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Plenair
Im Kloster wird gemeißelt

Janet Neiser / 15.05.2018, 05:30 Uhr - Aktualisiert 15.05.2018, 10:06
Neuzelle (MOZ) Auf dem Neuzeller Stiftsplatz wird seit Montag gehämmert, gemeißelt und geschmirgelt. Sieben Künstler aus Deutschland und Polen arbeiten dort im Rahmen des Putten-Pleinairs an ihren Kunstwerken aus Sandstein. Federführend ist die Stiftung Stift Neuzelle.

Immer wieder schlägt Anne Schulz mit dem Fäustling auf das Spitzeisen, das den Sandsteinquader mehr und mehr anknabbert. Der Ton schallt über den gesamten Stiftsplatz und kommt zur Künstlerin zurück. „Das Echo hat mich anfangs etwas irritiert“, erzählt die Bildhauerin aus dem Barnim nach der Mittagspause. Doch sie hat sich schnell daran gewöhnt. Um ihre Augen vor dem absplitternden Sandstein zu schützen, setzt sie sich eine Brille auf. „Und wegen des Staubs nehme ich lieber auch eine Maske. Das ist angenehmer.“

Anne Schulz ist Teilnehmerin des Putten-Pleinairs, das die Stiftung Stift Neuzelle gemeinsam mit dem Landkreis Oder-Spree bis 2. Juni durchführt. In dieser Zeit werden insgesamt sieben Künstler aus Deutschland und Polen aus mannshohen Cottaer Sandsteinquadern Figuren, und zwar moderne Putten, zaubern. Tag für Tag arbeiten sie mehr Details heraus, und die Besucher können ihnen dabei über die Schulter schauen. „Das ist genau mein Ding“, betont Cai Rosner, die mit einem Stift gerade die Konturen für ihr Kunstwerk auf den Stein zeichnet. „Sandstein ist mein Lieblingsmaterial“, sagt die Bildhauerin und Malerin aus Berlin . „Ich arbeite fast nur damit.“ Dass bei dem Pleinair nur die Muskelkraft eingesetzt wird, um die Quader zu formen, das reizt sie noch mehr. Als sie von der Ausschreibung für das Pleinair hörte, musste sie nicht lange überlegen: „Ich dachte, mir fällt zum Thema Putten schon was ein.“ Letztlich hat sie eine Amora kreiert. Der Liebesgott Amor sei schließlich in der Barockzeit oft als Putte dargestellt worden. Sie möchte das weibliche Pendant dazu schaffen.

Anne Schulz hingegen hat sich für eine Figur entschieden, die einen Wolf auf dem Arm trägt und neben einem Schaf steht. „Aber ich denke mal, die Größen werden sich noch ändern“, meint sie mit Blick auf das Modell, das sie mit nach Neuzelle gebracht hat.

Vor Regen haben die Künstler übrigens keine Angst. Da hat die Stiftung vorgesorgt. Für den Fall der Fälle liegen Faltpavillons bereit. Denn sobald das Wasser in die Oberfläche des Steins einsickert, lässt der sich nicht mehr filigran  bearbeiten. Bis 1. Juni müssen die Figuren dann so gut wie fertig sein. Dann wird sich eine Jury schon mal umschauen, denn zwei Werke werden zum Preis von 4000 Euro von der Stiftung Stift Neuzelle angekauft. Sie werden ihren Platz später in dem Teil des Barockgartens finden, der erst im dritten Bauabschnitt entsteht.

Doch bis dahin werden noch zig Tausende Hämmerschläge über den Stiftsplatz hallen. Die Künstler sind während der ganzen Zeit im Kanzleigebäude untergebracht und erhalten ein Stipendium in Höhe von 1400 Euro. Das Ambiente gefällt ihnen offensichtlich. „Das ist der Hammer hier“, freut sich Anne Schulz. „Schauen sie doch mal, dieser blaue Himmel, dazu diese gelbe Kirche und das Grün. Das ist einfach wunderbar.“ Und auch Cai Rosner meint nur: „Das ist total schön.“

Putten gibt es übrigens jetzt schon auf dem Stiftsplatz und auch in der Kirche – und zwar etliche. Sie musizieren, tragen Weltkugeln, handwerkern. Nun bekommen sie moderne Geschwister.

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