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In Storkow plant die Firma Nammo Buck GmbH einen Munitionszerlegebetrieb, die Anwohner sind nicht begeistert.

Erörterungstermin
Landesumweltamt prüft

Joachim Kotzan, Christian Werner, Matthias Bradtke und Rainer Thiel (v. li.) aus Bugk beim Erörterungstermin.
Joachim Kotzan, Christian Werner, Matthias Bradtke und Rainer Thiel (v. li.) aus Bugk beim Erörterungstermin. © Foto: Monika Rassek
Monika Rassek / 14.08.2019, 06:00 Uhr
Storkow (MOZ) Beim Thema Waffen scheiden sich die Geister. Und so argumentierten die Beteiligten im Rahmen des Erörterungsverfahren zum Antrag der Firma Nammo Buck GmbH aus 2018 – zur Errichtung und zum Betrieb einer Munitionszerlegungsanlage in Storkow, Bugker Chaussee 8 – in gegensätzliche Richtungen. Am Dienstag trafen sich alle Beteiligten im großen Saal der Burg Storkow. Das Landesamt für Umwelt (LfU) hatte den Erörterungstermin, indem es um die Einhaltung der Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes geht, angesetzt.

Im Burghof haben sich Anwohner versammelt, um ihre Ablehnung zu zeigen. Doch die Menge ist überschaubar. "Jeder der Arbeiten geht, kann den Termin nicht wahrnehmen", sagt Rainer Thiel, der zum Treffen aufgerufen hatte, ärgerlich. Er macht sich Sorgen um die Sicherheit der Menschen, die in unmittelbarer Nähe wohnen: "Am Standort in Pinnow gab es schon mehrere Unfälle und sogar einen Toten gab es." Mit dieser Angst steht er nicht allein.

Ablehnung überwiegt

Die Stadt Storkow lehnt den Plan der Nammo Buck ebenfalls ab. "Die Stadtverordneten stimmten ohne Ausnahme gegen das Vorhaben und diese Position haben wir mit unserer Stellungnahme zum Ausdruck gebracht", betont  Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig. Aus dem Ortsteil Bugk kam eine kleine Delegation. "Wir sind gegen den Standort. Die Wohnbebauung ist zu dicht an der geplanten Anlage und der nahe Kiefernwald birgt ein zusätzliches Risiko, weil angesichts der lang anhaltenden Trockenheit die Brandgefahr enorm ist", argumentiert Christian Werner.

Die Erörterung selbst beginnt unglücklich: die Redner sprechen zu leise, die Zuhörer bemängeln immer wieder die schlechte Akustik, die Ausführungen des Verhandlungsleiters Bertram Kahlisch (LfU) mit den organisatorischen Hinweisen sowie zum Stand und Ablauf des Genehmigungsverfahrensablauf dauern mit 20 Minuten einfach zu lange. Die Ungeduld wächst.

Erst als Nammo-Geschäftsführer Christoph Rüssel Fakten auf den Tisch legt, wird einigen Anwesenden klar, dass sie schon lange neben einem "Pulverfass" leben. Auch, dass die Nammo Buck GmbH schon länger als 20 Jahre am Standort ein Lager unterhält, wissen längst nicht alle. Rüssel erklärt, dass die Firma keine Munition sprengt oder entschärft, sondern diese nach den gesetzlichen Vorgaben in die einzelnen Bestandteile zerlegt – quasi recycelt – und wieder verkauft. Er versucht mit sachlichen Argumenten die Abwehrhaltung zu entkräften: "Wir entnehmen am Tag lediglich einen ein Kubikmeter Grundwasser und arbeiten abwasserfrei. Unsere Transportfahrer sind in den 20 Jahren unfallfrei durch den Ort gefahren."

Bedenken werden geprüft

Nicht überschaubar blieb für viele Zuhörer bis zum Ende das strenge Reglement des Genehmigungsverfahrens. Wahrscheinlich blieben deshalb nur vereinzelte bis zum Ende gegen 14.30 Uhr. Dennoch konnten noch einige strittige Punkte als Prüfauftrag mitgegeben werden. "Aufgenommen haben wir, ob die Beteiligung der Bundeswehr am Verfahren notwendig ist, den Brandschutz und die Standortfrage bezüglich des Landschaftsschutzgebietes", sagt Verhandlungsleiter Bertram Kahlisch. Diese Fragen sind nun vor einer endgültigen Entscheidung zu prüfen.

Zur Firma

Gesellschafter der Nammo Croup, zu der die Nammo Buck GmbH gehört, sind die norwegische Regierung und die finnische Verteidigungs- und Luftfahrtgruppe Patria Oyj (je zu 50 Prozent). Seit 1999 betreibt das international arbeitende Unternehmen in Storkow ein Lager, dessen Eigentümer es seit 2004 ist. Die  in Storkow beheimatete Firma zerlegt Raketen, Raketenmunition, Minen, Handgranaten, Zünder und pyrotechnische Materialien in ihre einzelnen Bestandteile und führt sie dem Recycling zu.⇥mor

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