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Hochprozentig
Der Kaffeegeist aus Neuzelle

Hat ein goldenes Näschen: Brennmeister Nico Petri hat in der Klosterbrennerei in Neuzelle einen Kaffeegeist kreiert, und zwar für Asfa-Wossen Asserate, den Großneffen des letzten äthiopischen Kaisers.
Hat ein goldenes Näschen: Brennmeister Nico Petri hat in der Klosterbrennerei in Neuzelle einen Kaffeegeist kreiert, und zwar für Asfa-Wossen Asserate, den Großneffen des letzten äthiopischen Kaisers. © Foto: Janet Neiser
Janet Neiser / 18.02.2018, 07:15 Uhr
Neuzelle (MOZ) Nico Petri ist ein Tüftler. Doch bei ihm geht es nicht um Maschinen oder die Erfindung neuer Hausgeräte, sondern um Hochprozentigen. Die neueste Kreation des 40-jährigen Schnapsbrenners ist ein Kaffeegeist, den er exklusiv für den Bestsellerautor Asfa-Wossen Asserate angesetzt hat.

Nico Petri nimmt ein Glas, füllt etwas von einer klaren und farblosen Flüssigkeit hinein und fächert den Duft in die Nasen der Besucher. Erstaunlicherweise atmet man plötzlich frisches Kaffeebohnenaroma ein. „Löwentrunk“ heißt der Hochprozentige, den er aus fair gehandeltem äthiopischen Hochlandkaffee gezaubert hat, und zwar für Prinz Asfa-Wossen Asserate. Der aus dem äthiopischen Kaiserhaus stammende Unternehmensberater und Bestsellerautor hat den guten Tropfen bei Nico Petri in Auftrag gegeben.

„Ich habe ihn vor fünf oder sechs Jahren mal bei einer Buchlesung kennengelernt. Und zwei Jahre später haben wir uns erneut bei einer Lesung in Neuzelle getroffen“, erinnert sich Nico Petri. Damals habe Asserate ihm von seiner Vorliebe für Mirabellenbrand erzählt. „Und dann hat er sich gefragt, ob man aus Kaffee einen Geist machen kann. So ist die Idee für den Löwentrunk entstanden.“ Kaffeelikör kenne man ja, aber der sei eben nicht so hochprozentig. Nico Petri zweifelte keine Sekunde lang daran, dass so etwas geht. „Die Frage war von Anfang an nur, ob das Ergebnis authentisch rüberkommt“, erzählt er in der kleinen Schaubrennerei neben dem Hotel und Restaurant Prinz Albrecht.

Die Luft dort ist geschwängert von einem Gemisch aus Aromen und Alkohol. Nico Petri bemerkt das schon gar nicht mehr, aber wenn es darauf ankommt, dann laufen seine Nase und sein Gaumen zur Höchstform auf – so wie bei dem Kaffeegeist. „Zunächst einmal musste ich natürlich die richtige Bohne finden“, betont der 40-Jährige, der zunächst als Softwareentwickler gearbeitet hat, dann aber seine Liebe zur Brennerei entdeckte und 2010 nach zahlreichen Kursen und Experimentierstunden schließlich seinen ersten Preis für einen Absinth einheimste. Schließlich entschied er sich für einen Hochlandkaffee aus Äthiopien, der Heimat von Asfa-Wossen Asserate. „Fair gehandelt und mit mittlerer Röstung.“ Besser ging es nicht.

Doch wie wird aus Kaffee ein Hochprozentiger? Was Nico Petri erzählt, klingt fast schon einfach, aber das Aroma steckt eben im Detail. Der gemahlene Kaffee wird mazeriert, das heißt, er wird kalt mit Alkohol angesetzt. „Das ist dann eine richtige braune Brühe.“ Farbe, Teilchen und Bitterstoffe verschwinden erst bei der Destillation zirka vier Wochen später. Der Grundcharakter des Kaffees aber, der müsse bei diesem Trennverfahren erhalten bleiben, betont Petri. Das sei gelungen: „Man kann den Kaffee gut identifizieren“, sagt er. Der Auftraggeber war offensichtlich der selben Meinung, denn die Sonderedition für den Prinzen steht, kann jederzeit abgefüllt werden.

Asfa-Wossen Asserate sei die ganze Zeit hindurch über den Fortschritt in der Brennerei informiert gewesen. Immer wieder hat Nico Petri ihm Proben geschickt. „Erst heute haben wir wieder telefoniert wegen des Etiketts“, erzählt der Mann mit dem goldenen Händchen. Doch der Kaffeegeist ist nicht nur für den prominenten Gaumen bestimmt. „Jeder kann ein Fläschchen erwerben“, sagt der Meister. In der ersten Charge werde es zirka 100 Flaschen des 40-Prozentigen geben. Aber nach oben hin seien später keine Grenzen gesetzt.

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird der Löwentrunk am 13. März im Blauen Salon des Neuzeller Klosters. Da gibt sich Asfa-Wossen Asserate sogar selbst die Ehre, teilt der Vorstand und der Aufsichtsrat der Neuzeller Klosterbrennerei AG mit. Am selben Abend ist dann auch noch ein Vortrag und eine Lesung über „Die neue Völkerwanderung“ mit dem politischer Analysten geplant. Organisiert vom Verein Lesehütte.

Wer den exklusiven Löwentrunk der ersten Edition lieber aufbewahren als trinken möchte – kein Problem. „Nach drei bis vier Jahren ist ein Geist so ausgereift, dass er sich nicht mehr verändert“, weiß Nico Petri. Wie es mit der Aromastabilität des Kaffeegeists aussieht, das könne er allerdings noch nicht sagen. Zehn bis 15 Jahre seien es bei anderen Kreationen.

Wenn Nico Petri über seine Berufung in der Brennerei spricht, bekommt sein Gegenüber schnell das Gefühl, dass er schon die nächste Idee für einen exklusiven Gaumenkitzler im Kopf hat. Ihm macht es Spaß, etwas zu kreieren, das anderen schmeckt. So wie beispielsweise den Rosa Thyminest. Dieser Likör mit Rosmarin, Estragon, Salbei, Thymian und Minze sei sehr beliebt, erzählt er.

Zur Klosterbrennerei hat Petri im Jahr 2004 gefunden. Das Unternehmen war 1997 mit Hilfe von 150 Aktionären gegründet worden. Viele sind der Brennerei bis heute treu geblieben. Im Jahr 2012 wurde dann ein weiteres Kapitel der Brennkunst in Neuzelle geschrieben: Da eröffnete Brennmeister Nico Petri seine Schaubrennerei, mit der er Besuchern das Handwerk der alten Brennkunst näherbringen kann.

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