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Landleben
Jubiläumsfeier abgesagt

Der Schlosspark ist wegen Sturmschäden in absehbarer Zeit nicht nutzbar. Auch nicht für die Jubiläumsfeier. Riccardo Klein von der Firma Baumschule Willenberg aus Doberburg bei den Aufräumarbeiten. Er muss 35 Bäume aus dem Park entfernen.
Der Schlosspark ist wegen Sturmschäden in absehbarer Zeit nicht nutzbar. Auch nicht für die Jubiläumsfeier. Riccardo Klein von der Firma Baumschule Willenberg aus Doberburg bei den Aufräumarbeiten. Er muss 35 Bäume aus dem Park entfernen. © Foto: Jörn Tornow
Monika Rassek / 17.07.2019, 07:45 Uhr
Groß Rietz (MOZ) Neun Monate Vorbereitungszeit und jetzt ist alles futsch. Am 10. August sollte mit einem großen Fest die erstmalige urkundliche Erwähnung von Groß Rietz vor 625 Jahren gefeiert werden – mit Trödelmarkt, Bands und buntem Programm. Der damalige Ortsvorsteher Jörg Haase setze zu Beginn der Planung auch auf die Mithilfe der großen Vereine So wurde es auf einer Sitzung des Ortsbeirats im Sommer 2018 verkündet. Per Zufall kam nun heraus, dass der Termin abgesagt ist. Eine offizielle Mitteilung gibt es bislang nicht – sollte der Termin stillschweigend verstreichen, obwohl er schon länger als ein Jahr im Kalender steht?

Schlosspark gesperrt

Auf Nachfrage sagte Ortsvorsteher Hartmut Kiesewetter: "Es gab wohl eine interne Zusammenkunft. Und soviel ich weiß, wollten die Vereine das Konzept nicht mittragen. Aber, ich war zu dieser Zeit auch nicht involviert."

Einbezogen aber war der ehemalige Ortsvorsteher Jörg Haase. Jedoch auch er drückt sich sehr vage aus: "Es ist lächerlich. Das Organisationsteam hat so lange gearbeitet und nun fällt das Fest aus. Letztendlich aber haben wir derzeit keinen Veranstaltungsort mehr. Wegen des Sturmschadens kann der Schlosspark nicht genutzt werden."

Auf dem Gelände sind derzeit zahlreiche Arbeitskräfte und schweres Gerät im Einsatz. Es duftet nach nassem Holz und das Schreien von Sägen betäubt die Sinne. Ohne Hörschutz geht nichts. Am Straßenrand  liegen aufgestapelt frisch geschlagene Stämme von erheblichem Umfang. Rot-weiß gestreiftes Absperrband hält Besucher vom Betreten des Geländes ab. Wann die Grünanlage, die zum Barockschloss Groß Rietz gehört, wieder nutzbar sein wird, steht noch nicht fest.

Aufräumarbeiten im Gange

Matthias Bartusch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der am Montag war, sagt: "Mit den Aufräumarbeiten sind wir aus dem gröbsten raus, aber die Sturmschäden, sowohl vom November 2017 und kürzlich waren erheblich. Zahlreiche Bäume sind verloren." Als nächstes muss ein Kontrolleur die verbliebenen Gehölze kontrollieren, denn die Verkehrssicherheit muss bei Publikumsverkehr gegeben sein.Dieser ist laut Bartusch zwar bereits beauftragt, doch es wird dauern. "Ungefähr 200 Bäume sind beurteilen und dann wird sich herausstellen, ob es noch Baumschläge gibt."

Erst wenn all diese Fakten geklärt sind, wird mit den Vorbereitungen zur Nutzung begonnen. Denn auch die Wege müssen wieder hergestellt werden. Durch den Einsatz der schweren Maschinen sind diese in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Termin zur Nutzungsfreigabe konnte noch nicht genannt werden.

Auch die Zukunft des  Barockschlosses an sich ist noch immer ungeklärt. Nach einer aufwendigen Restaurierung die 20 Jahre dauerte und knapp fünf Millionen Euro kostete, stand das Schloss leer. Auch der Barockgarten wurde damals für 800000 Euro wieder hergestellt.

2012 vermietete die Brandenburgische Schlösser GmbH das Objekt schließlich an die Industrie- und Marketinggesellschaft no.nonsense, deren Inhaberin Kathleen Wegenstein ist.

Doch ab Dezember 2015 konnte die Firmenchefin die Miete nicht mehr zahlen. Allein die Heizkosten wurden mit 1000 Euro monatlich beziffert. Die Schlösser GmbH übernahm die Betriebskosten, weil es sich nach deren Angabe um einen vorübergehenden Engpass handelte. Kathleen Wegenstein selber sagte 2016 der Presse gegenüber, dass das mit polizeilichen Ermittlungen zusammen hinge.

Schlossherr gesucht

Es wurde wieder still um das Anwesen. Von den geplanten Ausstellungen und Konzerten sprach keiner mehr. Das Schloss verfiel in einen Dornröschenschlaf. Bis zu dem Tag, als die Brandenburgische Schlösser GmbH mit der Pressemitteilung "Schlossherren mit Leidenschaft für Denkmale" an die Öffentlichkeit ging.

Seither wird es als "Barockes Landschloss in der Mark Brandenburg" für etwas mehr als eine Million Euro über ein Immobilienportal angeboten. Und, inzwischen gibt es auch Interessenten. "Wir sind optimistisch und freuen uns über die überraschende Resonanz. Es gibt angenehme und interessante Gespräche", erklärt Dr. Ursula Schirmer von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Darüber hinaus sei, soweit sie wisse, die Nutzung durch Frau Wegenstein beendet.

Auch hinsichtlich des 625. Jubiläum von Groß Rietz gibt es positive Neuigkeiten. "Wir werden am 11. August einen festlichen Sommergottesdienst abhalten und einen Frühschoppen organisieren", so Pfarrerin Elisabeth Preckel von der Evangelischen Kirchengemeinde Beeskow.

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