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Nach wochenlangen Banden-Diebstählen erkennt die Polizei einen Tatverdächtigen / Der Geschädigte hängt Kamerabilder aus

Diebstähle
Tankstellenpächter ist verzweifelt

Fingerzeig auf Kamerabilder: der Geschädigte Dietmar Adolph (63) vor der Tankstelle in der Karl-Marx-Straße.
Fingerzeig auf Kamerabilder: der Geschädigte Dietmar Adolph (63) vor der Tankstelle in der Karl-Marx-Straße. © Foto: Christopher Braemer
Christopher Braemer / 02.03.2018, 20:58 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) In den letzten Wochen hat eine Diebesbande die Aral-Tankstelle an der B 112 unsicher gemacht. Nun erkannte die Kriminalpolizei einen Tatverdächtigen. Kamerabilder am Eingang sollen die Diebe abschrecken.

Die Kamerabilder, die seit Mitte Februar am Eingang der Araltankstelle kleben, sind nicht zu übersehen. Sie sprechen eine deutliche Sprache: „Kein Asylrecht für diese Täter“ steht handgeschrieben auf den Ausdrucken von Anfang Februar. „Jeder Diebstahl wird angezeigt“ daneben in mehreren Sprachen. Auf einem Kamerabild zu sehen ist ein junger Mann mit dunklem Teint, der sich ungestört Hochprozentiges aus dem Regal neben der Kasse in die Jacke steckt. Auf den zwei weiteren daneben mehrere Männer mit Käppi und modischen Löcher-Jeans, die so viele Flaschen in den Händen halten, wie sie tragen können und die Tankstelle eiligen Schrittes verlassen. All das ist in der Aral-Tankstelle passiert.

„Einer steht meistens Schmiere, ein anderer lenkt die Verkäuferin ab“, erklärt Tankstellenpächter Dietmar Adolph (63) die Vorgehensweise der Täter. „Der Rest räumt den Eingangsbereich und sogar die Spirituosen neben dem Tresen aus und flieht.“ Von Mitte Januar bis Mitte Februar zwischen 18 und 22 Uhr habe die Bande fast täglich zugeschlagen. Adolph erstattete Anzeige.

Die Unbekannten stahlen Chips, aber auch teuren Fisch und Alkohol. Der Tankstellenpächter fühlte sich den Dieben zwischenzeitlich hilflos ausgesetzt. „Wir haben in den letzten vier Wochen finanziellen Schaden erlitten“, sagt Adolph, der die einzige Tankstelle mit Nachtschalter betreibt. „Einen so großen, dass ich darüber nachgedacht habe, Mitarbeiter zu entlassen oder nachts zu schließen.“ Der Pächter beziffert den Schaden auf knapp 1000 Euro.

Nach Auswertung der Kamerabilder vermutet Adolph, dass die Bandenmitglieder im Alter von 18 bis 25 Jahren sind und aus arabischsprachigen Ländern stammen. „Ihnen ist es egal, ob Kunden oder Mitarbeiter dabei sind“, sagt Adolph, der zeitweise nachts tagelang keine Ruhe mehr fand.

Das Beweismaterial übergab der verzweifelte Pächter Ende Januar der Polizei. Die wurde vor knapp einer Woche fündig. Die Kriminalisten der Inspektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder) haben einen nichtdeutschen Tatverdächtigen im Alter von 25 Jahren „bekannt gemacht“, erklärt Polizei-Sprecher Stefan Möhwald. Mehr könne er derzeit nicht preisgeben. „Der Bereich wurde in jüngster Vergangenheit verstärkt durch unsere Einsatzkräfte bestreift“, wie er verrät.

Adolph hat auch selbst Gegenmaßnahmen ergriffen. „Zur Abschreckung habe ich die Kamerabilder befestigt“, sagt der 63-Jährige, der die Tankstelle seit 1992 gepachtet hat. Zudem beauftragte er den Wachschutz, der sowohl draußen als auch drinnen die Kunden kontrolliere. Mit Wirkung: Seit Ende letzter Woche habe es weniger Übergriffe gegeben.

Die Mitarbeiter haben Angst. „Nachts sind die Türen geschlossen, nur der Schalter arbeitet“, sagt Adolph. „Doch abends sind sie offen – und meine Angestellten einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt.“ Es habe viele Gespräche und Verhaltenstraining mit Profis gegeben.

Die Kamerabilder müssen bald wieder ab. „Sie verletzen das Persönlichkeitsrecht“, weiß Adolph. „Für uns ist entscheidend, dass die Kripo durch Personenzielfahndung die restlichen Täter schnell dingfest macht“, betont er. Auch wenn seine Kamerabilder einen fremdenfeindlichen Anschein erwecken, ist dem nicht so. „Es gibt sehr viele Ausländer, die sich vernünftig benehmen“, gibt der Tankstellenpächter zu bedenken. „Aber diese Einbrechergruppen versauen das ganze Image der Ausländer.“

„Ich kann gar nicht jeden anzeigen“, sagt Adolph. „So viel wird geklaut.“ Er mache nur Anzeigen, die wirklich nachvollziehbar sind. Zu viele Verfahren seien in den letzten Jahren eingestellt worden.

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Andreas Berg 06.03.2018 - 14:35:51

Toleranz oder doch Feigheit der Verantwortlichen?

Wenn der Staat nicht Willens oder in der Lage ist, seine Hauptaufgabe den Bürger vor innerer und äußerer Gewalt zu schützen, hat er seine Existenzberechtigung verloren. Dann hat der Bürger laut Grundgesetz das Recht, sich gegen diese Zustände zu wehren, mit allen Mitteln!

Karl Napp 05.03.2018 - 23:00:51

Wenn das Gewaltmonopol des Staates versagt …

… müssen halt andere Kräfte walten. Zunächst erst mal möchte ich meinen Dank und meine Anerkennung für all die Jungs und Mädels der Polizei, die tagtäglich draußen im Einsatz sind, aussprechen. Ich denke, da geht es manches Mal an die physische und vor allem auch psychische Leistungsgrenze. Aber: Die Polizei kann nicht gleichzeitig und sofort und überall sein! Daher MUSS das Recht auf Schutz des Eigentums - notfalls auch mit Gewalt - im GG (und später auch mal in einer Verfassung der BR Deutschland - sofern es jemals so etwas geben wird ) festgeschrieben werden; frei nach Andrea Nahles: "„Ab SOFORT kriegen sie in die Fresse“. Darüber hinaus wäre zu klären, weshalb ein Täter, welcher von einer Überwachungskamera bei einer Straftat erfasst wird, sich auf die Verletzung von Persönlichkeitsrechten berufen kann.

Norbert Wesenberg 05.03.2018 - 17:14:21

Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Tätern?

Es ist doch wohl völlig Wurscht aus welchem Kulturkreis Kriminelle kommen. Sie gehören öffentlich bekannt gemacht zu werden. Was hat also das Plakat mit Ausländerfeindlichkeit zu tun? Und was sagt die völlige Fehlbesetzung von Innenminister in Potsdam dazu das der Tankstellenpächter schutzlos Kriminellen ausgeliefert ist? Die Vorfälle sind der Beweis für den kompletten Kontrollverlust seines Ministeriums. Durch Vorfälle wie diese liefert man die Munition für die AfD.

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