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Bombenverdacht
Einsatz nach dem Vieraugenprinzip

Neue Regelungen für mehr Sicherheit: wie bei dieser Fliegerbombe  in einem Loch.
Neue Regelungen für mehr Sicherheit: wie bei dieser Fliegerbombe in einem Loch. © Foto: dpa/Kasten Hose
Jörg Kühl / 15.05.2019, 06:00 Uhr
Lieberose (MOZ) Die Feuerwehren im Amt Lieberose/Oberspreewald haben ab sofort ein Betreuungsverbot von Munitionsverdachtsflächen. Grund sei das Gefahrenpotential für Leib und Leben, da aufgrund der langjährigen Nutzung der Lieberoser Heide als militärisches Übungsgelände und Bombenziel von einer Kampfmittelbelastung ausgegangen werden müsse, teilt die Verwaltung des Amts Lieberose/Oberspreewald in einer Dienstanweisung den Ortswehrführern mit. Dem Schreiben vom 17. April an alle Ortswehrführer liegt ein Lageplan bei, auf dem die Munitionsverdachtsflächen violett schraffiert sind.

Besonders brisant: Nicht nur unbewohnte Flächen sind als munitionsverdächtig markiert, sondern auch bewohnte Areale. Dazu zählen unter anderem das Stadtgebiet von Lieberose südlich und östlich des Peitzer Kreisels, sowie die unmittelbare Umgebung von heidenahen Ortschaften, wie Groß- und Klein Liebitz, Jamlitz, Blasdorf, Hollbrunn, Ullersdorf und andere.  Einige dieser Ortschaften gelten in ihren Kernen zwar nicht als munitionsverdächtig,  sie sind aber nur über Straßen erreichbar, die durch Munitionsverdachtsflächen führen. Im Brandfall müssen Einsatzkräfte auf unbewaldetem Gebiet 1000 Meter Mindestabstand, in bewaldeten Gebieten 500 Meter Mindestabstand zum Brandort einhalten, bestätigt die stellvertretende Amtsdirektorin Kerstin Chilla.

Irritation über Anweisung

Laut der neuen Dienstanweisung haben sich die Feuerwehrleute bei einer Alarmierung, die sich auf eine Munitionsverdachtsfläche bezieht, zunächst an festgelegten Sammelplätzen einzufinden. Die Einsatzleiter sind angehalten, zunächst die Zweitmeinung eines "Fachberaters der Forstbehörde (z. B. Revierförster)" einzuholen und dann einen Einzelfallentscheid "unter Berücksichtigung des Schutzes von Leib und Leben der eingesetzten Kameraden" zu treffen. Dies könnte zu Verzögerungen bei den Hilfsfristen führen, ist aus Feuerwehrkreisen zu hören.

"Die Dienstanweisung mit dem Betretungsverbot sorgt bei den Kameraden für Verunsicherung", schätzt Lieberoses Bürgermeisterin Kerstin Michelchen ein. Nach ihrer Auffassung besteht in der Sache dringend Regelungsbedarf. "Wir wollen nicht zusehen müssen, wie unser Stadtwald oder gar Teile der Stadt abbrennen." Klarheit sei man auch den Entscheidungsträgern der Feuerwehr bei Einsätzen schuldig.

Dass die Sorgen berechtigt sind, zeigt ein Brandfall, der sich nach Inkrafttreten der Dienstvorschrift kurz vor Ostern ereignet hat: Bei einem Waldbodenbrand in unmittelbarer Nähe des Lieberoser Schützenvereins konnte die Feuerwehr wegen der neuen Abstimmungs- und Abwägungsprozesse erst nach mehr als 30-minütiger Verspätung ausrücken, wie Peter Kossatz, Mitglied im Schützenverein, feststellte.

Die Problematik wurde auf der jüngsten Gemeindevertreterversammlung in Goyatz lebhaft diskutiert. Die Abgeordneten baten den anwesenden Amtsdirektor Bernd Boschan, die Dienstanweisung für Brandfälle innerhalb von Ortschaften, für Rettungseinsätze sowie für technische Hilfeleistungen in Folge von Unfällen zu entschärfen, so der Bürgermeister der Gemeinde Schwielochsee, Rainer Hilgenfeld. Der Amtsdirektor habe zugesagt, dies zu prüfen.

Kerstin Chilla, die stellvertretende Amtsdirektorin, kann die Verunsicherung über die neue Dienstanweisung aus ihrem Hause nicht nachvollziehen. Schließlich sei das Betretungsverbot für Kampfmittelverdachtsflächen nicht neu. Neu sei lediglich das Vieraugenprinzip bei der Einsatzentscheidung sowie die Definition der Sammelplätze. Die Dienstanweisung sei für Einsätze in den mutmaßlich munitionsbelasteten Gebieten außerhalb der Ortschaften gedacht. Dies sei den Ortswehrführern auch kommuniziert worden.

Einsätze der Feuerwehr in bewohnten Gebieten würden ungeachtet des Belastungsstatus der Umgebung durchgeführt. "Das bebaute Grundstück ist beräumt, kann also von Einsatzkräften betreten werden." Auch die Straße zum Einsatzort dürfe befahren werden, egal ob sie durch ein Munitionsverdachtsgebiet führt oder nicht.

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