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Deutlich geringere Fernwärmepreise / Gebäudewirtschaft will 1700 Wohnungen nicht umstellen

Eisenhüttenstadt besser als Frankfurt

Ausbau schreitet voran: Auch die Blöcke im Friedensweg, die die EWG saniert, werden ans Fernwärmenetz angeschlossen.
Ausbau schreitet voran: Auch die Blöcke im Friedensweg, die die EWG saniert, werden ans Fernwärmenetz angeschlossen. © Foto: MOZ/Stefan Lötsch
Stefan Lötsch / 14.08.2017, 20:06 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die Fernwärmepreise in Eisenhüttenstadt gehören mit zu den günstigsten im Land Brandenburg. Das ergibt sich einmal mehr aus dem Preisspiegel des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Die Gebäudewirtschaft will den Ausbau aber nicht weiter forcieren.

Die Fernwärmepreise in Eisenhüttenstadt liegen deutlich unter dem Brandenburger Durchschnitt. Lediglich in Senftenberg, Angermünde und Blankenfelde-Mahlow sind die Bezugsbedingungen noch günstiger. Wie schon in den Vorjahren hat erneut der Preisspiegel des Verbandes Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) das für Eisenhüttenstadt günstige Ergebnis erbracht.

In dem Preisspiegel werden die Kosten für Fernwärme, Strom, Gas, Wasserver- und entsorgung sowie für Müllentsorgung miteinander verglichen. Um überhaupt eine Vergleichbarkeit herstellen zu können, legt der BBU ein Musterhaus zugrunde, ein 30-Parteien-Mehrfamilienhaus. Für dieses Musterhaus liegt der Fernwärmepreis in Eisenhüttenstadt bei 85,59 Euro pro Megawatt-Stunde (MWh). Der Durchschnittspreis in Brandenburg liegt bei 96,23 Euro je MWh. Noch deutlich günstiger schneidet Eisenhüttenstadt ab, wenn man die Preise von Städten in unmittelbarer Nähe zugrunde legt. In Frankfurt werden 111,35 Euro je MWh verlangt, in Guben sogar 118,52 Euro. Beide Städte gehören bei den Mischpreisen für Fernwärme zu den Spitzenreitern im Land. Während im Land nach Berechnungen des BBU die Fernwärmepreise im Schnitt um 2,3 Prozent gesunken sind, blieben sie in Eisenhüttenstadt stabil.

Dass Eisenhüttenstadt bei der Energie eine gute Position hat, darauf wies auch jüngst Robert Böswetter, Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH hin. Auch bei einem anderen Preisvergleich schneidet Eisenhüttenstadt gut ab, sagte Böswetter vor den Stadtverordneten.

Trotzdem gibt es an den Preisen in Eisenhüttenstadt immer wieder Kritik. Zum einen werden unterschiedliche Preise genommen, lautet ein Vorwurf. Allerdings sind in der Vergangenheit die Verträge harmonisiert worden. Zum anderen sagen vor allem Leute, die mit der Materie vertraut sind, dass zwischen den Herstellungs- und den Verkaufspreisen deutliche Unterschiede liegen. Von den Verkaufspreisen muss aber auch das Leitungsnetz instand gehalten werden.

Die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG) ist fast zu 100 Prozent mit ihrem Wohnungsbestand an das Fernwärmenetz angeschlossen, sagt Vorstandsvorsitzende Verena Rühr-Bach. Zuletzt hatte das Unternehmen im V. Wohnkomplex von Gaskessel auf Fernwärme umgestellt, eine Entscheidung, die zu günstigeren Wärmepreisen führt, so Verena Rühr-Bach. Auch bei den Blöcken, die die EWG und die städtische Gebäudewirtschaft (Gewi) im IV. Wohnkomplex sanieren oder schon saniert haben, ist die Fernwärme die bevorzugte Energievariante.

