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Ehrenamt
Beeskowerin im Einsatz für syrische Geflüchtete

Die Beeskower Rentnerin Sabine Piesker vor dem Hüfnerhaus. Die überzeugte Ehrenamtlerin setzt sich als Patin für eine geflüchtete Familie aus Syrien ein.
Die Beeskower Rentnerin Sabine Piesker vor dem Hüfnerhaus. Die überzeugte Ehrenamtlerin setzt sich als Patin für eine geflüchtete Familie aus Syrien ein. © Foto: Jörg Kühl
Jörg Kühl / 02.12.2019, 22:00 Uhr
Beeskow (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig. Alle haben etwas zu erzählen. Das Spree-Journal stellt in einer Serie Gesichter aus der Region vor. Heute: Sabine Piesker aus Beeskow.

Eines war von Anfang an klar: Zuhause rumsitzen kommt für Sabine Piesker nicht in Frage. Gemeint ist die Zeit nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben. 41 Jahre lang hatte die studierte Holztechnikerin im Beeskower Spanplattenwerk als Technologin und Qualitätsmanagerin gearbeitet. Nach dem Renteneintritt Ende August dieses Jahres wollte sie nicht "ins Nichts" fallen, wie sie sagt.  "Ich habe lange gesucht, um eine Tätigkeit für die Zeit nach dem Berufsleben zu finden." Durch einen Artikel in der MOZ wird sie auf die Ehrenamtszentrale im Hüfnerhaus in Beeskow aufmerksam.  Dort wird sie mit offenen Armen empfangen. Ob sie nicht Patin einer Flüchtlingsfamilie aus Syrien werden wolle.

Sabine Piesker ist sofort interessiert an der Aufgabe. "Es ging zunächst um Deutsch als Verkehrssprache, also Basiskenntnisse zum Einkaufen, für Arztbesuche und um im Alltag zurechtzukommen." Eine willkommene Herausforderung für die Neu-Ruheständlerin. Der Kontakt mit der arabischen Familie fasziniert die Beeskowerin. Es sind die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die sie besonders beeindrucken. Sabine Piesker findet, nur durch gegenseitiges Kennenlernen könne man vorhandene Ängste abbauen. Ebenso wichtig ist für Sabine Piesker die Integration der Menschen, die vor Bürgerkrieg und anderen Gefahren nach Deutschland geflüchtet sind. Daher ist die ehrenamtliche Patin sehr erleichtert, dass der Syrer, der in seiner Heimat als Bäcker gearbeitet hatte, hier eine Lehrstelle als Bäcker angeboten bekam. Zur Zeit absolviert er eine Lehre bei Bäckerei Schulze in Tauche. Und daran hat die Patin aus Beeskow ihren Anteil: "Ich fuhr mit ihm zur Handwerkskammer nach Frankfurt." Der junge Mann sei sehr dankbar für die Vermittlung. "Er will unbedingt arbeiten, selbstständig leben." Mit Arbeit gebe man den Geflüchteten ein Stück Würde zurück, ist Sabine Piesker überzeugt.

Vor knapp zwei Jahren konnte die Ehefrau des Syrers nach Beeskow nachreisen. Sie spricht noch nicht so gut Deutsch, dafür aber, als studierte IT-Fachfrau, gut Englisch. Auch sie sehne sich danach, ihre beruflichen Kenntnisse zur Anwendung zu bringen. Doch  noch müssen diese Pläne warten, denn die jungen Syrer sind frisch Eltern geworden. Subhi Mohamed ist knapp ein Jahr alt. "Für den Jungen bin ich ein wenig wie die Ersatzomi", findet die Patin der Familie, die inzwischen zu einer echten Freundin geworden ist.

Plädoyer für das Ehrenamt

Sie könne jedem Menschen nur empfehlen, sich für eine erfüllende Sache zu engagieren. "Für mich ist es absolut gegenseitig, es kommt ja so viel zurück!" Niemand müsse im Ruhestand vereinsamen. "Ich hatte ein Leben lang mit technologischen Fragen zu tun. Jetzt ist eine zusätzliche menschliche Komponente hinzugestoßen."

Sieben Fragen an Sabine Piesker

Wer hat Sie am meisten beeinflusst, geprägt?Eine konkrete Person kann ich nicht nennen, aber mich haben schon immer starke Frauen fasziniert, die in der Welt ihren "Mann" standen und stehen.

Was würden Sie als Erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeisterin Ihres Ortes wären?Ich würde überlegen, ob man nicht mehr gegen den Klimawandel tun könnte. Zum Beispiel würde ich das Einbahnstraßenkonzept in Beeskow überdenken, bei dem für kurze Entfernungen sehr oft lange Fahrwege und damit viele CO2 Emissionen entstehen.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?Frieden für alle und konkret in Deutschland Politiker, die für das Volk da sind und sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen.

Möchten Sie noch einmal 17 sein?Nein.

Träumen Sie gern?Ja. Ohne Träume keine Veränderungen.

Was hält Sie hier? Würden Sie woanders hinziehen?Meine Familie, meine Freunde, meine (ehemaligen) Kollegen sind für mich ein Halt. Wann immer ich in der Welt unterwegs war, habe ich festgestellt, dass man schnell vergisst,  wie schön es doch zu Hause in  Deutschland und speziell in Beeskow ist.

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