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Corona-Krise
Beeskow lebt noch

Ingo Würke von der Elektrofirma Dorn und Sohn aus Friedland verlegt Telefon-, Fernseh- und Elektrokabel an der Fassade eines Versicherungsgeschäftes in Beeskow.
Ingo Würke von der Elektrofirma Dorn und Sohn aus Friedland verlegt Telefon-, Fernseh- und Elektrokabel an der Fassade eines Versicherungsgeschäftes in Beeskow. © Foto: Jörn Tornow
Olaf Gardt / 24.03.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 09:49
Beeskow (MOZ) Die Handwerker arbeiten noch. In der Berliner Straße wird gerade eine Hausfassade erneuert. Die weißen Transporter der Installateure, Maler, Fliesenleger und Tischler rollen durch die Stadt. Eine Baufirma lässt frischen Beton anfahren, in der Weststraße kreischt ein Trennschleifer, ein Tor wird repariert.

Bauer Klaus und Elias Ehrenreich präsentieren vor ihren Geschäften frisches Obst und Gemüse. Kohlrabi und Flugananas gehören zum Angebot, Erdbeeren und Süßkartoffeln. Die Fleischer haben geöffnet. Gehacktes mit Knoblauch und Koteletts wird verkauft. Und wie immer bieten die Fürstenberger und schräg gegenüber Axel Wusterhausen Mittagstisch an. Aber es sind weniger Kunden als sonst, die Gulasch und Soljanka holen. Wer bestellt, muss sein Essen mitnehmen. Auch asiatisch kann man in Beeskow noch speisen. Die Apotheken sind offen und die Optiker. Letztere allerdings eingeschränkt. Auf A4-Zetteln in den Eingangstüren hängen die neuen Öffnungszeiten. Vier, fünf Stunden am Tag, es ist mehr ein Notdienst.

Die Auswirkungen von Corona auf Berlin und Brandenburg

Die anderen Geschäfte sind zu. Zumindest hat man den Eindruck. Es sind doch nur wenig Menschen unterwegs. Wer vorbeiläuft, läuft allein. Ein Vater hat seinen Sohn im Schlepptau. Bürgermeister Frank Steffen bestätigt: "Unser Eindruck ist, dass sich die Beeskower an die Festlegungen halten. Die Ordnungsamtsmitarbeiter kontrollieren das. Wir sehen derzeit keine Schwierigkeiten." Nur die Flatterbänder an den Spielplätzen würden immer wieder mal durchgeschnitten. Mehr nicht.

Wenn man genauer in die Geschäfte guckt, sieht man, dass sich doch noch einiges tut. Die Sanitätshäuser sind offen und haben auch hin und wieder einen Kunden, die Sparkasse kann man von der Bodelschwinghstraße aus betreten. Wer seine Geldgeschäfte erledigt hat, geht zum Haupttor raus. Dienstag und Donnerstag, an den langen Tagen, wird um 16 Uhr zugemacht. Auch andere Türen lassen sich öffnen. Die Fahrradgeschäfte dürfen weiter Reparaturen und Dienstleistungen anbieten, gleiches gilt für Elektro-Meng und Foto-Fischbach, für die Post und den Mini-Zoo. Auf die Dienstleistungen wird oft mit gesonderten Aushängen hingewiesen. Selbst in den geschlossenen Geschäften sind die Inhaber oft vor Ort. Man kann bei vielen weiter einkaufen. Per Telefon, über Whatsapp, per Mail. Die Ware wird geliefert. Es entstehen schnell eingerichtete Alternativen zum professionellen Onlineshop.

An den Türen zu den Versicherungsbüros und Anwaltskanzleien hängen Zettel mit Telefonnummern. Man hilft den Kunden und Klienten, aber bitte möglichst ohne persönliche Begegnung. Oft gibt es noch einen Hinweis für Lieferanten, die Pakete  an die Privatadresse der Geschäftsinhaber liefern sollen oder zu einem Nachbarn, der noch öffnen darf.

Denken an Übermorgen

Wie wird es nach Corona mit den Beeskower Läden und Büros weiter gehen? "Einige Geschäftsleute haben mir schon gesagt, dass sie nächsten Monat an ihre Altersversorgung rangehen müssen", sagt Bürgermeister Steffen. Er schätzt, dass die bislang von Bund und Land zugesagte Hilfe zwar gut ist, aber nicht ausreiche. Über den Städte- und Gemeindebund will Frank Steffen die Sorgen des Mittelstands in die Landespolitik transportieren. Er fordert deshalb Händler und Dienstleister auf, ihre Probleme im Rathaus zu schildern. Gern auch per Mail. Denn auch das Rathaus soll nur betreten werden, wenn es unbedingt nötig ist. Um im Fall einer Corona-Infektion oder notwendigen Quarantäne arbeitsfähig zu bleiben, ist jetzt immer ein Mitglied des Leitungsteams im Homeoffice. In dieser Woche Kämmerer Steffen Schulze, nächste Woche folgt Kerstin Bartelt. Dann der Bürgermeister selbst. 95 Prozent seiner Aufgaben könne er weiter erledigen, so Frank Steffen. Iphone und ipad seien jetzt eh die wichtigsten Arbeitsmittel. Immerhin die Digitalisierung in den Verwaltungen, da ist er sich sicher, werde die Corona-Krise garantiert vorantreiben.

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