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650-Jahr-Feier
Kurt Barow ist Jubilar und Zeitzeuge

Kurt Barow aus Oelsen wird heute 90 Jahre alt. Er hat immer in der Landwirschaft gearbeitet, das hat ihn gesund gehalten. Er kümmert sich um den Gemüsegarten und die Hühner. Das Huhn Trude lässt sich auf den Arm nehmen.
Kurt Barow aus Oelsen wird heute 90 Jahre alt. Er hat immer in der Landwirschaft gearbeitet, das hat ihn gesund gehalten. Er kümmert sich um den Gemüsegarten und die Hühner. Das Huhn Trude lässt sich auf den Arm nehmen. © Foto: Jörn Tornow
Monika Rassek / 04.07.2019, 06:15 Uhr
Oelsen (MOZ) Mit einem "offenen Hof" feiert der ehemalige Landwirt Kurt Barow aus Oelsen heute seinen 90. Geburtstag und lädt alle, die ihm gratulieren wollen, herzlich ein. "Auch der Bürgermeister der Stadt Friedland, Thomas Hähle, kommt zum Gratulieren", verrät der Jubilar stolz.

Barow lebt ganz nach dem Motto "Wer rastet, der rostet." Er kümmert sich um seine Hühner, insbesondere um die handzahme Trude und seinen Gemüsegarten. Er braucht den Rhythmus und die Arbeit. Schon seine Eltern haben auf dem Hof gelebt und Landwirtschaft betrieben. Und so wundert es nicht, dass der 1929 Geborene bereits als Kind im Betrieb mitarbeitete. Lediglich die acht Jahre Schulzeit bedeuteten eine Abwechslung zur Arbeit.

Allein der tägliche halbstündige Fußmarsch nach Groß Briesen bot einige Verlockungen. "Von den Apfel- und Pflaumenbäumen haben wir schon mal ein wenig Proviant stibizt. Und mit den Mädchen haben wir geschäkert", sagt Kurt Barow mit einem Augenzwinkern.

Seine Frau Gerda aber traf er auf dem Tanzboden, Silvester 1955. Sie entstammt einer Fischerfamilie aus Niewisch. "Für die Familie kam es einer Tragödie gleich. Die Niewischer sind sehr stolz. Landwirtschaft und Fischerei das passte nicht", formuliert der 90-Jährige vorsichtig. Geheiratet hat er seine Gerda trotzdem, im Mai 1957. Sein Sohn Raimund wurde im Oktober des gleichen Jahres geboren. Zusammengelebt haben die Beiden jedoch vorerst nicht, zunächst beschränkte sich die Ehe auf Wochenendbesuche.

Harte Zeiten

Mit der Übernahme des Hofs von seinen Eltern im Jahr 1959 ist auch seine Gerda nach Oelsen gezogen. Die Tage sind hart. Morgens um fünf Uhr aufstehen, Rinder, Pferde, Schweine, Hühner versorgen, anspannen und dann aufs Feld oder die Wiesen: Mähen, Heu wenden, Ernten. Insbesondere in der warmen Jahreszeit fällt der Feierabend oft in die Zeit der Dämmerung. Lebensmittel wurden noch getauscht und der Familie geht es gut – bis 1960.

Für Kurt Barow beginnt eine schlimme Zeit. Er soll in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG). "Wir haben 1959 unser Roggensoll nicht erfüllt. Da kamen die Funktionäre von der SED und haben die drei letzten Haushalte, die noch nicht in der LPG waren zur Unterschrift gezwungen", erklärt er. Damit sei der Feldbau weg gewesen, später auch die Rinder. Mit der Wende hat die Familie alles zurück bekommen. Die Flächen bewirtschaftet die Familie. Mittlerweile lebt die 6. Generation auf dem Hof.

Kurt Barow bezeichnet die Oelsener als Familie und er ist tief mit dem Ort verwurzelt. Kein Wunder also, dass der Verein "Landleben Oelsetal" sich in Vorbereitung der Feierlichkeiten zur 650-jährigen Ersterwähnung an ihn gewendet hat. Für die Ortschronik, die derzeit erstellt wird, benannte er jedes Haus mit der dazugehörigen Generation.

"Oelsen ist sehr traditionell. Wir spielen zusammen Volleyball und grillen", ergänzt sein Sohn Raimund Barow, der auch Mitglied im Heimatverein ist, genauso wie die Enkel Manuel und André. Auf nahezu allen Höfen leben noch alteingesessene Familien, Junge und Alte. Lediglich fünf Höfe wurden im Lauf der Zeit verkauft. "Die Einwohnerzahl von etwa 100 bleibt stabil, im Gegensatz zu vielen anderen Orten", bekräftigt Manuel Barow.

Spannende Chronik

Obwohl die Ersterwähnung von Oelsen sich bereits 2018 zum 650. Mal jährte, wird wegen damaliger Terminüberschneidungen erst in diesem Jahr, vom 23. bis zum 25. August gefeiert. In diesem Rahmen wird die Oelsener Ortschronik vorgestellt, auch ein Film über das Dorf wird vorbereitet. "Gedreht wurde in der vergangenen Woche. Vielleicht wird noch eine Collage erstellt. Aber wir wollen nicht zu viel verraten. Es soll spannend bleiben", betont Manuel Barow.

Als wandelndes Geschichtslexikon und Zeitzeuge hat der Jubilar Kurt Barow seinen Teil beigetragen. Auf die Frage, was er sich zum Geburtstag wünscht, schüttelt er nur lächelnd den Kopf: "Was soll ich mir denn noch wünschen. Mir fällt nichts ein."

Und das sagt ein Mann, der bis heute arbeitet. Nicht mehr so schnell und ausdauernd wie einst, aber kontinuierlich. Hinzu kommt, dass Barow in seinem langen Leben nur einmal im Urlaub gemacht hat. Nicht freiwillig. Er hat Suhl  besucht und wurde damit für hervorragende Arbeit in der LPG, in die er niemals eintreten wollte, ausgezeichnet: Kapriolen, die das Leben schreibt.

Programm zum Dorffest

Zum Dorfjubiläum von Oelsen, das vom 23. bis 25. August gefeiert wird, haben sich die Organisatoren vom Verein "Landleben Oelsetal" ein buntes Programm ausgedacht. Am Freitag startet das Fest vornehmlich familiär und traditionell. Beispielsweise wird die derzeit noch in Arbeit befindliche Dorfchronik vorgestellt und ein Vortrag zum Thema "Oelsen an der Zollstraße von Frankfurt nach Cottbus" vorbereitet. Auch an einem Film zur Dorfgeschichte wird gearbeitet. Am Samstag ist der haupt-tag der Feier. Spiele am See, Offene Höfe, Kunst und Kultur sind geplant, abends gibt es Tanz. Besonderes Augenmerk gilt der Präsentation traditioneller Handwerkskunst wie Schmied, Stellmacher, Fischer oder Bäcker. Am Sonntag klingt das Dorfjubiläum mit einem Frühschoppen und zünftiger Blasmusik aus. Als Punkt des Zusammentreffens der ansässigen und auswärtigen Oelsener sowie deren Gäste ist ein "Café am Ofen" geplant. Ein Programm mit Zeitablaufplan liegt für die geplanten Aktivitäten noch nicht vor.⇥jök

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