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Windmessmast bei Neubrück errichtet / Reichweite der 140 Meter hohen Anlage mehr als zehn Kilometer

Ein Strich in der Landschaft

Von Weitem gut sichtbar: Der 140 Meter hohe weiß-rote Windmessmast der Abo Wind AG steht in der Gemarkung Neubrück - im einstigen Windeignungsgebiet Nummer 57.
Von Weitem gut sichtbar: Der 140 Meter hohe weiß-rote Windmessmast der Abo Wind AG steht in der Gemarkung Neubrück - im einstigen Windeignungsgebiet Nummer 57. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Tatjana Littig / 22.11.2017, 06:33 Uhr
Rietz-Neuendorf (MOZ) Wer bei gutem Wetter vom Dach des Rathauses von Rietz-Neuendorf in Richtung Nord-Osten blickt, sieht ihn: den 140 Meter hohen Windmessmast der Abo Wind AG. Warum er dort steht, obwohl hier keine Windräder gebaut werden dürfen, erklärt sich folgendermaßen.

Im dritten Entwurf des Teilregionalplanes zur Windenergienutzung in Oderland-Spree von Januar 2017 sind in der Gemeinde Rietz-Neuendorf vier Windeignungsgebiete (kurz: WEG) ausgewiesen. Hinter der Nummer 4 verbirgt sich ein Gebiet zwischen Groß Rietz, Radinkendorf und Beeskow-Hufenfeld, das WEG 59 liegt zwischen Alt Golm und Kunersdorf, das WEG 56 zwischen Neubrück und Müllrose-Biegenbrück und das WEG 62 östlich von Görzig.

Das Gebiet mit der Nummer 62 ist im dritten Entwurf neu hinzugekommen. Entfallen ist das WEG 57 zwischen Görzig, Raßmannsdorf und Sauen aus dem zweiten Entwurf von 2016. "Für den Wegfall gibt es drei Hauptgründe", erklärt Wolfgang Rump von der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland-Spree. Zum einen seien das Tier-ökologische Bedenken, zum anderen der Umgebungsschutz von Denkmalen in Sauen. Als dritten Grund führt er den "hochwertigen" Misch- und Laubwald in Teilen des Gebietes an.

Obwohl das WEG 57 im dritten Entwurf nicht mehr enthalten ist, wurde dort im Mai ein Windmessmast von Abo Wind in Betrieb genommen. Die 140 Meter hohe Anlage steht in der Gemarkung Neubrück. Unabhängig vom Ergebnis der Messungen werde das Gebiet nicht wieder in die Planung aufgenommen, betont Wolfgang Rump.

Für die Ausweisung von Windeignungsgebieten gibt es einen Kriterienkatalog. Berücksichtigt werden unter anderem Natur- und Umweltschutzbelange. Auch der Mindestabstand zur Wohnbebauung spielt eine Rolle, nicht aber der prognostizierte Windertrag. Gerade der aber interessiert Betreiber von Windkraftanlagen - und genau aus diesem Grund steht der Messmast bei Neubrück. "Die Anlage misst nicht nur den Windertrag am Standort, sondern hat eine Reichweite von über zehn Kilometern", informiert Henning Stein, Projektleiter bei Abo Wind. Soll heißen: Die hier erhobenen Daten erlauben auch Prognosen über die Windeignungsgebiete mit den Nummern 4, 59, 56, 62, 53 (Kersdorf), 37 (Biegen) und 54 - Fürstenwalde Ost, auch wenn es beim WEG 54 "knapp" würde, wie Henning Stein einräumt.

Die Daten der Anlage werden täglich abgerufen. Mindestens bis Mai bleibe der Messmast stehen, dann würden die Daten ausgewertet und entschieden, wann wirklich Schluss sei, erklärt der Projektleiter den Ablauf. "Das gesamte Vorhaben ist befristet bis zum 18. Dezember 2018. Danach ist ein entsprechender Rückbau und Abbruch vorzunehmen", teilt unterdessen Olaf Klempert, Bürgermeister von Rietz-Neuendorf, mit.

Die Windertragsdaten braucht Abo Wind für seine interne Wirtschaftlichkeitsberechnung und später für die Finanzierung für die Bank. Sollte sich das Unterfangen für das Unternehmen lohnen, dann könnte es sich bei der Bundesnetzagentur um den Auftrag bewerben. Erst wenn das Unternehmen den Zuschlag bekommen habe, könne ein emissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren des Landesamtes für Umwelt durchgeführt werden, klärt Wolfgang Rump auf. Heißt im Endeffekt: Es ist noch ein langer Verfahrensweg für die Abo Wind AG.

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