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Porträt
Mit Blick für das Detail

Naturfreund: Krankenpfleger und Fotograf Andreas Batke lebt idyllisch in Klein Schauen. Er hat die Fotos für den diesjährigen Kreiskalender übernommen. Mit manchen Protagonisten traf er sich dazu mehrere Male.
Naturfreund: Krankenpfleger und Fotograf Andreas Batke lebt idyllisch in Klein Schauen. Er hat die Fotos für den diesjährigen Kreiskalender übernommen. Mit manchen Protagonisten traf er sich dazu mehrere Male. © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 12.02.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 12.02.2019, 10:37
Klein Schauen Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Manche haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Das Oder-Spree-Journal stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Andreas Batke aus Klein Schauen.

Angefangen hat alles mit Landschaften und Tieren: Schon mit 14 Jahren fotografierte Andreas Batke mit einer eigenen Spiegelreflex ohne Automatik:  „Es war ein teurer Spaß, und ein Teleobjektiv fehlte, aber es war eine gute Schule“, denkt er zurück. Sein Berufswunsch Fotograf stand fest. Gern streifte er durch Wald und Wiesen, hob da eine Feder auf, da eine Schlangenhaut, fand dort ein Rehgeweih.

Das Abitur absolvierte er in Beeskow. Heute lebt der 44-Jährige in Klein Schauen, hat dort das Haus seiner 2010 verstorbenen Oma Klara übernommen, die im benachbarten Görsdorf geboren wurde. Auf dem Hof gibt es, wie früher bei seinen kleinbäuerlichen Vorfahren üblich, noch Hühner. „Zu DDR-Zeiten wurde hier auch ein Schwein gehalten“, erinnert er sich.

Das zu dem Hufen mit Wohnhaus, Hof, Wirtschaftsgebäude gehörende Gartengrundstück, das einst zwecks Eigenversorgung zum Futtermittel-, Kartoffel- und Gemüseanbau diente, lässt er von seinem Schaf kurz halten. Der Bruder hat nebenan sein Grundstück.

In der Polytechnischen Oberschule „Kurt Steffelbauer“ interessierten ihn besonders die Fächer Biologie und Chemie, „Naturthemen, besonders Tiere, aber auch Geschichte“, erklärt er. Andreas Batke bewarb sich mit Landschaftsaufnahmen und abstrakten Zeichnungen mit Naturhintergrund an der Universität der Künste.

Da das nicht klappte, dachte er „eher praktisch“ und studierte erst einmal zwei Semester Erziehungswissenschaften mit Nebenfach Soziologie. „Das war sehr interessant, aber die Perspektive Lehrerausbildung war nicht das, was ich wollte.“

Der Zivildienst in der Rettungsstelle im Bad Saarower Krankenhaus stellte für ihn die Weichen. Die Mutter Ingrid war Gemeindeschwester in Kummersdorf, Philadelphia und Alt Stahnsdorf, „und aus einer Laune heraus fragte ich, wie man Krankenpfleger wird“, sagt der 44-Jährige.

Schon am nächsten Tag lagen die Bewerbungsunterlagen vor ihm. Er ist stolz darauf, denn „damals wurde noch rigoros ausgesucht, und es wurden fast nur Abiturienten genommen“. Die Arbeit tue ihm gut: „Hier geht es um handfeste Sachen, man muss handeln, es ist nicht so verkopft wie im Studium.“

Nach dem Ende der Ausbildung in Bad Saarow 1999 war er elf Jahre an der Reha-Klinik in Grünheide und kehrte schließlich in die Notaufnahme Bad Saarow zurück: „als Brotberuf in Vollzeit-Schicht-Betrieb“. Aber Andreas Batke füllt ihn gern aus. „Man merkt, dass die Ärzte Vertrauen haben und mich sehr selbstständig arbeiten lassen“, sagt er. In der Freizeit frönt Batke weiter seiner Liebe zur Natur und zum Fotografieren. Von 2003 bis 2010 betreute er ehrenamtlich mit dem Wochowseer Michael Kurz Sielmanns Naturranger und hielt deren Wirken im Foto fest. Mit ihnen wurden die Krötenzäune bei Limsdorf errichtet, und als größtes Projekt entstand eine Hütte in Wochowsee aus selbst geschlagenem Holz, „ein bisschen Draht, wenige Nägel, sonst nur Naturmaterialien wie Schilf“, erzählt er.

