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Bedrohte Tierart
Den Geheimnissen der Aale vom Rähdensee bei Groß Muckrow auf der Spur

Cindy Teichert / 26.06.2020, 04:00 Uhr
Groß Muckrow (MOZ) Idyllisch gelegen am Tor zum Schlaubetal liegt der Rähdensee mit seiner schützenswerten Fauna und Flora. Seltene Pflanzen finden sich im Uferbereich und im See leben zahlreiche Fischarten, darunter junge Aale.

Doch wie kommen die schlangenartigen Tiere dorthin, wo doch der See seit Jahren keinen natürlichen Zu- und Abfluss mehr besitzt? Ihr Weg nach Groß Muckrow führte über das Institut für Binnenfischerei e.V. in Potsdam-Sacrow. Bereits seit 2005 arbeitet der Angelsportverein Groß Muckrow mit Dr. Janek Simon und seinen Kollegen zusammen, um den Geheimnissen des Aales auf die Spur zu kommen. "Es war gar nicht so einfach für unsere Forschungszwecke abgeschlossene Modellgewässer in Brandenburg zu finden, aus denen die Aale nicht abwandern können", erzählt der Wissenschaftler. Und so war es ein Glücksfall, auf den Rähdensee und bei den dortigen Anglern auf die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu stoßen.

Im ersten Projekt wurden von 2005 bis 2014 die Überlebenschancen von Farm- und Glasaalen verglichen. Frisch geschlüpfte Glasaale wiegen etwa ein viertel Gramm, sind durchsichtig und etwa sieben Zentimeter lang. Dagegen sehen die 20 Zentimeter langen Farmaale mit ihren zehn Gramm immerhin schon aus, wie ein Aal – und waren bislang die Favoriten beim Besatz.

Eine Studie belegt inzwischen, dass beide Aal-Besatzarten vergleichbare Überlebenschancen aufweisen. Die Theorie, dass es bei vorgezüchteten Farmaalen kürzere Abwachszeiten und weniger Verluste gebe, wurde widerlegt. Glasaale scheinen sich ihrer neuen Umgebung deutlich schneller anzupassen, als die vom Trockenfutter verwöhnten "großen Brüder" aus der Anzuchtstation. Grundsätzlich wachsen die Fische im Groß Muckrower See aber eher langsam. "Das liegt daran, dass der klare Waldsee mit seinem schmalen Schilfgürtel eher nährstoffarm und das Nahrungsangebot nicht so ausgeprägt ist, wie in nährstoffreicheren Gewässern", erklärt Dr. Simon.

Im Nachfolgeprojekt wird nun die Besatzzeit mit Glasaalen unterschiedlicher Herkunft getestet. "Das Ziel ist es eine bessere Besatzstrategie für den Aal zu entwickeln und mit dem eingesetzten Geld möglichst viele Aale zu besetzen," so der Forscher. Die ersten Aallarven, die aus der etwa 6 000 Kilometer entfernten Sargassosee, einem Meeresgebiet im Atlantik östlich von Florida, nach Europa gelangen und sich dort in Glasaale verwandeln, stranden am Anfang jeden Jahres an der französischen Atlantikküste.

Optimale Besatzzeit in unseren Breitengraden ist aber das Frühjahr. So wurden diese Glasaale aus England bezogen. Denn dort kommen sie erst zwischen März bis April an. Allerdings sind sie aufgrund der zu dieser Jahreszeit enormen Nachfrage schwieriger zu beschaffen und entsprechend teurer. In Groß Muckrow wagte man 2017 den Versuch, Glasaale aus Frankreich einzusetzen.

"Kurz nach der Eisschmelze ließen wir die Fische ins ein Grad kalte Wasser und sie waren sehr agil", erinnert sich Simon. Die mit einem Farbpunkt markierten Tiere werden nun während regelmäßiger Bestandskontrollen begutachtet. Auch kürzlich "durchkämmten" Janek Simon und Mariusz Hennicke unter den neugierigen Blicken einiger Badegäste mit einem Elektrofischfanggerät den Rähdensee, um die Aale aus verschiedenen Besatzzeitpunkten abzufischen. In einem Bad aus Nelkenöl wurden die Jungfische kurz betäubt, um sie zu messen und zu wiegen. In einem Trog voll Seewasser wachten sie schnell wieder auf und wurden in den See entlassen.

Kooperation mit Angelverein

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes – gefördert vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz, sowie vom Europäischen Fischereifonds – sind entscheidend für den Fortbestand des europäischen Aales, da auch überlegte Besatzstrategien zur Rettung beitragen können. Eingriffe in die Natur durch den Menschen, wie das Verbauen von Flüssen stellen unüberwindbare Hindernisse für den Aal dar, so das er vom Aussterben bedroht ist.

Aber auch der Angelsportverein profitiert von der Kooperation mit dem Institut: Um die natürliche Reproduktion zu unterstützen, werden ausschließlich Gewässer besetzt, aus denen der Aal die Möglichkeit hat, zurück zur Sargassosee abzuwandern. Aus dem Groß Muckrower See gibt es indes kein Entkommen, weshalb ein standardmäßiger Aalbesatz nicht mehr in Frage kommt. Das Forschungsprojekt aber garantiert den Anglern in den nächsten 25 bis 30 Jahren noch Fangerfolge. "Und ganz nebenbei ist ihr See gut untersucht", zählt Janek Simon einen weiteren Vorteil auf. Auch stellte er den Anglern eine Tiefenkarte zur Verfügung und gibt gern wertvolle Hinweise rund um den Lebensraum der Fische.

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