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Grundschüler
Helfen lernen mit AC/DC und Liegestützen

Frank Groneberg / 09.10.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 09.10.2018, 12:09
Ziltendorf (MOZ) In der Grundschule „Ziltendorfer Niederung“ werden seit Montag kleine Helden gemacht. Medizinstundenten der Berliner Charité bringen den Mädchen und Jungen grundlegende Fertigkeiten der Ersten Hilfe aus. Dabei wenden einige auch manch unkonventionelle Lernmethode an.

Was haben Erste Hilfe, Liegestütze und AC/DC gemein? Auf den ersten Blick nicht viel. Und doch sorgt diese Mischung dafür, dass die Schüler der Grundschule „Ziltendorfer Niederung“ derzeit besonders viel Spaß am Unterricht haben. Das bestätigen am Montag zumindest die Schüler der Klasse 5 auf entsprechende Fragen.

Wobei es dieser Fragen gar nicht bedarf: Denn wer einfach mal einen Blick wirft hinein in den Klassenraum, in dem die Fünftklässler seit Montag lernen, wie die Erste Hilfe funktioniert und was dabei zu beachten ist, der sieht sofort, wie viel Freude den Kindern diese besonderen Schulstunden bereiten. Werden Freiwillige gesucht, so melden sich sofort alle, ja wirklich alle Schüler. Und wer so viel Spaß hat, der kann seine Freude natürlich nicht ewig für sich behalten, sondern muss sich mit seinen Klassenkameraden darüber austauschen.

Womit wir bei den Liegestützen wären. Auch diese dienen dem Erlernen der grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten. Jedenfalls, wenn wie in der Klasse 5 der Dozent Philipp Humbsch heißt. Die Fünftklässler dürfen ihn duzen. Was aber nicht heißt, dass die Disziplin außen vor bleibt. Und wer übermütig wird, der darf sich sportlich betätigen. So wie Maik. „Philipp macht das wirklich gut“, erzählt der Zehnjährige. „Er ist aber auch ein bisschen streng. Ich musste schon 30 Liegestütze machen, weil ich gekichert habe.“

Auch andere Schüler – meist Jungs – berichten Ähnliches. Böse sind sie dem Medizinstudenten deshalb aber nicht, ganz im Gegenteil. „Ich finde das echt cool, was wir hier machen“, sagt Maik. „Ich habe gelernt, wie die Herzdruckmassage geht, wie man Menschen beatmet, wann der Notruf gewählt werden muss und dass die Eigensicherung ganz wichtig ist, vor allem nach einem Unfall.“ Auch die stabile Seitenlage klappe schon ganz gut. „Das ist toll. Denn so kann ich später auch anderen Menschen helfen.“

Und um all das zu lernen, ist auch Disziplin nötig. „Sport ist ja auch keine Strafe, sondern eine Hilfe“, betont Philipp Humbsch augenzwinkernd. Nicht nur den Kindern, auch ihm selbst macht die Arbeit sichtbar Freude. Zu zehnt sind seine Mitstreiter und er vom Frankfurter Verein Pépinière – neun Medizinstudenten und ein Krankenpfleger – in Ziltendorf, um die Schüler auszubilden. Sie machen das ehrenamtlich. Zwei Tage wird gelernt und geübt, am Mittwoch absolviert jeder Schüler eine Prüfung. Dafür benötigen die Ausbilder noch jede Menge Verbandsmaterial, gern abgelaufenes Material aus alten Erste-Hilfe-Kästen. Wer helfen möchte, kann das Material direkt in der Schule abgeben.

Philipp Humbsch ist Initiator des Projektes „Jeder kann ein Held sein“, in dem Mitglieder des Vereins Pépinière Grundschüler in ganz Brandenburg in Erster Hilfe ausbilden. „Mit den Ziltendorfer Kindern haben wir in diesem Jahr schon 1000 Kinder ausgebildet“, erzählt er stolz. „Denn auch Kinder können helfen.“ Unterstützt werden die Studenten von der Brandenburgischen BKK.

Und was hat es mit AC/DC auf sich? Ganz einfach: Zu deren Hardrock lässt sich die Herzdruckmassage genau im richtigen Rhythmus durchführen. Das findet Jonas ganz toll: „Ich mag AC/DC“, verrät er, „höre deren Musik zu Hause ganz viel mit meinem Papa.“ Und als Schlagzeuger hat der Zehnjährige ohnehin Rhythmus im Blut. Gute Voraussetzungen also für eine fachgerechte Herzdruckmassage.

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