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Vor 150 Jahren wurde in der Richtstraße die Instrumentenfirma Altrichter gegründet

Instrumentenfirma
Filigran oder komplett aus Silber

René Matschkowiak / 14.06.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 14.06.2018, 11:34
Frankfurt (Oder) (MOZ) Als Julius Altrichter am 1. Juni 1868 seine Instrumentenfirma gründete, war das die Geburtsstunde eines Frankfurter Unternehmens, das weltweit bekannt wurde. Die Erinnerung daran bewahren die Handwerksmeister Hartmut und Christian Dobberstein.

Es ist ein Jubiläum, von dem nicht viele Frankfurter wissen. Vor 150 Jahren wurde in der Oderstadt Deutschlands später größte Musikinstrumentenfabrik gegründet. Dies zumindest hat Fabrikant Julius Altrichter selbstbewusst auf Werbeflächen veröffentlicht. Alles, was über die Familie Altrichter bekannt ist, sammeln Christian und Hartmut Dobberstein, ebenfalls Instrumentenbauer mit besten Empfehlungen, akribisch. Mehrere Ordner mit Unterlagen und Dutzende Instrumente von Altrichter sind bei ihnen zu finden.

Angefangen hat alles mit dem Fabrikanten Ferdinand Julius Herrmann Altrichter, der 1868 in der Richtstraße filigran gestaltete Harmonikas fertigte. Spätestens 1870 verlegte er sich auf die Herstellung von Blechblasinstrumenten. Offensichtlich liefen die Geschäfte so gut, dass er sich anfangs der 1880-er Jahre eine ziemlich große Fabrik an der heutigen Bahnhofstraße, Ecke Spieckerstraße baute. Ein Gebäude der Fabrik steht dort noch immer – allerdings total verfallen. 1883 wurde der Frankfurter Fabrikant kaiserlicher Hoflieferant. In der Fabrik arbeiteten etwa 100 bis 150 Menschen. Davon kümmerten sich allein 70 um die Blasinstrumente.

„Man sieht den Unterschied zu anderen zeitgenössischen Instrumenten bis heute“, so Hartmut Dobberstein. „Der Werkmeister der Altrichters, ein Herr Weidlich, machte auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1968 in Frankfurt weiter“, erinnert er sich. „Ich fing als Instrumentenbauer an und er hörte auf. Leider haben wir uns nicht kennengelernt.“ Allerdings lebe noch ein Enkel des Fabrikanten, mit dem sie sich unterhalten haben.

Julius und Margarete Altrichter bekamen zwar elf Kinder in 19 Jahren, erfolgreich weiterführen konnte allerdings keiner die Fabrik. Julius Altrichter war bestens vernetzt, besonders im militärischen Bereich. Er war Offizier und an drei Kriegen beteiligt. Damals hatte jedes Regiment des Militärs eine eigene Kapelle, die gern die Instrumente der Altrichters nutzten, wie auf alten Fotos zu sehen ist. „Die beste Zeit hatte die Firma bis zum Tod von Julius Altrichter 1915“, so Christian Dobberstein. „Er hat Masse gebaut, aber keinen Ramsch. Große Ausstellungen und Patente, auf die andere Hersteller der Zeit setzten, haben ihn nicht interessiert“. Technologisch war er seiner Zeit dennoch weit voraus, etwa mit Ventilen aus Rotguss. Damals machten auch viele Instrumentenbauer während ihrer Wanderjahre in Frankfurt Station. Besonders interessant sind die Instrumente aus komplettem Silber, das schwer zu verarbeiten ist. Ein Besteller dieser exklusiven Stücke war der russische Zar Nikolaus.

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Instrumente der Altrichters nicht mehr gefragt. Zu dieser Zeit veränderte sich der Musikgeschmack. Nachfolger Erich  Altrichter war nicht in der Lage, darauf zu reagieren und die Fabrik durch die Weltwirtschaftskrise zu führen. Spätestens 1933 oder 1934 war dann Schluss in Frankfurt.

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