Die Gewi hat sich von ihren Zielen verabschiedet, Gebäude, die noch mit elektrischem Durchlauferhitzer Warmwasser erzeugen, an das Fernwärmenetz anzuschließen. Betroffen davon sind vor allem Wohnungen im II. Wohnkomplex, die nach der Wende mit Gaskesseln für die Heizung und Durchlauferhitzern für das Warmwasser ausgestattet wurden. Da die Gaskessel ihre Lebensdauer erreicht haben, gab es konkrete Pläne, auf Fernwärme umzusteigen, wie es schon vor der Wende war. Doch Oliver Funke, Geschäftsführer der Gewi, ruderte schon im vergangenen Jahr zurück. Die erforderlichen Umbaukosten für die zirka 1700 Wohnungen seien sehr hoch, da extra Stränge für das Warmwasser vom Keller in die Wohnungen verlegt werden müssten. Jüngst wies nun die Gewi darauf hin, dass bei geringem Wasserverbrauch Durchlauferhitzer und Fernwärme sich bei den Kosten kaum unterschieden.

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eckhard hensel 16.08.2017 - 20:20:57

Was sagt der Mustermieter zur "günstigen" Fernwärme in Eisenhüttenstadt?

Einleitend möchte ich auf meinen Kommentar zum Artikel in der MOZ vom 16.01.2017 "Weiter niedrige Fernwärmepreise" hinweisen: http://www.moz.de/kommentare/mc/1545050/1306/1/ Das Musterhaus bezahlt also in Eisenhüttenstadt lt. BBU 8,56 ct./kWh für Fernwärme. Ich wäre meinem Vermieter, der Gewi Eisenhüttenstadt sehr sehr dankbar, wenn sich mein Fernwärmepreis in der Region um 8,56 ct./kWh bewegen würde. Weit gefehlt, wie man dem obigen Link entnehmen kann. Mein Mustermieterfernwärmepreis betrug laut Betriebskostenabrechnung für 2015 stolze 12,32 ct./kWh. 12,32 ct./kWh - 8,56 ct./kWh ergibt eine Differenz von 3,76 ct./kWh. Und hier fragt sich der Mustermieter in der Saarlouiser Str., was es mit dem Musterhaus Unbekannt auf sich haben soll. Meine Betriebskostenabrechnung für 2016 liegt noch nicht vor, ich werde aber zu gegebener Zeit den Mustermieterfernwärmepreis Saarlouiser Str. hier ergänzen. Als Wähler stellt sich mir ausserdem die Frage, warum jetzt dieser Artikel? Geht es um die Bundestags- oder die Bürgermeisterwahl in Eisenhüttenstadt? Oder gilt es weiterhin Nebelkerzen für den Bürger zu werfen? Auf mein konkretes Schreiben an die Bürgermeisterin vom 06.02.2017 zur Fernwärme in der Saarlouiser Str. in Eisenhüttenstadt habe ich bis heute keine Antwort bekommen. Es sind nicht die Stadtwerke bei der Fernwärme in der Pflicht, hier hat der Vermieter zu handeln, wenn der Mieter über den Tisch gezogen wird (von wem auch immer). Übrigens sprach Frau Siebke auf der SVV Eisenhüttenstadt am 17.05.2017 von überteuerter Fernwärme für die Bürger. Ein Musterhaus macht eben keinen Musterfernwärmepreis.

Werner Matzat 16.08.2017 - 11:22:09

Grasiert die Amnesie in Eisenhüttenstadt?- Wie passt Artikel von 2015 auf 2017 zusammen? - gewollte Irreführung?

Zum Vergleich - (14.08.2017) Die Fernwärmepreise in Eisenhüttenstadt gehören mit zu den günstigsten im Land Brandenburg. (?) Stefan Lötsch 25.02.2015 20:44 Uhr Fernwärme nicht immer günstiger (!) Zur Einsichtnahme für den Betroffenen Mieter in dieser Stadt hier der Quelle Artikel mit Kommentare: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1370896?res=1 http://www.moz.de/kommentare/mc/1370896/75/1/ Es passt wohl auch recht gut in das Kalkül unserer hiesigen „Qualitätsmedien“, über solche Sach-Einschätzungen öffentlichkeitswirksam zu berichten. Was bezweckt man damit? Sind dieser Jahr nicht etwa Bürgermeisterwahlen? Doch die kritischen Stimmen, in dieser Stadt, bei diesem gleichbleibend, aktuellen, hochbrisanten Fernwärme-Thema, sind noch nicht ausgestorben bzw. noch nicht der kollektiven Amnesie verfallen.

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