Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wolfswache in Wellmitz mit heißen Diskussionen / Revierbesitzer beklagen sinkenden Rehbestand / Abschuss von Problemtieren möglich

Wolf
Jäger warnt vor drohender Katastrophe

Zurück: Der Wolf lebt auch in Wäldern in Oder-Spree. Vor allem Viehalter und Jäger sehen seine Rückkehr kritisch.
Zurück: Der Wolf lebt auch in Wäldern in Oder-Spree. Vor allem Viehalter und Jäger sehen seine Rückkehr kritisch. © Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Janet Neiser / 13.03.2018, 06:30 Uhr
Wellmitz (MOZ) Wellmitz gehörte am Freitagabend zu 21 Standorten im Land Brandenburg, an denen zeitgleich sogenannte Wolfswachen stattgefunden haben. Insgesamt protestierten dort nach Angaben des Veranstalters – also des Bauernbundes – 1950 Menschen für eine Reduzierung der Wölfe.

„Der Wolf nimmt Überhand. Wir wollen nicht länger zugucken, wie er unsere Arbeit auffrisst“, sagt Frank Thumernicht, Bauernbundmitglied und Bio-Landwirt in Wellmitz, vor dem knisternden Lagerfeuer. Er hat die Wolfswache in seinem Dorf organisiert, die Einladungen verschickt. Viele sind gekommen – vor allem Wellmitzer, Ratzdorfer und Jäger aus dem ganzen Landkreis. Doch nicht alle Einladungen hätten gefruchtet, Schäfer sollten noch kommen. „Und auch die Agrargenossenschaft Neuzelle hat sich noch nicht geäußert. Ich weiß nicht, warum, aber ich finde es traurig“, ärgert sich Thumernicht, der zehn Rinder besitzt, aber nach eigenen Aussagen vom Ackerbau lebt. Bisher habe sich der Wolf noch nicht an sein Vieh heran gewagt. „Er ist allerdings überall hier unterwegs. Die Jäger haben ihn gesehen und auch mein Sohn beim Pflügen.“ Von vier Tieren ist im Gebiet Wellmitz die Rede. „Das ist für mich schon ein Rudel.“ Thumernicht heizt die Diskussion an diesem Abend an: „Mit den Wolfswachen protestieren wir gegen immer mehr Wölfe in Brandenburg und gegen die Untätigkeit der Landesregierung. Und wir demonstrieren dafür, dass große Teile Brandenburgs wolfsfreie Zone werden. Überall wo Menschen und Weidetiere sind, müssen Wölfe konsequent gejagt werden.“ Es ist das, was der Bauernbund landesweit fordert.

„Die Wölfe sind bei uns flächendeckend vorhanden“, erklärt Frank Würke, Jäger bei Friedland. Nicht nur die Bauern und Landwirte seien betroffen, sondern auch die Jäger. „Das Revier ist leer, wenn der Wolf da ist“. Seine Streckenliste, wo Abschusszahlen im Revier vermerkt sind,  habe sich schon um ein Drittel verringert. „Die Tendenz ist seit drei, vier Jahren sinkend.“

Norbert Baensch, Jäger in Wellmitz. „Vor vier Jahren habe ich hier bei uns die ersten Wölfe gesehen. Im vergangenen Herbst waren es vier Stück auf einen Haufen.“ Die seien regelmäßig hier. Von Angst sei da nichts zu spüren. „Zwei Drittel vom Rehwild ist weg seitdem.“ Das größte Problem aber, was die Jäger haben, sagt er, sei das Ungleichgewicht, was im Wald entstehe. So rotte sich das wehrhafte Schwarzwild beispielsweise zusammen und richte viel Schaden an. Beim Rotwild sei das gleiche Phänomen zu beobachten, wirft ein anderer ein. Und wenn der Wolf im Wald kein Fressen mehr finde, dann reiße er eben Weidetiere.

„Seien wir mal ehrlich, wir werden mit dem Wolf leben müssen. Es muss aber möglich sein, sie zu begrenzen. Das muss die Politik festlegen“, sagt Baensch. 350 Wölfe soll es derzeit im Land Brandenburg geben. Diese Zahl wird an diesem Abend ständig wiederholt. Die Jäger glauben aber, dass es bereits mehr sind. Und natürlich fällt am Rande des Feuers auch das Wort „vergrämen“. „Das kann nicht funktionieren“, ruft ein Jäger. So ein Gummigeschoss, was dafür eingesetzt werde, wirke ab 20 Meter gar nicht mehr. Immer mehr Jäger kommen in die Runde, wollen sich äußern.

„Unser Wild vergreist“, betont Hartmut Schulze, Revierinhaber aus Groß Briesen. „Der Wolf frisst immer das langsamste und schwächste Tier.“ Irgendwann sei doch mal Schluss. Außerdem habe man hier nicht so große unbewohnte Flächen wie in Alaska. „Wir laufen einer Katastrophe entgegen“, warnt er und die anderen nicken. Irgendwann werde es Konflikte auch mit Menschen geben.

„Problemwölfe können bereits entnommen werden“, versichert Axel Kruschat, Geschäftsführer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Ob das Tier geschossen wird und wer das tut, darüber entscheide das Landesumweltamt. Für unerlässlich erachtet er, dass Viehhalter Schutzmaßnahmen ergreifen. Herdenschutzzäune seien eine davon. Und deren Errichtung sei längst nicht so teuer, wie vom Bauernbund propagiert. Da würden Zahlen von 19 000 Euro pro Kilometer genannt. Die seien falsch, betont der BUND-Chef. „Das ist deutlich günstiger.“ Er nennt 3000 bis 4000 Euro. Damit die Landwirte das stemmen können, müsse man sich aber an einen Tisch setzen. „Wir unterstützen die Weidetierhaltung.“ Aber da sei auch die Politik gefragt. Kruschat betont: „Es ist sehr wohl möglich, mit dem Wolf zu leben.“ Die Wolfswachen, zu denen der Bauernbund aufrufe, sieht er kritisch. Genau wie der Naturschutzbund (NABU) Brandenburg, der Forderungen nach einer Lockerung des Schutzstatus des Wolfes oder wolfsfreien Zonen eine klare Absage erteilt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG