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68 Prozent der Tatverdächtigen in der Stadt sind nicht deutscher Herkunft / Viele Verstöße gegen Asylgesetz

Kriminalität
Hoher Anteil ausländischer Täter

Stefan Lötsch / 24.03.2018, 07:30 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Bei der Kriminalitätsentwicklung sticht Eisenhüttenstadt negativ hervor. Während im Land aber auch in der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt die Zahl der Straftaten sinkt, ist in der Stahlstadt eine gegenteilige Tendenz zu verzeichnen. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass es dafür unterschiedliche Ursachen gibt.

Als Innenminister Karl-Heinz Schröter und Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke in der vergangenen Woche die polizeiliche Kriminalitätsstatistik vorstellten, da wurde Eisenhüttenstadt eigens erwähnt. Denn entgegen dem Trend im Land und auch der Kriminalitätsentwicklung in den Grenzgemeinden ist in der Stahlstadt die Zahl der Straftaten gestiegen – deutlich um 587 auf 3025. Auch Jürgen Huber, Leiter der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt, sprach in dieser Woche von einer Besonderheit.

Ein Blick in die Statistik hilft, Besonderheiten bei der Entwicklung herauszufinden. Das fängt schon bei der Zusammensetzung der Tatverdächtigen an. Liegt der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen im Land im Schnitt bei 24 Prozent, steigt er im Bereich der Polizeiinspektion auf 41 Prozent und erreicht in Eisenhüttenstadt einen Spitzenwert von 68 Prozent.

Dieser sehr hohe Wert hängt unter anderem mit der Zentralen Ausländerbehörde (ZABH) zusammen und unter anderem mit Straftaten, die nur dort registriert und auch nur von Ausländern begangenen werden können. Es geht dabei um die illegale Einreise und den illegalen Aufenthalt in Deutschland, sogenannte Straftaten gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz. Da im vergangenen Jahr Fälle abgeschlossen wurden, die noch aus 2016 stammen, gleichsam ein Übergang sind, stiegen in dieser Deliktgruppe die Fallzahlen von 186 auf 437 im Jahr 2017. Diese Verstöße machen rund 14 Prozent aller Straftaten in Eisenhüttenstadt aus. Außerdem sinkt der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger auf 50 Prozent, wenn man die spezifischen Verstöße gegen das Asylgesetz nicht berücksichtigt. Allerdings sind auch in anderen Deliktgruppen deutliche Steigerungen festzustellen, vor allem bei Diebstahl (um 271 auf 1391 Fälle).

Unter dieser großen Deliktgruppe sticht vor allem die hohe Zahl der Ladendiebstähle hervor, mit einer satten Steigerung um 47 Prozent gegenüber 2016 auf 594 Fälle. Damit gibt es deutlich mehr Delikte als zum Beispiel im wesentlich größeren Frankfurt. Wobei Ladendiebstähle schon seit einigen Jahren ein Problem in Eisenhüttenstadt sind, vor allem 2015, als sehr viele Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt gelebt haben. Und auch im vergangenen Jahr dürften an den Taten unter anderem Bewohner der ZABH einen erheblichen Anteil ausmachen. Denn in dieser Deliktgruppe liegt der Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen bei 83 Prozent, eine Steigerung um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Gestiegen ist auch wieder der Diebstahl von Fahrzeugen von 45 (2016) auf 62 im vergangenen Jahr. Bei den Grenzgemeinden hat es nur in Forst ebenfalls eine Zunahme gegeben. Ansonsten haben sich bei dieser Deliktgruppe die Taten in Richtung Fürstenwalde und den berlinnahen Raum verschoben. Auch dort sind höhere Fallzahlen zu verzeichnen. Für Eisenhüttenstadt gilt allerdings, auch wenn das kein Trost ist, dass das hohe Niveau der Jahres 2013 (93 Diebstähle) und 2014 (83 Diebstähle) nicht wieder erreicht wurde.

Deutliche Steigerung gab es in Eisenhüttenstadt auch bei Angriffen auf Ordnungshüter bzw. bei Widerstand gegen Ordnungshüter. Die Steigerung liegt bei 182 Prozent auf 189 Fälle. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen beläuft sich auf fast 70 Prozent.

Positiv hat sich dagegen in Eisenhüttenstadt die Aufklärungsquote entwickelt von 57 Prozent (2016) auf 65,5 Prozent im vergangenen Jahr.  Deutlich gesunken sind auch die Fälle von Körperverletzung um 55 auf 165 sowie von Rohheitsdelikten.

Zahlen in Auswahl

Straftaten insgesamt

2017⇥3025

2016⇥2437

Aufklärungsquote

2017⇥64,5%

2016⇥57,8%

Tatverdächtige

2017⇥1497

2016⇥1235

davon nichtdeutsch

2017⇥1025

2016⇥613

Diebstahl insgesamt

2017⇥1391

2016⇥1120

Körperverletzung

2017⇥165

2016⇥220

Autodiebstahl

2017⇥63

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