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Meiler im Wald wurde geöffnet / Künftig könnten auch interessierte Besucher daran teilnehmen

Köhler
Groß Lindower Köhler ernten Holzkohle

Frank Groneberg / 12.03.2019, 06:15 Uhr - Aktualisiert 13.03.2019, 10:07
Groß Lindow (MOZ) Idyllisch und einsam ist es in diesem Abschnitt. Die hohen Kiefern bewegen sich gleichmäßig im Wind, Wanderer sind hier nur selten unterwegs, die Zufahrt per Pkw ist nicht erlaubt. Ein guter Platz für Köhler. Dies wussten auch die schwarzen Gesellen vor 300 Jahren: Wer sich in dem Gelände aufmerksam umschaut, erkennt auch als Laie noch heute kreisrunde Erhebungen – die Überreste der Holzkohlemeiler aus dem 18. Jahrhundert. Revierförster Michael Köckritz hat viele von ihnen aufgespürt, im Erdreich findet man noch Holzkohle-Stücke. Diese wurden naturwissenschaftlich auf die Jahre um 1740 bestimmt. Die Köhler fanden hier was sie brauchten – Holz gab es ausreichend, Wasser holten sie aus der Schlaube und es war ruhig und einsam. Dies war und ist wichtig, denn die Köhlerei ist ein anstrengendes und schmutziges Gewerbe.

Der Betrieb eines Holzmeilers auf dem Vereinsgelände im Groß Lindower war von Anwohnern schon vor Jahren gerichtlich untersagt worden. Der Tag des Baumes auf dem Parkplatz Kupferhammer, wo die Köhler auch einen Meiler entzündeten, wird schon seit Jahren nicht mehr organisiert. Nun suchten die Vereinsmitglieder einen neuen Standort. So kam man im Gespräch mit Michael Köckritz auf den Standort in Kaisermühl, dort schichteten die Groß Lindower zum ersten Mal die Buchenholz-Scheite auf, deckten den Turm mit Erde ab.

Am 7. Februar wurde der Meiler angezündet und glühte bis zum 13. Februar durch. Der Meiler musste Tag und Nacht bewacht werden. "So waren die Männer am Valentinstag wieder bei ihren Frauen", scherzte Vereinschef Herbert Grunow. Rund drei Wochen lang ruhte der Meiler, jetzt wurde der Bau geöffnet und die Holzkohle herausgeholt. An einigen Stelle glimmte es immer noch, da brauchte man eine Wasserkanne, um diese Glutnester zu löschen.

Mitarbeiter der Landeswaldoberförsterei schauten sich aufmerksam die Arbeitsabläufe an, es war eine fast familiäre Stimmung. Ein Förster hat guten Kontakt zur Katholische Grundschule "Pfarrer Florian Birnbach" in Neuzelle und lud die 4. Klasse zu einem Besuch ein.

Rund 25 Mitglieder des Kienstubbenvereins haben sich an der Errichtung, Betreuung und Ernte des aktuellen Meilers beteiligt. Dieser ist etwa mannshoch und hat ein Volumen von rund 12 Raummetern Buchenholz. Zum Vergleich: Die Meiler vor 300 Jahren waren deutlich höher und bestanden aus jeweils 100 bis 150 Raummetern Holz. Zum Fazit sagte Vereinschef Herbert Grunow, dass man sich wünschen würde, mit der Zustimmung der Landeswaldoberförsterei künftig öfter an diesem Standort zu köhlern; schön wäre es, wenn man die Ernte als öffentliche Aktion anbieten könnte, damit sich Familien bei einem Ausflug einmal diese Abläufe ansehen können. "Wir stehen diesem Vorhaben positiv gegenüber", sagte Roland Müller, Leiter der Landeswaldoberförsterei. Das Problem sei dabei jedoch, dass die Schaulustigen entweder zu Fuß oder per Fahrrad zu dem Köhlerplatz in Kaisermühl kommen müssten. (loo)

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