welt. Gastgeberin Barbara Hink (Zweite v. l.) freut sich mit Mitgliedern der deutschen Esperanto-Jugend über die Besucher. © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 03.01.2019, 07:45 Uhr
Storkow/Hirschluch (MOZ) Die Evangelische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Hirschluch legt großen Wert auf die Zusammenführung von Menschen aus verschiedenen Kulturen. Bis zum 4. Januar findet hier ein deutsch-polnisches Esperanto-Treffen mit 200 Teilnehmern aus 30 Ländern statt.

Nur etwa 40 der Gäste, die über den Jahreswechsel in Hirschluch weilten, sprechen als Muttersprache Deutsch. Wenn sie aber nach der Mahlzeit ihr Geschirr wegbringen wollen, suchen sie nicht nach dem Abstellplatz für Teller und Tassen, sondern orientieren sich wie alle anderen nach Schildchen, wie „tasoj“, das sind die Tassen, oder „teleroj“ die Teller. Und es klappt ausgezeichnet. „Wir haben keine Verständigungsschwierigkeiten“, schmunzelt Michaela Stegmaier, die Vorsitzende des ausrichtenden Vereins Esperanto, der seinen Sitz für die über einhundert deutschen Mitglieder in Berlin hat. Von hier aus werden drei Treffen im Jahr durchgeführt und  die Teilnahme an Treffen mit anderen Esperanto-Organisationen koordiniert.

Die Begegnung immer über Silvester ist das Haupttreffen und findet seit zehn Jahren immer im Wechsel zusammen mit der polnischen Esperanto-Jugend statt. Im vorigen Jahr wurde es in Stettin ausgerichtet, vor zwei Jahren in der Nähe von Kiel. Über das Internet werden die Termine weltweit bekannt gegeben. Diesmal kamen die Gäste vor allem aus Nord- und Südamerika, Asien und aus ganz Europa.

Bei der Quartiersuche, so die Vorsitzende, komme es darauf an, dass Orte gewählt werden, die von den Teilnehmern „sonst nicht unbedingt besucht werden und möglichst dicht an der polnischen Grenze liegen“. Für Hirschluch habe zunächst einmal die Nähe zu Berlin gesprochen, aber auch, „dass wir das ganze Objekt für uns haben“. Barbara Hink, die Heimleiterin, freut sich über solche Gäste ganz besonders, denn Völkerverständigung gehöre zur Aufgabe des Hauses: „Wir unterstützen alle Begegnungen junger Menschen, damit gar nicht erst Vorurteile gegen andere Kulturen aufkommen“, sagt sie. Eigentlich war Hirschluch durch seine Stammgäste ausgebucht. „Sie waren über die Absage traurig, hatten aber Verständnis und wollen nächstes Jahr wiederkommen“, so Barbara Hink.

Eigentlich kann man mit Englisch und Französisch auch schon gut um die Welt kommen. Warum sollte man also Esperanto lernen? David Mamsch aus Leipzig, der zum Vorstand des Vereins gehört, erklärt das so: „Man muss nicht die Sprache des anderen lernen, sondern trifft sich in der Mitte. Dazu ist es einfach zu lernen, denn der Wortschatz lehnt sich an romanische und germanische Sprachen an, und es gibt keine eigene Grammatik und keine Ausnahmeregeln.“ Etwa drei Monate dauere es, Esperanto zu erlernen, wenn man sich täglich in Kursen mit Lehrern, im Internet oder im Selbststudium nach Büchern damit beschäftigt.

Das Treffen zum Jahreswechsel ist kein Lerntreffen. Es sind zwar drei Lehrer dabei, die für täglich eine Stunde Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene anbieten, aber die Freizeit mit Menschen aus vielen Ländern steht im Vordergrund. Dabei werden auch ältere Esperanto-Freunde nicht ausgeschlossen. „Es sind ganze Familien in drei Generationen dabei“, weiß Barbara Hink. Gemeinsam ging es in die Saarow-Therme, und man konnte an einem Berlin-Besuch und einer Fahrt nach Frankfurt (Oder) teilnehmen, beides mit Stadtführung auf Esperanto. Bei einem Treffen die Sprache nicht anzuwenden, ist verpönt. „Auch die Anfänger versuchen schon, sich nur mit Esperanto zu verständigen“, erklärt Michaela. „Dabei bringt jeder seine eigene Sprachmelodie und die sprachlichen Eigenheiten seiner Muttersprache ein Stück weit mit“, hat David Mamsch zufrieden beobachtet.

