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Morsches herausbohren, Plomben einsetzen, Krone drauf: Wie beim Zahnarzt geht es zu bei der Burgmauersanierung in Friedland.

Denkmalschutz
Burgmauer in Friedland wird saniert

Jörg Kühl / 09.07.2019, 06:30 Uhr
Friedland (MOZ) Bernd Rake setzt einen Feldstein in die Mauerlücke. Anschließend verfugt er das Mauerstück mit einer Mörtelmischung, wie sie zur Bauzeit der mittelalterlichen Burgmauer bereits Verwendung fand: Das Sand-Kalk-Gemisch stellt der erfahrene Maurer eigenhändig her. Bei der Arbeit stößt der Maurer auf viele Stellen, die vor Dekaden unsachgemäß repariert worden waren: Viele der ehemaligen Löcher oder Fehlstellen wurden durch Ziegelscherben gefüllt. Doch diese nehmen Wasser auf und platzen im Winter. Also gilt es, die morschen Stellen rauszuoperieren und durch härteres Material zu ersetzen. Bruchstücke von Granitbrocken, sogenannte Zwickelsteine, ersetzten nun den anfälligen Ziegelbruch und machen so die Burgmauer widerstandfähiger: Detailarbeit mit jeder Menge Know-How, fast erinnert diese Arbeit an den Zahnarzt.

Unger-Bau Guben ist mit der Ausführung dieser Arbeiten beauftragt. Die denkmalgerechte Rekonstruktion des Mauerwerks der inneren Burgmauer ist die Spezialfirma Denkmalpflege Mühlhausen beauftragt. Beide Firmen verfügen über Expertise in der Sanierung historischer Bauwerke. Für die bauhistorische Beratung ist der Restaurator und Bauarchäologe Lukas Böwe engangiert worden. Böwe ist in der Region schon an anderen Objekten tätig gewesen. Dazu zählen das Bürgerhaus Berliner Straße 16 und der Alte Friedhof in Beeskow.

Nötig wurde die umfassende Mauersanierung aufgrund von Schäden, die jahrzehntelang eindringendes Wasser angerichtet hat. Für die Sanierung werden rund 300 000 Euro kalkuliert. Die Maßnahme wird aus dem europäischen Fonds zur Förderung deutsch-polnischer Projekte in der Grenzregion, Interreg, in Höhe von 85 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert.

Eine der größten Herausforderungen ist die Abstützung der Burgmauer zum Amtsgarten hin. Hier hat sich eine deutlich sichtbare Wölbung herausgebildet. Die Mauer könnte, wenn es so weiter geht, an der Westseite abstürzen. Der mit der Koordination beauftragte Planer, der Beeskower Bauingenieur Sven Wiebicke, hat unlängst eine alte Karte entdeckt. Darauf ist womöglich die Lösung vorgezeichnet: Die Karte aus dem 18. Jahrhundert zeigt den Grundriss der Burg und, an der fraglichen Stelle einen weiteren Stützpfeiler. Wiebicke hofft nun, dass die Denkmalbehörden die Karte als Argument für die Errichtung einer zusätzlichen Stütze zulassen. "Das ist derzeit in Abstimmung."

Derzeit sorgen sich die Bauherren um ein ganz handfestes Problem: Es fehlen die Steine, um die Mauerkrone abzudecken. Aus denkmalrechtlichen Gründen kann man nicht einfach Ziegelsteine aus dem Baumarkt kaufen, sondern muss auf Manufakturware zugreifen. Der Lieferant, eine Ziegelei in Nossen, hatte aber eine Brennofen-Havarie. Die Folge: Gut sechs Wochen Lieferverzögerung. "Bisher konnten wir das durch vorbereitende Arbeiten gut abfangen, doch der Handlungsspielraum wird langsam eng", so der Planer. Die Firma habe zugesagt, die Steine bis Ende der Woche zu liefern. "Wir hoffen, am Montag mit den Maurerarbeiten loslegen zu können".

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