Dazu begann er ohne Auftrag als eigenes Projekt an einer Fotoserie zu arbeiten über „Menschen, die in irgendeiner Weise in der Öffentlichkeit stehen, eine Ausstrahlung haben und interessant sind“. Es waren keine Porträts: er inszenierte die Menschen bei ihrer beruflichen Arbeit oder bei ihren Freizeitbeschäftigungen.

Unter den ersten Personen waren Barbara Bonk, damals Leiterin des Hauses der Jungen Techniker und Naturforscher, ihre Mitarbeiterin Ingrid Schneider und Petra Kather, Leiterin der Storkower Stadtbibliothek. Diese Fotoserie blieb aber aus Zeitgründen unvollendet.

Seit 2003 ist Andreas Batke parteiloses Mitglied im Ortsbeirat. „Das liegt in der Familie, ich habe sie beerbt: Opa Paul und Vater Fritz waren Chefs der Freiwilligen Feuerwehr, der Vater nach der Wende Gemeindevertreter“, schmunzelt er.

Seine Angst war, dass in der Gemeinde Geld verbrannt wird, um alles neu zu machen. Er stritt jahrelang darum, dass der zugewachsene Dorfplatz wieder zum Festplatz wird, auf dem nun Dorffeste stattfinden. Auch dafür, dass die Tradition des Weihnachtsfeuers wieder aufgenommen wird, setzte er sich ein, und beim Zampern ist er Mitorganisator.

Seit 2010 fotografiert Andreas Batke wieder verstärkt und schreibt zu Naturthemen. Veröffentlicht ist es im Jahrbuch vom Naturpark Dahme-Heideseen. Außerdem entstehen wieder Fotos mit Menschen der Region bei Festen und bei ihrer Alltagsarbeit, „nun nicht mehr inszeniert, sondern aus der Situation heraus“, ist ihm wichtig. Einige Fotos waren schon in der MOZ zu finden, aber auch in Kalendern, Ausstellungen und in den Naturpark-Informationen.

Sein bisher größtes künstlerisches Fotoprojekt war für Andreas Batke der Kreiskalender 2019. Der Kulturamtsleiter Arnold Bischinger entdeckte ihn bei einer Ausstellung auf dem Alinae Lumr Festival 2017 in Storkow. Er bat ihn,  den literarischen Porträts fotografische hinzuzufügen. „Ich habe erst den Text gelesen und dann mit den Leuten, die fotografiert werden sollten, eng zusammengearbeitet“, schildert er seine Herangehensweise. Die Fotos wurden positiv aufgenommen, und so soll er auch den nächsten Kreiskalender mit seinen Bildern ausstatten. Dann geht es wieder um Menschen, aber auch um Orte und regionale Museen.

Sechs Fragen an Andreas Batke

Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst, geprägt?

Einen Menschen kann ich nicht benennen. Die Wendezeit war prägend mit ihrem Versuchslaborcharakter. Das war zwar kein stabiles Umfeld, aber es war aufregend. Ein fotografisches Vorbild ist August Sander als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“.

Was würden Sie als erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeister Ihres Ortes, also von Klein Schauen, wären?

Eine weitsichtige Bebauungsplanung in der Gemeinde mit dem Ziel eines geringst möglichen Flächenverbrauchs.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?

Mehr kritischen Einfluss auf allen politischen Ebenen auf Wirtschaftsfragen und eine naturschutzorientierte Subventionspraxis in der Landwirtschaft.

Möchten Sie noch einmal 17 Jahre alt sein sein?

Dreißig vielleicht. Siebzehn auf gar keinen Fall.

Träumen Sie gern?

Und viel. Ich bin Optimist.

Was hält Sie in Ihrer Heimat? Würden Sie umziehen?

Ich kenne mich hier aus, das ist schön. Wenn es woanders hingeht, sollte es ein großer Schritt sein. Ich fühle mich im Nahen Osten wohl und in Norwegen ist die Natur klasse.

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