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Leichtathletik
Stöpsel im Ohr – Gesamtsieg verschenkt

Hagen Bernard / 22.10.2018, 02:15 Uhr - Aktualisiert 22.10.2018, 11:55
Eisenhüttenstadt (MOZ) Der Schlaubetalmarathon hat trotz der Absage vor einem Jahr seine Anziehungskraft nicht eingebüßt. 391 Läufer und Walker hatten auf den verschiedenen Distanzen das Ziel erreicht, damit war die Zahl der Finisher bei der 11. Auflage nahezu identisch mit der in den beiden vorangegangenen Auflagen.

Unter den Startern überwogen diejenigen, die zum Saisonausklang ohne Leistungszwang noch einmal einen Landschaftslauf bestreiten wollen. Fast dazu gedrängt jedoch wurde der Sieger des Marathonlaufes über 43,00 Kilometer, Tobias Singer. Der wegen einer Verletzung nicht an den Start gegangene Eisenhüttenstädter Felix Ledwig sowie sein Laufgefährte vom LAC Olympia 88 Berlin, Ron Scheduikat, hatten ihm zum Geburtstag einen Startplatz beim Schlaubetalmarathon geschenkt. „Ich war ja mit Ron schon zweimal beim Run & Bike in Neuzelle, aber Felix hat auch vom Schlaubetalmarathon so geschwärmt, dass ich auch einmal hier starten wollte“, sagt der B-Lizenz-Trainer.

Beim LAC  Olympia Berlin trainiert er die Lauf-Asse. Dass er selbst gut auf den langen Kanten unterwegs ist, hatte der 29-Jährige nicht nur mit seinen 2:29:48 Stunden beim Düsseldorf-Marathon im April gezeigt. Vor zwei Wochen hatte er den Köln-Marathon in für ihn enttäuschenden 2:39 Stunden bestritten, vor einer Woche den Brocken-Marathon in lockeren dreieinhalb Stunden.

„Zum Saisonende kann man auch mal solche Dummheiten machen. Im November beginnt dann die richtige Vorbereitung“, erklärt Singer. Ursprünglich habe er mit Ron Scheduikat in Eisenhüttenstadt beim Viertelmarathon starten wollen. „Über Nacht haben wir uns umentschieden. Ron den Halbmarathon, ich den Marathon. Im Gegensatz zum Köln-Marathon lief es hier für mich gut.“

In der Tat, der gertenschlanke Hauptstädter führte von Anbeginn das Marathonfeld an und setzte mit 2:42:10 Stunden für diese Distanz eine Bestmarke. Die bisherige hatte Felix Ledwig vor fünf Jahren mit 2:49:01 Stunden aufgestellt. Allerdings haben die Organisatoren für die elfte Auflage alle Strecken modifiziert, so dass diese nur bedingt vergleichbar sind.

„Ich finde die neue Strecke bald sogar besser. Das ist gefühlt weniger Straße“, erklärte Marita Wahl vom GutsMuths-Rennsteiglaufverein nach ihrem dritten Schlaubetalmarathonsieg. Vor einer Woche hatte die 48-Jährige aus Blankenfelde-Mahlow wie Singer den Harzgebirgslauf bestritten. Beim Lauf in Eisenhüttenstadt wollte sie in erster Linie Spaß haben, wie die auf sie im Ziel wartende Tochter Teresa erklärte. An den Händen gefroren habe  sie über weite Strecken und sich daher Handschuhe übergezogen, ansonsten sei hier alles sehr gut gelaufen, erklärte die im Ziel recht frisch aussehende Siegerin.

Alles andere als optimal hingegen war es für ihre 17-jährige Tochter gelaufen. Angesichts der bisherigen Erfolge war sie auf der Viertelmarathon-Distanz (10,55 Kilometer) als Favoritin an den Start gegangen. Diese Rolle füllte sie zunächst auch aus. Doch als sie nach drei Kilometern in Diehlo links Am Birkenwald hätte abbiegen müssen, lief sie wie die Starter im Marathon und Halbmarathon weiter geradeaus. „Ich habe keinen Pfeil gesehen und hätte wahrscheinlich auch nicht die Zurufe gehört, da ich Kopfhörer im Ohr hatte“, erklärt die bei 1,66 Meter Größe mit einer optimalen Figur für längere Strecken ausgestattete Berlinerin. Einst war sie auf der Bahn gesprintet. Vor drei Jahren hatte sie bei zwei- dreimal wöchentlichem Training wieder die Lust an der Leichtathletik gefunden und sich den längeren Distanzen zugewandt.

Doch die Strecke wurde selbst ihr am Sonnabend etwas zu weit. Als sich zwei Kilometer hinter der Abbiegung Am Birkenwald die Marathonis von den Halbmarathonis trennten, hatte sie mitbekommen, dass sie vom Kurs abgekommen war. Sie lief im Wettkampf-Tempo die zwei Kilometer zurück und erreichte auf dem Originalkurs mit Tränen in den Augen das Ziel.

Natürlich waren im Viertelmarathon bereits alle Messen gelesen. So freute sich die 38-jährige Nicola Streit aus Fürstenwalde  über ihren ersten Gesamtsieg bei dieser Veranstaltung. „Am Anfang war die Strecke durch die Hügel recht anspruchsvoll, dann aber lief es sich leicht“, erklärte die Bundespolizistin.

Zum ersten Mal Gesamtsieger im Viertelmarathon nach vielen Podestplatzierungen wurde Marius Ziems von der BSG Stahl. „Ich bin von Anfang an vorn mitgelaufen. Zum Schluss spurtete ich, um noch unter 37 Minuten zu kommen.“ Mit 36:58 Minuten gelang das.

Im Schlussabschnitt als sehr schnell erwies sich im Halbmarathon auch Ron Scheduikat, der mit 1:24:34 Stunden den in München lebenden Eisenhüttenstädter Jochen Beige um 14 Sekunden auf Rang zwei verwies. Die Frauenwertung gewann Ulrike Hain (SCC Berlin, 1:41:21 h). „Als Kind hatte ich mich auf 800 Meter spezialisiert. Doch nun mag ich längere Landschaftsläufe. Der Schlaubetalmarathon fehlte mir noch. Eine abwechslungsreiche Strecke, die ich mir noch hügeliger vorgestellt hatte.“

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