Die Deutsche Esperanto-Jugend freue sich immer über neue Mitglieder, so die Vorsitzende. Der Mitgliederbeitrag ist nach Alter gestaffelt, beträgt aber höchstens 50 Euro im Jahr.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Schindler Ronald 06.01.2019 - 08:31:06

Stadtrundgang Frankfurt (Oder) in Esperanto

Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, 23 Teilnehmer des deutsch-polnischen Esperanto-Treffens in Storkow-Hirschluch am 02. Januar 2019 durch die Innenstadt von Frankfurt (Oder) zu führen. Der Weg begann im Bahnhof, wo die Exkursionsteilnehmer schon einige Informationen zur Stadt und ihrer Geschichte sowie zum Bahnhofsgebäude selbst erhielten. Das Ziel war es den Gästen, die aus Storkow angereist waren, unsere Stadt näher zu bringen und sie zu einem weiteren Besuch von Frankfurt einzuladen. Einen Großteil des Rüstzeugs (inklusive ein Ausschnitt aus dem Stadtplan für jeden Teilnehmer) für den Stadtrundgang wurde mir freundlicherweise von der Deutsch-Polnischen Tourist Information zur Verfügung gestellt. Dieses Material wurde ins Esperanto übersetzt, soweit es den Rundgang betraf. Unser Weg wich allerdings etwas ab von den Routen, die normalerweise von Fremdenführern angeboten werden. Wichtige Punkte im Stadtrundgang waren insbesondere Orte, die in verschiedener Art und Weise mit Esperanto zu tun haben bzw. in naher Zukunft haben werden. So wurde im Café Słubfurt über einige Jahre Esperanto-Unterricht angeboten. In der Volkshochschule Frankfurt (Oder) in der Gartenstraße wird eine Einführungsveranstaltung über Esperanto (Titel: Esperanto – Weltsprache der Herzen) am 08. Mai 2019, quasi unmittelbar nach der traditionellen Teilnahme der Esperanto-Freunde am Brückenfest am 01. Mai 2019 auf der Oderpromenade, stattfinden. Im Atrium des Gräfin-Dönhoff-Gebäudes der Europa-Universität Viadrina konnten wir uns aufwärmen und gute Speisen aus der benachbarten Kantine genießen. Bereits seit mehreren Jahren findet im Atrium der Beaujolais-Abend statt (am 3. Donnerstag im November), wo sich auch Esperanto-Freunde regelmäßig einfinden. Weiter ging es über das Hauptgebäude der Viadrina und am Oderturm vorbei zur Marienkirche, wo insbesondere die Bilderbibel bestaunt wurde. Vorbei an Rathaus und Kleistmuseum wurde ein weiteres Esperanto-Objekt aufgesucht, das Hinweisschild zum Brückenplatz 2.0 des Kunstprojekts „Słubfurt“. Über dieses Projekt wurde natürlich auch informiert. Entlang der Oder stromaufwärts strebten wir der Stadtbrücke zu und besuchten das Gelände der Oderpromenade, wo jährlich das Brückenfest am 01. Mai stattfindet. Esperanto war im vergangenen Jahr schon das 10. Mal dort vertreten. Berichtet wurde auch über den zu Pfingsten 2020 geplanten Deutsch-Polnischen Esperanto-Kongress, der sowohl in Frankfurt (Oder) als auch in Słubice stattfinden soll. Die Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange. Geplant war noch der Besuch des Collegium Polonicum in Słubice und ein Blick vom Dach des Gebäudes, aber der eisige Wind hielt uns davon ab. Es wurde Freizeit verkündet und ein Teil der Gruppe begab sich zum Oderturm um die fantastische Aussicht aus dem 24. Stockwerk zu genießen. Anschließend trafen sich alle wieder auf dem Bahnhof von Frankfurt (Oder) um die Rückreise nach Storkow anzutreten. Informationen bei: Ronald Schindler RonaldSchindler@web.de

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG