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Corona-Virus
Stadt Beeskow stoppt Feste, Gesundheitsamt braucht Personal

Wegen des Coronavirus werden immer mehr Feste abgesagt. Zeitgleich werden händeringend Ärzte gesucht. (Symbolbild)
Wegen des Coronavirus werden immer mehr Feste abgesagt. Zeitgleich werden händeringend Ärzte gesucht. (Symbolbild) © Foto: Alessandro Crinari/dpa
Monika Rassek, Peggy Lohse, Bernhard Schwiete / 16.03.2020, 19:00 Uhr - Aktualisiert 16.03.2020, 20:32
Beeskow (MOZ) Wegen der Corona-Pandemie tagte am Montag in der Stadt Beeskow unter Leitung von Bürgermeister Frank Steffen der Stab außergewöhnliche Ereignisse (SAE). Das Ergebnis: viel Ausfall.

Alle städtischen Einrichtungen bleiben bis einschließlich 19. April für den Besucherverkehr geschlossen. Beliebte Großveranstaltungen müssen ausfallen: Hollefest, Walpurgisnacht, Maifest, Frühlingsmarkt mit Beeskow radelt an, Stadtfest und Altstadtlauf. Die Fahrten des Bäderbusses sind abgesagt. Ebenso entfällt der Ehrenamtstag "Beeskow packt an". Die Stadtverwaltung bleibt für Bürger mit dringenden Angelegenheiten geöffnet. Auch der Landkreis schränkt den Besucherverkehr ein.

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Menschenströme lenken

Im Krankenhaus Oder-Spree gilt es bezüglich der Corona-Pandemie, die Patientenströme zu lenken und den Überblick zu behalten, informiert Geschäftsführer Michael Rochow. "Wer durch den Haupteingang ins Krankenhaus  kommt, dem stellen wir die Kernfragen, wie nach Fieber, Kontakt zu infizierten Personen oder dem Aufenthalt in Risikogebieten", so Rochow.

Gibt es Hinweise für eine Infektion, geht es für den Patienten in einen separaten Bereich. Dann sei zu entscheiden, ob ein Abstrich gemacht wird und wie bis zum Ergebnis zu Verfahren ist, "also ob der Patient zu Hause bleiben kann oder die Symptome so schwer sind, dass er in den Isolationsbereich kommt." Aber: "Routineabstriche führen wir nicht durch", betont Rochow. "Wir halten Intensivkapazitäten frei und haben geplante Operationen noch nicht abgesagt." Das könne sich aber noch ändern.

Besuche eingeschränkt

Das Helios-Klinikum in Bad Saarow erlaubt Besuche bei Patienten unter 16 Jahren und bei Schwerstkranken nur noch eingeschränkt: einmal am Tag für eine Stunde von einer Person, so die neue Regelung, die am Montag in Kraft trat. Menschen mit Erkältungssymptomen haben bereits seit vergangener Woche grundsätzlich keinen Zutritt mehr in die Gebäude.

Beim Gesundheitsamt des Landkreises fand derweil am Montagmorgen eine Strategiesitzung statt, um die Arbeitsprozesse für die sich vervielfachenden Anfragezahlen zu verbessern. Im Anschluss erklärte Amtsleiter Dr. Ricardo Saldaña-Handreck, ihre Zahl habe sich seit vergangener Woche mindestens verdreifacht. "Die Hotline kocht über", so Saldaña-Handreck. Pro Stunde nehme jeder der rund ein Dutzend Hotline-Mitarbeiter 20 bis 25 Anrufe entgegen. "Kein einziges Telefon hier steht still", betont der Amtsleiter. Dabei dauere ein Anruf mindestens fünf bis sieben Minuten. Bei jeder Anfrage – ob von Hausarzt, Krankenhaus oder Privatperson – müsse immer abgefragt werden: Aufenthalt in Risiko-Gebiet, enger Kontakt zu bestätigtem Fall und Symptome. Bei Verdacht würden Kontaktpersonen kontaktiert und befragt. Ein Netz, das mit der Zunahme der Fälle immer weiter reicht. Reinste Detektivarbeit sei das, so Saldaña-Handreck.

Von Kontaktpersonen bestätigter Fälle spreche man, so betont der Mediziner, wenn es sich um direkten und engen Kontakt handelte: "15 Minuten von Angesicht zu Angesicht." Auf wen alle Kriterien zutreffen, der kann bei seinem Hausarzt einen Abstrich machen lassen. Das Gesundheitsamt führt selbst keine Tests durch.

Knappe Ressourcen

Mit der gegenwärtigen personellen Ausstattung sei es schwierig, auf jede Anfrage eine adäquate, umfassende Auskunft zu geben. Zwei Ärzte kümmerten sich im Haus ausschließlich um Covid-19. Für die Hotline würden immer mehr Mitarbeiter zusätzlich geschult. "Aber das kostet Zeit und Personal", sorgt sich der Amtsleiter. Sein Haus müsse gegenwärtig stark Prioritäten setzen: Routine-Untersuchungen sowie Verbeamtung seien hintangestellt.

"Wir geben unser Bestes", betont Saldaña-Handreck. Auch er selbst rotiere täglich bis spät in die Nacht hinein. Die Leute erwarteten fachspezifische Antworten, die Gesundheitsämter seien gerade jetzt sehr wichtig. Gleichzeitig bearbeiteten sie ja auch noch andere wichtige Themen wie Grippe-Fälle oder auch Tuberkulose. Saldaña-Handreck appelliert: "Aber das Gesundheitsamt ist ja das kleinste Rad am Wagen. Wir brauchen mehr Fachpersonal, mehr Ärzte."

Info-Hotline zu Covid-19:03366 35-2002

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