Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Corona-Pandemie
Familie des Circus Sensationell in Groß Muckrow gestrandet

Seit zehn Tage stehen sie schon ohne Auftritte in Groß Muckrow: Marcello, Kathy und Virginia Renz sowie Marco Schickler (v. l.) vom Circus Sensationell
Seit zehn Tage stehen sie schon ohne Auftritte in Groß Muckrow: Marcello, Kathy und Virginia Renz sowie Marco Schickler (v. l.) vom Circus Sensationell © Foto: Jörn Tornow
Peggy Lohse / 25.03.2020, 10:06 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 12:33
Groß Muckow (MOZ) Wer kein festes Zuhause hat, kann schwerlich zuhause bleiben. Auch wenn es die Verfügungen zur Eindämmung des Coronavirus so wollen. Der "Circus Sensationell" der Zirkusfamilie Renz ist so ein Fall. Seit mittlerweile zehn Tagen stehen sie in Groß Muckrow bei Friedland. Und können nicht weiter. Spektakel sind untersagt, Gastspiele abgesagt. "Wir können jetzt gar nicht arbeiten", sagt Virginia Renz bedrückt. "Wir haben ja auch keine Auftritte."

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Coronablog.

Letztes Jahr tourte der kleine Familienzirkus mit Zelt, Tieren und Wagen noch durch Niedersachsen und Wittenberg. Seit August sind sie in Brandenburg, in Groß Muckrow stehen sie jetzt seit zehn Tagen. "Am Wochenende sollten wir eigentlich in Neuzelle auftreten", so Renz, "danach in Markgrafpieske." Gerade jetzt in den Frühlingsmonaten beschere die Corona-Krise dem Zirkus die größten Verluste. "Wir spielen im Jahr neun Monate, von März bis November", erklärt Renz. "Im März und April sind die Besucherzahlen aber normalerweise besonders hoch, denn im Sommer wird es dann oft zu heiß im Zelt."

So steht die Familie nun vor einer echten finanziellen Herausforderung: "Unsere letzten Ersparnisse haben wir jüngst für die Reparatur eines Lkw ausgegeben, um gerade jetzt wieder richtig lostouren zu können", sagt Renz. Jetzt haben wir praktisch nur das Kindergeld zum Leben.

Unterstützung vor Ort

Umso dankbarer ist die Familie für die unbürokratische Unterstützung, die sie in Groß Muckrow erfährt. "Anwohner bringen uns Geld-, Essens- und Futterspenden auch für die Tiere", sagt sie. Und auch Ortsvorsteher Maik Koschak und Friedlands Bürgermeister Thomas Hähle unterstützen die Gestrandeten, so weit sie können.

Der Aufenthalt des Zirkus’ widerspreche zwar einigen Regeln, beispielsweise, dass man sich nicht auf öffentlichen Plätzen und in Gemeindezentren aufhalten solle. Und das nutze die Familie Renz auch. Dennoch soll der "Circus Sensationell" bis zur Aufhebung der Corona-Beschränkungen in Groß Muckrow bleiben können. Solange Veterinär- oder Ordnungsamt nichts Gegenteiliges verlauten ließen. "Gerade in Zeiten wie diesen müssen wir doch alle noch ein bisschen sozialer miteinander umgehen", meint Hähle.

Lesen Sie mehr zur Corona-Krise:

Mehr Hilfsangebote als Nachfrage aus Corona-Risikogruppen

Infektionszahlen in Oder-Spree leicht gestiegen

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Maik Koschack 25.03.2020 - 14:15:53

Hintergründe schlecht beleuchtet

Als Ortsvorsteher von Groß Muckrow, bin ich über die Auslegung des Sachverhaltes sehr überrascht. Vor bereits einer Woche wandte ich mich an ihre Zeitung und wies sie daraufhin, dass der Zirkus in unserem Ort hängen geblieben ist und es Probleme gibt, weil dieser vom Ordnungsamt der Stadt Friedland mit Unterstützung des Bürgermeisters vertrieben werden soll. Appelle an Vernunft und Menschlichkeit scheiterten bis dato. Nur weil der durch die Einwohner des Dorfes ausgeübte öffentliche Druck immer größer wurde und sich in der Konsequenz das Fernsehen ankündigte, änderte der Bürgermeister am letzten Montag seine Meinung. Bis dahin war er noch bestrebt, diese Leute müssten unbedingt weg aus dem Stadtgebiet, statt eine Fürsorgepflicht zu übernehmen - eine soziale Einstellung sieht anders aus. Die MOZ unterstützte in dieser Zeit nicht. Erst nachdem der RBB vor Ort war, bekam das Friedländer Stadtoberhaupt kalte Füße und wandte sich ebenfalls an die Zeitung. Er diktierte diesen Artikel, Recherchen über Hintergründe und Wahrheitsgehalt haben nicht stattgefunden. Ich hätte erwartet, dass man hier noch einmal mit mir Rücksprache hält. Herr Hähle ist nicht der große "Retter" des Zirkus, sondern die Einwohner von Groß Muckrow, die sich kümmern und dafür eingesetzt haben, dass diese Familie nicht ins Ungewisse muss. Ebenso stimmt es nicht, dass die Familie das Gemeindezentrum nutzt. Zu diesem haben sie keinen Zutritt. Sie stehen mit ihren Wohnwagen auf dem Trainingsplatz neben dem Sportplatz und ich bin sicher, dass sie diesen, sobald sie die Möglichkeit haben wieder Vorstellungen zu geben und weiterzuziehen können ordentlich verlassen. Lediglich Strom erhalten sie vom Anschluss der Kommune, ob diese schlussendlich auch die Kosten dafür übernimmt, ist noch nicht einmal bestätigt. Ich bin sehr enttäuscht über die sehr einseitige Berichterstattung und das Verschweigen der wirklichen Probleme.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG