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Finanzen
Corona-Folgen bleiben Beeskow bisher erspart

Bürgermeister Frank Steffen leitet die Geschicke von Beeskow seit 2010.
Bürgermeister Frank Steffen leitet die Geschicke von Beeskow seit 2010. © Foto: Jörn Tornow
Olaf Gardt / 31.07.2020, 05:00 Uhr
Beeskow (MOZ) Die Stadt Beeskow hat in den vergangenen Jahren viele Großprojekte von neuer Kita bis zum Tennishallenbau diskutiert und geplant. Bürgermeister Frank Steffen äußert sich zum Stand der Dinge und mögliche coronabedingte Auswirkungen auf die Entwicklung der Kreisstadt.

Herr Steffen, viele Kommunen klagen über coronabedingte Steuerausfälle, haben zum Teil bereits Haushaltssperren verhängt. Nur aus Beeskow hört man kein Klagen.

Wir haben tatsächlich bislang keine nennenswerten Steuerausfälle. Das liegt wohl daran, dass wir nicht den einen großen Gewerbesteuerzahler haben. Die Struktur unserer Betriebe ist breit gefächert, wir haben viele kleinere Unternehmen als Steuerzahler. Einige haben noch Steuernachzahlungen aus vergangenen Jahren zu leisten gehabt. Wenn das Land aber mit Mindereinnahmen von einer Milliarde Euro allein in diesem Jahr rechnet, wird sich das auch auf die Kreise und Kommunen auswirken. Es ist klar, dass dies auch Beeskow treffen wird. Aber wahrscheinlich mit einer Zeitverschiebung von ein bis zwei Jahren.

Es sind ja eine Menge Großprojekte geplant, die Kita im Fontaneviertel, eine Sport- und eine Tennishalle. Sind diese dadurch gefährdet?

Für die Kita haben wir eine Baugenehmigung und sind mit dem Land darüber im Gespräch, wie wir über das Projekt "Soziale Stadt" die Finanzierung sicherstellen können. Ich bin optimistisch, dass wir dann auch relativ schnell mit dem Bau beginnen können. Bei den Sportanlagen ist das komplizierter. Für die Halle haben wir noch kein Programm gefunden, über das wir dafür Fördermittel beantragen können. Ein Antrag bei der Leader-Region wurde abgelehnt. Auch, weil dort derzeit nicht genügend Geld dafür da ist. Vielleicht ergibt sich aber eine neue Möglichkeit über das neue EU-Hilfspaket, bei dem die Kanzlerin ja 690 Millionen Euro für die neuen Bundesländer erstritten hat. Außerdem will ich mit dem Kreis sprechen. Die Sporthalle wird ja vor allem für den Schulunterricht von Oberschule und Gymnasium gebraucht. Da ist der Kreis Träger. In anderen Kommunen baut der Kreis zu seinen Schulen auch Turnhallen. Da sollte in Beeskow eine Beteiligung möglich sein.

Wie geht es auf der Burg weiter? Dort sollen die Außenanlagen neu gestaltet werden?

Wir haben für das Projekt immer noch nicht die denkmalrechtliche Erlaubnis. Es gibt viele Gespräche über Details. Zum Beispiel, wie viel Grasfläche auf dem Burghof erlaubt wird. Problematisch sind die Fundamente für die Burgbühne. Für die Gründung muss recht tief gebohrt werden. Die Bühne selbst wurde überplant. Sie schließt jetzt in der Höhe mit der Burgmauer ab. Ich hoffe, dass wir im Herbst alle Genehmigungen vorliegen haben, dann kann im kommenden Jahr gebaut werden.

Die Burg soll auch einen Spielplatz bekommen!

Ja, eigentlich wollten wir sogar ein paar kleine Spielgeräte auf dem Burghof aufstellen, damit die Kinder Beschäftigung finden, während sich die Eltern die Ausstellungen ansehen oder im Café sitzen. Das ist aber nicht umsetzbar. Nun planen wir einen kleinen Spielplatz auf der Nordseite, im Burggraben, den man über die kleine Gittertür am Burgcafé erreicht. Sehr schön ist, dass es praktisch einen Rundweg um die Burg herum geben wird, den sich vor allem unsere Stadtführer gewünscht haben.

Was wird aus dem alten Speicher neben der Burg und der benachbarten Wasserwelt?

Wir haben uns mit dem Kreis auf ein Nutzungskonzept geeinigt. Geplant sind Lagerräume und eine Werkstatt für die Burg. Außerdem wird eine Art Schaudepot für das Musikmuseum entstehen. Auch diese soll durch eine kleine Werkstatt ergänzt werden, in der wir Arbeitsgeräte für den Instrumentenbau zeigen. Mit dem Eigentümer der Wasserwelt sind wir im Gespräch. Er hat uns zugesichert, dass es ab dem 1. August wieder einen Gastronomiebetrieb geben wird. Der Bootsverleih soll im kommenden Jahr wieder aufgenommen werden. Das warten wir jetzt erst einmal ab.

Mit dem Park auf dem Areal des Alten Friedhofs in der Gartenstraße hat Beeskow bereits im vergangenen Jahr ein neues Schmuckstück bekommen, das aber noch gar nicht richtig vorgestellt wurde. Wird es noch eine Einweihungsfeier geben?

Die Mauer muss noch fertig saniert werden. Ende September werden die letzten Bepflanzungen abgeschlossen sein. Dann wird es im Oktober auch eine offizielle Einweihung geben. Aber wir haben schon eher Grund zum Feiern in Beeskow. Der Neubau des Fitnessgebäudes am Ruderbootshaus ist fertig. Den werden wir am 27. August eröffnen und an die Ruderer übergeben.

Die großen Feiern sind in diesem Jahr coronabedingt abgesagt worden. Was ist noch möglich in Beeskow? Wird es einen Weihnachtsmarkt geben?

Der Mittelstandsverein bereitet gerade den Herbstmarkt vor. Die ersten Trödelmärkte sind gut gelaufen. Sie haben gezeigt, dass es ein großes Bedürfnis bei den Menschen gibt, wieder in lockerer Form zusammenzukommen, sich auszutauschen. Deshalb wollen wir unbedingt einen Weihnachtsmarkt durchführen. Wir schreiben gerade die Händler und Vereine an, die in den letzten Jahren dabei waren, um zu erfahren, wer wieder kommen will. Dann werden wir ein Hygienekonzept ausarbeiten. Das wird so aussehen, dass sich das Geschehen einfach über eine größere Fläche erstrecken wird, es mehr Abstand zwischen den Ständen gibt. Wahrscheinlich wird das meiste im Freien stattfinden. Ob und in welchem Umfang wir die Marienkirche für den Markt nutzen, ist noch offen.

Ein Thema, das Sie seit Jahren umtreibt, ist die Suche nach neuen Wohnbaustandorten in der Stadt. Nun gibt es die Überlegung, auch in den Ortsteilen stärker nach möglichen Bauplätzen zu suchen. Was halten Sie von Wohngebieten in den Dörfern?

Wir haben eine ganz klare Beschlusslage. Erste Priorität hat das Gebiet Vorheide in Richtung Umgehungsstraße. Und das gehen wir jetzt auch an. Die Ortsteile haben wir auch untersucht. Dort gibt es noch ein paar Baulücken, ein paar kleinere Möglichkeiten der Verdichtung. Von Neubaugebieten in den dörflichen Strukturen halte ich nichts. Ich setzte darauf, dicht an der Infrastruktur der Stadt zu bauen.

Wie ist es mit der brachliegenden Fläche hinter dem Kietzer Friedhof in der Frankfurter Chaussee?

Wir sollten mit den Wohngebieten nicht näher an die Spanplatte heranrücken. Egal was wir machen, meine Prämisse ist, dass das Unternehmen durch solche Entscheidungen nicht gefährdet werden darf.

Ein kleines Wohngebiet plant die Stadt am Mühlberg. Was wird aus der dort stehenden namensgebenden Mühle? Auch in Kohlsdorf gibt es ja noch Reste einer alten Bockwindmühle. Aber im ganzen Kreis ist keine einzige Windmühle saniert. Wäre die Stadt da nicht auch in der Pflicht?

Die Kohlsdorfer Mühle befindet sich in Privatbesitz. Die Mühlbergmühle auch. Beide sind ja auch sehr baufällig. Eine Mühle zu erhalten oder zu sanieren, dass war und ist bei uns als Stadt derzeit kein Thema.

Im Zuge einer privaten Tour um den Schwielochsee haben Sie sich auf Instagram über den Zustand der Pieskower Schutzhütte beklagt und mussten dafür Kritik einstecken. Zum einen, weil die Pieskower sich gerade um die Hütte kümmern und auch die Beeskower Schutzhütte im Eichwerl mindestens sanierungsbedürftig ist.

Die Kritik ist angekommen. Und an der Hütte im Eichwerl werden wir jetzt auch etwas machen, damit sie wieder anständig ist.

Eine weitere Schutzhütte steht auf der westlichen Spreeseite als Teil des früheren Naturlehrpfades, der am Campingplatz beginnt und auch seit Jahren nicht mehr gepflegt wird. Was wird daraus?

Den Naturlehrpfad geben wir auf. Was aus der Schutzhütte wird, muss man sehen. Wir werden einen neuen, wesentlich kleineren Naturlehrpfad im Zuge der Gestaltung des Weges vom Wohngebiet Bahrensdorf zur Frankfurter Straße anlegen. Das wird aber frühestens im nächsten oder übernächsten Jahr umgesetzt.

Ebenso wichtig wie Parks und andere Flächen, auf denen man die Natur erleben kann, sind für die Lebensqualität einer Stadt die Zentren. Aber auf dem Beeskower Markt ist in diesem Sommer der Brunnen trocken. Wann sprudelt die Spreefrau wieder?

Ich kann es nicht sagen. Die Technik im Untergrund ist kaputt, wir haben immer wieder Probleme mit den Pumpen und Leitungen, die mit viel Aufwand und hohen Kosten repariert werden müssen.

Wäre es da nicht an der Zeit, für die Spreefrau einen anderen Platz zu suchen und einen neuen Brunnen zu schaffen. Mit dem Blick auf heiße Sommer und viele Besucher in der Stadt wären ja vielleicht auch Trinkbrunnen sinnvoll?

Das sollten wir tatsächlich überlegen. Ich weiß ja auch, dass es in vielen Städten sehr schöne Wasserspiele gibt. Wir werden das tatsächlich noch einmal diskutieren und entscheiden müssen. Trinkbrunnen sind dann vielleicht eine sinnvolle Ergänzung.

Wie geht es mit dem Verkehrskonzept weiter? Sie beklagen ja schon lange, dass viel zu viele Autos nicht in, sondern durch die Stadt fahren. Wann ändert sich das?

Aus meiner Sicht sollte es innerhalb der Stadtmauern gar keinen Durchfahrtsverkehr geben. Aber ich will der Diskussion des Verkehrskonzepts auch nicht zu weit vorgreifen. Wir haben jetzt eine Verkehrszählung gemacht, die ersten Ergebnisse legen wir demnächst einer Arbeitsgruppe vor, die sich damit beschäftigen wird. 200 Bürger haben sich zudem an der Fragebogenaktion zum Verkehrskonzept beteiligt. Auch das wird mit einfließen. Klar muss sein, dass man nicht alles haben kann. Man kann nicht autofreundliche, fußgängerfreundliche und fahrradfreundliche Stadt zugleich sein.

Warum macht man nicht die gesamte Innenstadt zur verkehrsberuhigten Zone. Dann wären alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Autos dürften mit Schrittgeschwindigkeit fahren, die Parkplätze blieben erhalten, aber für die Durchfahrt wäre die Stadt nicht mehr attraktiv?

Ich warne vor großen Lösungen. Wir sollten immer kleine Gebiete angucken und dort Lösungen finden. Das haben andere Städte schon mit Erfolg gemacht. Wir werden Schritt für Schritt vorgehen und die Bürger weiter beteiligen.

Informationen zur Person:

Frank Steffen ist gebürtiger Beeskower. Er kam im Jahr 1971 auf die Welt. Nach der Schulzeit absolvierte er im EKO Eisenhüttenstadt eine Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker mit Abitur. Danach studierte er an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Düsseldorf. Als Diplomverwaltungswirt arbeitete er als Referent der Landräte Jürgen Schröter und Manfred Zalenga, dann als Amtsleiter in der Kreisverwaltung Oder-Spree. 2009 wurde er als Kandidat der SPD, deren Kreisvorsitzender er ist, zum Bürgermeister von Beeskow gewählt. Das Amt trat er 2010 an, 2017 wurde er wiedergewählt. Frank Steffen ist verheiratet und hat vier Kinder. Seit 1996 lebt er im Ortsteil Kohlsdorf.⇥gar

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