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Sawaller Spree-Altarm wird entschlammt, Schwielochsee soll profitieren.

Wasserqualität
Ein Chance für klares Wasser im Schwielochsee

Michael Heider / 08.11.2019, 06:00 Uhr
Trebatsch (MOZ) Auf dem Gelände der Agrargesellschaft Trebatsch-Mittweide türmen sich meterhoch Unmengen trockenen Schlamms. Baggerführer Nico Lang hat einiges zu tun. Schaufel um Schaufel trägt er die dunkelbraune Masse aus dem Zwischenlager ab und füllt die Kippanhänger der bereitstehenden Lkw.

Der Schlamm lag bis vor ein paar Monaten noch unter Wasser, auf dem Grund des Sawaller Spree-Altarms. Seit Juli wird dieser auf einem Teilstück entschlammt. "Auch wenn es nur ein relativ kleiner Bereich von 300 Metern ist, das sind schon Welten", findet Lothar Kirmes, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes "Mittlere Spree", der Träger des Vorhabens ist. Er meint die Mengen abgetragener Nährstoffe. Auf 1000 Kubikmeter Gewässerboden würden dabei 4,3 Tonnen Stickstoff und 2,3 Tonnen Phosphor kommen, gibt er zu verstehen. In Verbindung mit hohen Wassertemperaturen im Sommer fördert derart nährstoffreicher Boden das Blaualgenwachstum, welche, anders als es ihr Name vielleicht vermuten lässt, das Wasser grünlich färben. Doch was gut für die Blaualge sein mag, das ist schlecht für die Wasserqualität des anliegenden Schwielochsees.

"Was können wir kurzfristig machen, damit es mit der Wasserqualität vorangeht?" Diese Frage wurde immer akuter, erinnert sich Kirmes. Ein Nährstoffreduzierungskonzept des Landesamtes für Umwelt aus dem Jahr 2011 zeigte mögliche Maßnahmen auf. Auch eine Verlegung des Spreezuflusses über den Altarm bei Trebatsch wurde da bereits diskutiert. Ziel einer solchen Maßnahme ist eine bessere Belüftung des nördlichen Teils von Brandenburgs flächenmäßig größten natürlichen See. Kirmes selbst drängte ebenfalls dazu. "Hier muss angefangen werden", sagt er überzeugt. Letztes Jahr schließlich wurden die erforderlichen Unterhaltungsmittel vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft bereitgestellt. Im Frühjahr 2019 konnten die Arbeiten beginnen.

Da der Schlamm nicht direkt entsorgt werden konnte, musste ein Zwischenlager zur Trocknung gefunden werden. Ohne die konstruktive Mitwirkung der Agrargesellschaft Trebatsch, welche ihre Betriebsflächen hierfür zur Verfügung stellte, wäre die Umsetzung wohl nicht so schnell zustande gekommen, betont Lothar Kirmes. Denn auf dem Weg zur Zwischenlagerung mussten zunächst zwei sogenannte Spülbecken von 65 mal 45 Meter errichtet werden. Über flexible Leitungen pumpte ein Spülboot dann den Schlamm vom Boden des Altarms in die Ablagerungsbecken. Den heißen Sommer über konnte das enthaltene Wasser dann verdunsten bzw. versickern. Sobald die Masse trocken genug war, konnte sie im Zwischenlager aufgeschüttet werden, von wo aus sie nun auf ein Mülldeponie abtransportiert wird.

Eine landwirtschaftliche Nutzung der nährstoffreichen Erde sei nicht erlaubt. Der Verbandsgeschäftsführer verweist auf den zu hohen Sulfatanteil. Auch die über Jahrzehnte angesammelte tote organische Masse, etwa durch Schilf oder abgestorbene Bäume, verbiete einen solchen Einsatz.

Vorhaben wird fortgeführt

Mit dem heutigen Abtransport ist es allerdings noch nicht ganz getan. In den beiden Spülbecken warten bereits die nächsten Schlammberge auf Trocknung. Witterungsbedingt muss über den Winter also pausiert werden. "Erst im Frühjahr", so Kirmes, "werde wieder begonnen." Nächstes Jahr soll die Entschlammung dann abgeschlossen werden. Auch die beiden Spülbecken werden danach vollständig wieder abgetragen. "Es ist ein kleiner Beitrag. Aber ein wichtiger." Der Schwielochsee werde davon profitieren, denn das Wasser, welches die Spree hineinträgt, sei dann von "weitaus besserer Qualität." Nach Abschluss des Vorhabens wird auch durch den Sawaller Altarm wieder mehr von diesem Wasser in den See fließen. "Wasserqualität heißt nicht: übermorgen habe ich klares Wasser", so die nüchterne Einschätzung von Kirmes. Er fügt aber an: "Die Natur muss Chancen haben, die Qualität wieder zurückzuholen." Mit Blick auf den Altarm könne das aber noch zwei, drei Jahre dauern, so seine Einschätzung.

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