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Corona-Pandemie
Irrlandia in Storkow und Rodelbahn in Petersdorf kämpfen für Öffnung

Bernhard Schwiete / 22.05.2020, 16:47 Uhr - Aktualisiert 22.05.2020, 17:17
Storkow (MOZ) Auch am Freitag ist Matthias Beier immer noch emotionsgeladen. "Es ist einfach lächerlich", sagt der Gesschäftsführer des Vereins Lollypop, der das Irrlandia in Storkow betreibt. Den Tag über seien immer wieder Gäste vor dem Eingang des Mitmachparkes erschienen, die unverrichteter Dinge wieder kehrt machen mussten. Auch die Polizei sei vor Ort gewesen, um zu kontrollieren, ob die Tore des Irrlandia tatsächlich geschlossen sind. Tags zuvor war der stellvertretende Landrat Sascha Gehm persönlich erschienen, um noch einmal die Entscheidung der Kreisverwaltung zu verkünden: Wegen der geltenden Eindämmungsverordnung zur Corona-Pandemie muss die Anlage geschlossen bleiben.

Schriftlich mitgeteilt worden war Beier dies am Mittwoch um 16.20 Uhr, wie aus einem Schriftverkehr hervorgeht, der der MOZ vorliegt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Irrlandia für den Eröffnungstag online bereits rund 400 Eintrittskarten verkauft. Für Freitag seien es 210 gewesen, für das Wochenende knapp 150, berichtet Beiers Frau Evelin, die Vorsitzende des Lollypop-Vereins. Nun seien außerdem 14 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Gehm sagte am Freitag auf Nachfrage, das Irrlandia sei gemäß seiner Konzeption als Freizeitpark einzustufen und daher laut Eindämmungsverordnung zu schließen. Zudem sei das von der Einrichtung vorgelegte Hygienekonzept "rudimentär". Es umfasse lediglich eine Din-A-4-Seite. Die dortigen "groben Beschreibungen" seien nicht ausreichend. Dazu, wie die Einhaltung von Abständen kontrolliert werden solle, würden keine Aussagen gemacht. Wenn in diesem Punkt nachgebessert werde, könne man über eine Öffnung nachdenken.

Matthias Beier fühlt sich zu Unrecht kritisiert. Nach wie vor beschäftigt er sich mit der Definitionsfrage, war für eine Art Einrichtung das Irrlandia ist. "Wir sind ein öffentlicher Spielplatz, auch wenn wir Eintritt nehmen." Wie andere Spielplätze auch müsse das Irrlandia daher öffnen dürfen; auch auf anderen Spielplätzen könne niemand eine stetige Kontrolle der Abstandsvorschriften gewährleisten. "An einer Präzisierung unseres Hygienekonzeptes arbeiten wir mit Hochdruck", sagt er. Auch in diesem Punkt kritisiert er die Kreisverwaltung. Man habe bereits vor längerer Zeit um Beratung gebeten. Es sei aber niemand nach Storkow gekommen, um sich zu informieren oder Hinweise zu geben. Er habe bereits Kontakt zu einem Anwalt aufgenommen.

Sein Vorbild bei diesem Vorgehen ist der Betreiber der Rodelbahn Scharmützelbob in Petersdorf bei Bad Saarow. Auch für diese Anlage hatte der Landkreis die Schließung verfügt, wie Gehm bestätigte. Am Freitag war trotzdem geöffnet; Hintergrund ist ein juristisches Hickhack. Rodelbahn-Betreiber Fred Walter wollte sich dazu nicht weiter äußern. "So, wie wir den Betrieb hier steuern, sehe ich keine Gefahr für die Gesundheit unserer Gäste und Mitarbeiter", sagte er. Am Freitagnachmittag hätten sich etwa 20 bis 30 Besucher auf der Anlage aufgehalten. Der Amtsdirektor des Amtes Scharmützelsee, Christian Riecke, sagte, bis Mittwochnachmittag, vor dem Feiertag, sei in der Verwaltung nichts eingegangen, wonach das Ordnungsamt eine Schließung der Bahn durchzusetzen habe.

Freizeitpark verlängert Zeiten

Wieder anders ist die Lage beim Freizeitpark Wendisch Rietz. Er darf öffnen, obwohl der den Begriff "Freizeitpark" sogar im Namen trägt. "Die Einrichtung ähnelt eher einem Tierpark. Wir gehen da nicht streng nach der Bezeichnung", sagte Gehm. Außerdem sei ein angemessenes Hygienekonzept vorgelegt worden, und die Besucherzahl bewege sich in ganz anderen Dimensionen als beim Irrlandia. Seit Donnerstag hat der Freizeitpark seine Öffnungszeiten noch einmal erweitert. Ein Besuch ist nun täglich von 10 bis 18 Uhr möglich. Der Kiosk ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Nicht in Betrieb ist die Minigolf-Anlage.

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